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Peinliche Scheinheiligkeit: Brüssels Entrüstung zu Libor-Skandal

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Die Entrüstung der Europäischen Kommission über die Schandtaten der Libor manipulierenden Banken schlägt derzeit höhere Wellen, als der Betrug am Markt selbst. Das Vokabular der EU-Politiker erweiterte sich um „Bankster, Kasino-Händler und korrupte Gangster“. Den Verantwortlichen müsse Geld- und Gefängnisstrafen drohen.

Die EU fordert „Gerechtigkeit“ und Wiedergutmachung, gleichermaßen Vorbeugung gegen weitere „Schlupflöcher“, die von Banken ungeniert genutzt werden, um den Londonder Interbankenzins Libor auf Werte nach Belieben zu setzen. EU-Kommissarin Viviane Reding hat sich offensichtlich als Gallionsfigur für das Anti-Manitpulations-Schiff gegen die „Libor-Mafia“ zur Verfügung gestellt.

Brüssel ziehe seine Lehren aus dem jüngsten Barclays-Skandal und will sich die „betrügerischen Banker vorknüpfen“. Tatsächliche Manipulationen des Interbankenzinssatzes des Londoner Handelsplatzes, oder auch nur der Versuch, solle mit Geld- und Haftstrafen geahndet werden. „Banker sind korrupte Bankster“, ertönt es aus Brüssel. Banken besitzen eine „abzockerische Kasino-Mentalität“, stellt Reding fest.

Das Getöse erscheint ein wenig zu laut, vor allem zu spät

EU-Kommission
Brüssel - Juristischer Papiertiger

Der Aufschrei gegen die „bösen Banken“ klingt in meinen Ohren nach der altbewährten Methode „Haltet den Dieb“. Zu viel Gescheppere über eine offenbar schon längst bekannte Tatsache, dass Banken nach belieben die Zinssätze zum eigenen Vorteil veränderten. Zum Ende Juli ist das Geschrei aus Brüssel anhaltend groß, obwohl das Gezerre um Barclays Bank seit geraumer Zeit zurück liegen muss. „Auf frischer Tat ertappt“ wurde die britische Bank Barclays sicher nicht. Ein medialer Höhepunkt wurde durch den Rücktritt des ehemaligen Chefs, Bob Diamond, gebildet, aber die Strafe, fast eine halbe Mrd. Euro, für die Sünder-Bank war bereits unter Dach und Fach. Wie schnell hatten die Ermittler und die Justiz gehandelt, dass mit dem Ertappen die Millionen-Strafe für Zinsmanipulationen bereits bezahlt wurde?

Die Entrüstung der EU-Kommission entspricht mehr einem Marktschreier, der die Blicke von den eigenen faulen Äpfel auf die schimmligen Birnen des Nachbarn ablenken will. Es liegt klar auf der Hand, dass Brüssel die Libor-Manipulationen längst bekannt waren, vielleicht auch insgeheim diskutiert, aber noch längst nicht öffentlich angeprangert wurden. Der Brüsseler Clique ist es sogar zuzutrauen, die Sache möglichst tief gehalten zu haben, eher jemand was davon bemerkt. Leider ist das ganze aufgeflogen. Ein oder zwei „Schurken-Banken“ hätte man noch unter der Grasnarbe halten können, aber womöglich sind alle 18 angehörigen Investment-Bankster-Häuser darin verstrickt, inkl. die Deutsche Bank.

Deutsche Bank beantragte bereits 2011 die Kronzeugenregelung

Wie soll das zusammenpassen? Blankes Entsetzen über die „kürzlich aufgedeckten“ Libor-Manipulationen, aber die Deutsche Bank bemühte sich bereits 2011 bei der EU-Kommission als auch in der Schweiz um eine Kronzeugenregelung zu dieser Angelegenheit! Anschließend setzte ein förmlicher Wettlauf um die rettende Insel „Immunität“ ein, ebenfalls bereits 2011!

Der Brüsseler Verein verspielt mit jedem weiteren lauten Ton zum Libor-Skandal seine Glaubwürdigkeit. Alleine die Forderung nach „drakonischen Strafen“ prallen bereits an den uneinigen Justizregelungen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ab. Manche EU-Länder haben in ihren Gesetzeswerken überhaupt keine „Option“ vorgesehen, betrügerische Banken juristisch zu belangen. „Wir, die EU-Kommission, protestieren auf das Schärfste, aber erledigen müssten das die Länder bitte schon selbst.“

Eine sehr verspätete Reaktion der Brüsseler Verantwortlichen. Sie zeigen mit dem rechten Finger auf den Betrüger, halten ihre linke Hand aber am Ar… der Investmentbanken. Die „grenzenlose Entrüstung“ zum Libor-Betrug dient offenbar dazu, die Verdachtsmomente, der Euribor (43 Mitgliedsbanken Euro-Zone) könnte ebenfalls Dreck am Stecken haben, möglichst klein zu halten.

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Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

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