Olli Dürr Wirtschaft Wie Kapitalismus und deren Finanzkrise wohlwollend erklärt wird

Wie Kapitalismus und deren Finanzkrise wohlwollend erklärt wird

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Bankenkrise, Finanzkrise, Schuldenkrise – Der Konsument ist schuld!

Es hat so schön angefangen. Der Artikel von zeit.de „Kapitalismus in der Reichenfalle“ mit der kleinen Überschrift „Systemkritik“, erklärte in anschaulicher Weise das Wirtschaftssystem, wie es funktioniert und wie wir es kennen. Es lohne sich sogar, nach Alternativen zu fragen.

Welche Auswirkungen der Kapitalismus auf noch „jungfräuliche“ Gemeinschaften haben kann, zeigt der Artikel durch das Beispiel des afrikanischen Volkes der Kung. Ein urtümliches und „unberührtes“ Volk, das in der Kalahari ein abgeschiedenen Leben führt. Gravierende Veränderungen traten hervor, als die Regierung von Botswana begann, mit den Kung Handel zu treiben. Die Geburt der Marktwirtschaft mit kapitalistischen Zügen. Ist bisher unter den Kung alles geteilt worden, treten nach der Einführung des Handels einzelne Besitzer hervor. Die Gemeinsamkeit ist dem individuellem Besitztum gewichen.

Anfang des Kapitalismus

Eurolügen

Die Lüge zu den Ursachen
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Für das Volk in der Kalahari war der Beginn des Handels der Anfang des Kapitalismus, zugleich bedeutete der Zeitraum in den 1980-er Jahren für die industrialisierte Welt das Ende des Kapitalismus. Zumindest die Art des Kapitalismus, wie er uns bis jetzt als vertraut erscheint. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter erklärte bereits im Jahre 1942 die Funktionsweise des Kapitalismus anhand eines anschaulichen Bildes. Der Aufstieg der Marktwirtschaft war noch untrennbar mit technischen Errungenschaften verknüpft. Technische Neuigkeiten und Erfindungen waren die ständigen Begleiter der aufstrebenden Marktwirtschaft. In der „Pionierzeit“ des globalen Kapitalismus wurden Hochöfen, Dampfmaschinen und Lokomotiven erfunden. Das ganze System wurde als eine einzige große Maschine begriffen. Eine große Maschine, die immer schneller und immer mehr Dinge erzeugt.

Kapitalistische Maschine

Heute ist die große „kapitalistische Maschine“ ins Stocken geraten. Ein rechnerisches Beispiel läßt die Entwicklung sehr gut erkennen. Der Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 2000 bis 2007 betrug 381 Milliarden Euro. Wenn man diesen Betrag auf die 82 Milionen Bundesbürger umrechnet, hat sich das Einkommen im Durchschnitt für jeden Einzelnen um 4.646 Euro erhöht. In der gleichen Zeit ist jedoch die deutsche Staatsverschuldung ebenfalls um 381 Milliarden Euro angestiegen. Der Wohlstand ist folgend durch die Aufnahme von Krediten nur ausgeliehen worden. Der errechnete Wachstum stellt nur einen scheinbaren Wachstum dar. Die Rechnung des Bruttoinlandsprodukts mit der Gegenstellung der aufgebauten Staatsschulden ließe sich für jedes andere kapitalistische Land dieser Welt übertragen. Es käme überall zumindest ein ähnliches Verhältnis zum Vorschein.

„So funktioniert der Kapitalismus –
Schulden gehören zur Marktwirtschaft dazu

Der Artikel erklärt mit dem folgenden Sätzen, dass „Schulden zum Wesen der Marktwirtschaft dazu gehören“:

Der Kapitalismus, wie wir ihn kannten, funktioniert so: Irgendjemand leiht sich Geld, sagen wir eine Million Euro, ob es der Staat ist oder ein Unternehmer, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass er das Geld nutzt und damit Dinge produziert, die die Leute haben wollen. Dass er, sagen wir, die eine Million Euro in Stahl investiert, dass er davon Werkzeug kauft und Arbeiter bezahlt und am Ende eine Reihe Autos baut, die so gut sind, dass er sie für zwei Millionen Euro verkaufen kann.
So entstehen Mehrwert, Wohlstand, echtes Wirtschaftswachstum. So kommt die Reichtumsmaschine ins Laufen, so werden zehntausend Dinge zu zwanzigtausend.

Kaum Mehrwert, kaum Wohlstand

„Im Kapitalismus, wie wir ihn heute in den meisten hoch entwickelten Industrieländern erleben, leiht sich der Staat eine Million Euro, und es entsteht: kaum Mehrwert, kaum Wohlstand. Nur ein Mehr an Schulden“, denn „die Märkte sind satt“, so der Artikel.
Offenbar näherten sich die Industrieländer an den Punkt, an denen die Menschen nicht noch mehr Produkte kaufen könnten, weil einfach die Zeit fehlte, die neuen Artikel zu nutzen.
„Mit geschickter Werbung lässt sich das schon bewerkstelligen, aber es ist schwierig, es ist teuer, und irgendwann schafft man es nicht mehr“, so wird die kapitalistische Maschine erst langsamer, bis sie letztendlich stehen bleibt. – Soweit die Begründung zur Funktionsweise der Marktwirtschaft und die Gründe, warum diese ins Straucheln gerät!

„Das Problem ist das fehlende Wachstum“

„Um zu erkennen, warum das nicht geht, genügt es, die Zeitung aufzuschlagen, den Fernseher einzuschalten, ein paar Internetseiten zu öffnen“. Damit will der Artikel erklären, warum die „Kapitalismus-Maschine“ niemals zum Stillstand kommen kann / darf.
Die sog. „Finanzkrise“ seit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers“ im September 2008, sei keine Finanzkrise, keine Bankenkrise, auch keine Schuldenkrise. Die sog. Finanzkrise entstand aus dem gesättigten Markt des US-Immobilienmarktes. Die „neuartigen Wertpapiere“ für den spekulativen Handel auf Immobilien verloren ihren Wert und die Finanzkrise fand ihren Anfang.
Die Bankenkrise entstand durch das einbrechende Investmentgeschäft der Finanzkrise. Banken hätten zuvor ihren Geschäftsschwerpunkt als Kreditgeber zu den Investmentgeschäften verlagert und waren vom Einbruch des Wertpapiermarktes daher besonders betroffen.
Letztendlich folgte die Schuldenkrise, da die Industriestaaten nichts anderes übrig blieb, als „riesige Kredite“ aufzunehmen, um die Banken zu stützen. Die Hoffnung der Staaten, die Verbindlichkeiten (Schulden) durch höheres Wirtschaftswachstum zu begleichen, hat sich nicht verwirklicht. Das Ausbleiben erhöhter Steuereinnahmen und die hinzukommenden Maßnahmen für Bankenrettungen, ließen die Schulden ins „Unermessliche“ steigen.

– Der Artikel wiederholt die These:
„Finanzen, Banken, Schulden. Das Problem ist das fehlende Wachstum.“

„Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus?

Die Frage, ob es eine Alternative zum Kapitalismus gäbe, würde stets aus der Sicht der Armen formuliert worden. Die Theorien von Marxisten, Befreiungstheologen, Romantikern, Dritte-Welt-Aktivisten und Arbeiterführern, sind jeher gescheitert. Selbst der Sozialismus wurde in seinen verschiedenen Varianten von den Menschen abgeschafft.

„All diese Versuche sind gescheitert, die Träume geplatzt, letztlich waren sie unsozialer als die kapitalistische Maschine, die nicht nur mitunter obszön anmutenden Überfluss produzierte, sondern auch viele Hundert Millionen Chinesen, Inder, Südkoreaner, Vietnamesen und Brasilianer aus der Armut befreite“.

Wie schön, dass der Artikel zum Schluss wieder auf das Volk der Kung zurück kommt. Diese sind am Ende aus der Kalahari vertrieben worden, denn im Boden ihres Lebensraumes wurden Diamanten vermutet! – Ein krönendes Beispiel des imperialistischen Kapitalismus!

Hübsch erklärt, die Wahrheit aber wie immer verschwiegen

Das der Artikel hintergründig suggeriert, der Konsument sei Schuld am ganzen Desaster, da er sich zu viel Zeit für seine gekauften Waren nehme, kann vernachlässigt werden, es ist so schon zu peinlich. Aber wie fast immer fehlt (natürlich) das Fundamentalste an der einleuchtenden Erklärung über die Ursachen der heutigen Wirtschafts- und Finanzkrise. Es fehlt nur der eindeutige Hinweis:
Das Geldsystem basiert auf „Luftgeld“ und Zinseszinsen!

Schulden für Schulden

Schulden werden gemacht, um Schulden zu bezahlen. Schon längst vor der Lehmann Pleite im Jahre 2008 waren alle Industrieländer aus naturgesetzlichen Gründen auf dem einzig möglichen Weg der Überschuldung. Lehmann ist u.a. genau aus dem Grund des geltenden Geldsystems pleite gegangen. Natürlich spielt die Gier der Menschen eine tragende Rolle, ist sie doch der Antriebsmotor, welches dieses Geldsystem, das wir vorfinden, überhaupt erst ins Leben rief. Lehmann war lediglich die erste große Investmentbank, die zugrunde gegangen ist. Nur ein Vorbote, ein „Pionier“ der noch folgenden Untergänge. Die durch Lehmann ausgelöste Kette zahlreicher Finanzprobleme, kann auch als ein Beschleuniger für die schon längst eingeschlagene Fahrtrichtung betrachtet werden. Zinseszinsen durch Schulden und noch mehr Schulden verfolgen eine Linie, die ins Unendliche zeigt. Ein von Grund auf zum Scheitern verurteiltes Geldsystem. Steigende Schulden und Schuldzinsen erfordern aus der Konsequenz heraus ein steigendes Wachstum, welches aber ebenfalls eine „Unendlich-Linie“ (Exponentialfunkion – Ein Beispiel) folgen müsste. Völlig ausgeschlossen, unendliches Wachstum gibt es nicht und gerade deshalb ist das ganze Finanzsystem vom Grundbaustein her zum Scheitern verurteilt.

Der o.g. Artikel in Zeit.de, der den Sinn des Kapitalismus, deren Antriebsmotoren und die Gründe für die Antriebslosigkeit „erklärt“, stellt lediglich eine kleine Erweiterung des Horizonts dar, welcher bereits ab dem Kindesalter der Bevölkerung in die Köpfe infiltriert worden ist. Die dargestellten Gründe und Ursachen über die vorherrschende Finanzkrise sind unvollständig und führen auf eine offenbar gewollt falsche Fährte.
Bereits Henry Ford erklärte: „Würde die Bevölkerung das Geldsystem begreifen, hätten wir schon vor dem nächsten Morgen eine Revolution“ !

Eine große Angst der Politiker besteht einzig darin, dass die Bevölkerung „aufwacht“ und begreift, was tatsächlich auf ihren Rücken gespielt wird. Noch funktionieren die Maßnahmen, das tatsächliche Ausmaß, die tatsächlichen Hintergründe, zu überdecken und zu verschleiern. Noch funktionieren die kleinen Schritte, die den Bürgern ein ungeteiltes Wohlwollen suggerieren…

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