Olli Dürr Karfreitag – Wichtigster Anlass zur Trauer? Was die Bibel sagt

Karfreitag – Wichtigster Anlass zur Trauer? Was die Bibel sagt

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Der Karfreitag gilt als der „wichtigste Anlass zur Trauer“ in den christlich orientierten Gemeinden. Jesus Christus wurde gekreuzigt. Der etwas genauere Blick in die Bibel zeigt aber ein „etwas“ anderes Bild über das, wie es hätte eigentlich sein sollen.

Karfreitag – Der christliche Trauertag

Die Kreuzigung Jesus Christi war für die damaligen Jünger ein Schock. Völlig entsetzt und ohne Hoffnung auf ein gutes Ende musste sie das Leiden und den Tod des Messias mit ansehen. Heute werden diese Momente an einem jeden Karfreitag „nachempfunden“. Ist dies berechtigt? Schließlich hätte es weder einen Grund für Überraschung, noch einen Grund für hoffnungslose Trauer gegeben. Dies bekräftigte Jesus Christus selbst wiederholt, denn Er kündigte Seinen Tod und Seine Auferstehung mehrfach an und forderte die Jünger zur Freude auf.

Die erste Ankündigung Jesu

Markus 8,31-32:
Und er fing an, sie zu lehren, der Sohn des Menschen müsse viel leiden und von den Ältesten und den obersten Priestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden und nach drei Tagen wieder auferstehen. Und er redete das Wort ganz offen. Da nahm Petrus ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.
(Parallelen in Matthäus 16,21-23 und Lukas 9,22)

Die zweite Ankündigung Jesu

Markus 9,30-32:
Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Und er wollte nicht, daß es jemand erfuhr. Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen ausgeliefert; und sie werden ihn töten, und nachdem er getötet worden ist, wird er am dritten Tag auferstehen. Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.
(Parallelen in Matthäus 17,22-23 und Lukas 9,43-45)

Die dritte Ankündigung Jesu

Markus 10,32-34:
Sie waren aber auf dem Weg und zogen hinauf nach Jerusalem, und Jesus ging ihnen voran, und sie entsetzten sich und folgten ihm mit Bangen. Da nahm er die Zwölf nochmals beiseite und fing an, ihnen zu sagen, was mit ihm geschehen werde: Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den obersten Priestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert werden; und sie werden ihn zum Tode verurteilen und ihn den Heiden ausliefern; und sie werden ihn verspotten und geißeln und anspucken und ihn töten; und am dritten Tag wird er wieder auferstehen.
(Parallelen in Matthäus 20,17-19 und Lukas 18,31-34)

Eigentlich keine Überraschung

Überraschung

Unnötige Überraschung?

Dreimal kündigte Jesus Christus Seinen Jüngern Seinen bevorstehenden Tod und Seine ebenso bevorstehende Auferstehung am dritten Tag an. Petrus, in seinem noch „lebhaften Temperament“, wollte diese Gefahr abwehren und Jesus Christus rügte sogar, dass durch ihn die Stimme (Absicht) Satans wirkte. Auf den ersten Blick völlig unverständlich, aber wenn man bedenkt, dass der stellvertretende Sühne-Tod Jesu und Seine Auferstehung nicht nur den möglichen Erlösungsweg zum ewigen Leben für die Menschen bewirkte, sondern auch die endgültige Niederlage Satans bedeutete, dann ist eine versuchte Verhinderung des Heilswerkes Jesu sogar nachvollziehbar.

Kam daher der Tod Jesu für die Jünger dennoch völlig überraschend? Offensichtlich schon. Denn sie schliefen nach dem Abendmahl in aller Ruhe in Gethsemane, als Jesus Christus im Beisein verzweifelt betete. Als Jesus Christus festgenommen wurde, suchten die Jünger das Weite und Petrus verleugnete (wie angekündigt) Jesus Christus gleich dreimal. Nach der Hinrichtung Jesu versteckten sich die Jünger und waren geschockt und verzweifelt. Selbst die Nachricht der zwei Frauen, die Jesus nach Seiner Auferstehung zuerst begegneten, brachten die Jünger nicht in Hochstimmung. Sie glaubten es nicht.

Eulen-Augen

Verdutzte Blicke über Jesu plötzliches Erscheinen

Völlig überraschend tauchte Jesus Christus in einem Versteck der Jünger wieder auf. Deren Blicke müssen wohl dem eines Uhus im Scheinwerferlicht ausgesehen haben. Jesus ließ sich ein Stück Brot und etwas Fisch geben und aß es, damit sie sehen konnten, dass Er kein Geist, sondern aus Fleisch und Blut ist. Und Thomas konnte Jesu Auferstehung so lange nicht glauben, bis er Jesus Christus persönlich gegenüberstand. In diesem Sinne wird dem „ungläubigen Thomas“ Unrecht getan, denn kein einziger Jünger versuchte die anderen zu beruhigen, weil Jesus Christus schließlich am dritten Tag wieder auferstehen werde. Niemand hatte dies auf dem Schirm.

Zwischendrin sogar „Wink mit dem Zaunpfahl“

Obwohl Petrus es vorab schon begriffen hat, wer Jesus Christus tatsächlich ist, hat er es offenbar dennoch nicht realisiert bzw. verinnerlicht. Petrus erkannte in Ihm den Christus, Matthäus 16,16-17:
Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel!

Selbst der „Wink mit dem Zaunpfahl“ wurde von den Jüngern nicht richtig einsortiert. Noch vor der Kreuzigung sagte Jesus Christus gemäß Johannes 14,28-29:
Ihr habt gehört, daß ich euch sagte: Ich gehe hin, und ich komme zu euch! Wenn ihr mich lieb hättet, so würdet ihr euch freuen, daß ich gesagt habe: Ich gehe zum Vater; denn mein Vater ist größer als ich. Und nun habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, damit ihr glaubt, wenn es geschieht.

Unverständnis und Unglaube der Jünger

Dennoch waren die Jünger völlig überrumpelt und gingen mit der Kreuzigung Jesu Christi von einer totalen, irreversiblen Niederlage aus, bevor überhaupt das erhoffte Heil über Israel kommen konnte. Dies, obwohl die Jünger es eigentlich hätten wissen können, dass Jesus Christus am dritten Tag wieder auferstehen wird. Er hatte dies immerhin dreimal an drei verschiedenen Orten angekündigt und auch Stellung dazu bezogen. Hier liegt also kein Mangel an Informationen, sondern ein Mangel an Verständnis und Glauben seitens der Jünger vor.

Mangel an Glauben, denn unabhängig von Jesu wahrer Eigenschaft war die Auferstehung am dritten Tag mehrfach angekündigt. Mangel an Verständnis, da die Judäer zwar gemäß Verheißung durchaus einen Messias erwarteten, aber eben einen solchen, der das Volk von der Knechtschaft der Römer befreie, das Königsreich aufrichte und das Volk über alle anderen Völker der Erde herrschen lasse. Das war aber ein traditioneller Irrtum seitens der Schriftgelehrten und deren Lehren.

Aufklärung erst zum Schluss

Der endgültige Groschen ist bei den Jüngern erst nach weiteren 40 Tagen nach der Auferstehung Jesu Christi gefallen. Kurz vor Seiner Himmelfahrt erklärt Jesus gemäß Lukas 24,45-48:
Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden, und sprach zu ihnen: So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern[1], beginnend in Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon!

„Endlich mal Klartext“, könnte man nun einwenden. Aber offenbar war der seit Grundsteinlegung dieser Welt schon festgelegte Erlösungsplan nur auf diese Weise zu erfüllen. Es folgte die Ausschüttung des Heiligen Geistes auf die Jünger (Pfingsten) und damit hatten sie auch keinerlei Zweifel mehr und unterlagen auch nicht mehr ihren vorangegangenen Irrtümern.

Heute wüssten „wir“ es eigentlich besser

Heute wissen wir weitaus besser Bescheid über den durch Jesus Christus erfüllten tatsächlichen Erlösungsplan als die damals an Seiner Seite wandelnden Jünger. Sie tappten in relativer Unwissenheit bis zur Himmelfahrt Jesu. Der Heiland selbst sagte vor Seiner Kreuzigung, „wenn ihr mich liebt hättet, so würdet ihr euch freuen„. Eines Seiner letzten Worte am Kreuz war: „Es ist vollbracht!“ (Info).

„Freude! Und nicht Trauer!“, so der Aufruf Jesu. Das ist exakt das Gegenteil dessen, was seit geraumer Zeit an „elendigen Trauerzügen“ an jedem sog. Karfreitag zelebriert wird. Hierzu wird Jesus Christi Auferstehung auch gleich am „Sonntagmorgen“ zum Sonnenaufgang festgenagelt. Völlige Willkür, denn der 1. Tag der Woche begann bereits quasi Samstag spätabends (nach Sonnenuntergang). Doch die Assoziation „Sonnenaufgang“ am „ehrwürdigen Tag der Sonne“ erscheint den Kirchen passender (Ökumene – Info).

„Wer mich lieb hat, der freut sich“, so Jesus Christus. Doch die Pastoren und Priester der Kirchen „heulen“ anlässlich des „Karfreitags“ regelmäßig von der Kanzel hinunter. Dies jeweils an einem gemäß dem päpstlich-gregorianischen festgelegten Termin. Kaum einer dieser Pastoren und Priester kommt aber auf die Idee, die Gemeinde-Schäfchen dazu zu ermahnen, den Grund für Jesu Selbstopferung zu erkennen, bereuen, umzukehren und künftig zu vermeiden.

Trauer und Entsetzen angebracht

Trauer

Karfreitags-Trauer ist meist fehlgeleitet

Nicht „jammern und winseln“, Tanzverbot und Trauermusik am jährlich einmaligen Karfreitag, sondern „Asche aufs Haupt und Sacktuch tragen“ nach einer jeglichen Sünde für die gezeigte echte Reue und Buße! Und dies, wenn erforderlich, an einem jeden Tag im Jahr. Doch hiervon keine Spur. Stattdessen predigen diese Täter in Talar, Soutane, Chorhemd und Stola ihr jeweils eigenes Verständnis des Evangeliums. Entweder fabulieren sie über einen „all-versöhnlichen Toleranz-Gott“, oder über Beichtstuhl, Absolution, Rosenkranz, Ablass und Fegefeuer.

Übrigens: Die Worte am Kreuz, „es ist vollbracht“, wird Jesus Christus wiederholen („es ist geschehen“) in Offenbarung 16,17 und Offenbarung 21,6. Aber dann ist es zu spät für diejenigen, die dem letzten Aufruf, aus Babylon herauszukommen, nicht gefolgt sind (Info).

Die am Karfreitag gezeigte Trauer sollte daher nicht primär dem Bestandteil des Heilsplanes Gottes gelten, sondern dem eigenen Unvermögen und dazu das „gesunde Quäntchen“ Entsetzen über das eigene Übertreten eines der Gebote Gottes. Die Menschen im alten Volk Israel waren noch dazu angehalten, das unschuldige, einjährige Opferlamm mit eigenen Händen zu töten, um so zu verinnerlichen, was Sünde tatsächlich bedeutet.

Die [Engel] sprachen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Ruhm und Lob!
Offenbarung 5,12

Bibelverse aus Schlachter 2000

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