Olli Dürr Die jüdischen Festtage und ihre heutigen Bedeutungen

Die jüdischen Festtage und ihre heutigen Bedeutungen

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Die sogenannten jüdischen Festtage für das Volk Israel waren nach Gottes Vorgaben bestimmt. Auch wenn diese Feste mit dem Wirken Jesu abgeschafft wurden, haben sie dennoch eine maßgebliche Bedeutung ab dem Neuen Testament bis zur heutigen Zeit. Die These, das Alte Testament sei für das Christentum hinfällig, ist irreführend und kann verworfen werden. Daher ist auch die Bezeichnung „jüdische Festtage“ im eigentlichen Sinne falsch. Die Ereignisse um Jesus Christus sind die Verwirklichung der Festtage des Volkes Israel im Alten Testament.

Die Festtage im AT wurden von Gott an Israel vorgeschrieben

Gott legt mit der Definition des ersten Monats (Abib bzw. Nisan) das Hebräische Jahr fest. Damit war auch der hebräische Kalender definiert. So in 2. Mose 12,1:
Dieser Monat soll euch der Anfang der Monate sein, er soll für euch der erste Monat des Jahres sein„.
Die Festregeln sind zudem in 3. Mose 23 noch einmal ausführlich erklärt.
An dieser Stelle ist übrigens der Sabbat gesondert erwähnt. In 3. Mose 23,3 steht der Sabbat (7. Tag) als Ruhetag nicht nur an erster Position, sondern ist bereits aufgelistet, bevor die Anweisungen für die „Feste des Herren“ beginnen. 3. Mose 23,4:
Das sind aber die Feste des Herrn, die heiligen Versammlungen, die ihr zu festgesetzten Zeiten einberufen sollt
Damit ist auch an dieser Stelle, wie sonst an irgendeiner anderen Stelle in der Bibel, kein Hinweis vorhanden, der auf eine Abschaffung des Sabbats deuten könnte, oder dass der Sabbat (7. Tag der Woche) zu den folgenden Zeremonialgesetzes gehörte.

Heilsplan Gottes von Beginn an

Der Zusammenhang zwischen den Festtagen im Alten Testament und den Handlungen Jesu Christi und dem Ablauf der Ereignisse war aus der Sicht des damaligen Volkes Israel nicht ersichtlich. Erst mit dem Abschluss der letzten Handlungen (Pfingsten) war im Nachhinein erkennbar, dass sämtliche Festtage zwischen Passahfest und Wochenfest (Abschluss) zum Einzug Jesu in Jerusalem, Abendmahl, Kreuzigung, Ruhetag, Auferstehung und Ausschüttung Heiliger Geist Parallelen aufweisen. Die weiteren Festtage Posaunenblasen, Versöhnungstag und Laubhüttenfest ergeben sich anhand der Heiligtumslehre.

In einfachen Worten: Erst als dies alles geschehen ist, war die Menschheit „schlauer“ und in der Lage den großartigen Heilsplan Gottes zu erkennen, der mit Jesus Christus erfüllt wurde.

Die Festtage im AT und ihre Bedeutung ab dem NT

Hier die Gegenüberstellung der von Gott im Alten Testament verordneten Festtage zu den heutigen Festtagen bzw. Bedeutungen.

Heb. Tag Festtag Symbolik für
14. Nisan Passahfest Abendmahl & Kreuzigung
15. Nisan Ungesäuerte Brote Jesus ruht im Grab
16. Nisan Erstlingsfrucht Auferstehung Jesu
6. Sivan Wochenfest Pfingsten
1. Tischri Posaunenblasen Gerichtsankündigung
10. Tischri Versöhnungstag Reue, Buße, Vergebung
15. Tischri Laubhüttenfest Gerichtsbeginn

Symbolik der Feste für das Heilswerk Jesu Christi

Passah-Lamm

Mit dem Passahfest wird der Beginn der Vollendung Jesu Heilswerk eingeläutet

Die Feste des Alten Testamentes hatten allesamt eine bestimmte Symbolik und diese findet sich im Heilswerk Jesu Christi wieder. Ein jeder einzelne Festtag ist auch vom Zeitpunkt sowie in der Reihenfolge kein Zufall, sondern beschreibt den von Jesus Christus geplanten Weg für die (bedingte) Errettung der Menschen.

14. Nisan – (Beginn) Passahfest (Pesach)

2. Mose 12,6: „und ihr sollt es aufbewahren bis zum vierzehnten Tag dieses Monats. Und die ganze Versammlung der Gemeinde Israels soll es zur Abendzeit schächten
Es handelt sich um das geschlachtete Lamm, dessen Blut an die Türrahmen gestrichen wurde, damit der „Todesengel“ die Erstgeburt im jeweiligen Haus nicht anrührt (10. Plage über Ägypten).
Mit dem Ende dieses Tag beginnt das eigentliche „Passahfest“, welches über eine ganze Woche gefeiert wurde.

Ab NT und heute entsprechend:
Das Passahfest läutet das Abendmahl und Kreuzigung Jesu ein. Der neue Tag beginnt im Hebräischen Kalender mit dem Sonnenuntergang. Somit war das Abendmahl bereits am 14. Nisan und am darauffolgenden Tag (Tageslicht) wurde Jesus Christus am Kreuz hingerichtet.

15. Nisan – Ungesäuerte Brote (Chag Hamazzot)

2. Mose 12,17 „Und haltet das Fest der ungesäuerten Brote! Denn eben an diesem Tag habe ich eure Heerscharen aus dem Land Ägypten herausgeführt; darum sollt ihr diesen Tag als ewige Ordnung einhalten bei euren [künftigen] Geschlechtern.
3. Mose 23,6 „Und am fünfzehnten Tag desselben Monats ist das Fest der ungesäuerten Brote für den Herrn. Da sollt ihr sieben Tage lang ungesäuertes Brot essen
Das Fest der ungesäuerten Brote (ohne Hefe) bedeutet die Erinnerung an die Errettung des Volkes Israel aus den Händen Ägyptens.

Ab NT und heute entsprechend:
Jesus Christus liegt im Grab und ruht. Das war an einem Sabbat. Mit der Aufnahme der Sünden der Menschen und Seinem stellvertretenden Tod hat Jesus Christus den Menschen (bedingt) vor dem Sünden-Tod gerettet.

16. Nisan – Fest der Erstlingsfrucht (Reschit Katzir)

Zu diesem Anlass sollte das Volk Israel die Erstlingsgarbe der Gerstenernte (Frühernte) den Priestern überbringen. Der Priester begann die Garbe „vor dem Herrn“ zu weben. „Am Tag nach dem Sabbat soll sie der Priester weben“ (3. Mose 23,11)

Ab NT und heute entsprechend:
Jesus Christus ist auferstanden von den Toten in Fleisch und Blut. Er ist der „Erstling“ unter den Auferstandenen. Das was die Priester aus der Erstlingsgarbe weben sollten, symbolisiert das „Kleid der Gerechtigkeit“ Jesu.

6. Sivan – Wochenfest (Chag Schawuot)

Nach dem Tag der Erstlingsgarbe (16. Nisan, der Tag nach Sabbat) folgen 7 Wochen, bis zu dem Tag, der auf den 7. Sabbat folgt und damit insgesamt 50 Tage (3. Mose 23,15-16). Das Wochenfest bildet den Abschluss des Erstlingsfestes.

Ab NT und heute entsprechend:
Heute wird dieser „Abschlusstag“ als Pfingsten gefeiert. Der Tag, an dem derjenige kam, den Jesus Christus bereits ankündigte, Sein Stellvertreter, der Heilige Geist. Dieser ist an diesem Tag über die Jünger ausgegossen worden. Damit begann auch die Verbreitung des Christentums durch Jesu Apostel bzw. Nachfolger.

1. Tischri – Posaunenblasen (Rosch ha-Schana)

Dieser Tag ist in 3. Mose 23,23-25 beschrieben:
Und der Herr redete zu Mose und sprach: Rede zu den Kindern Israels und sprich: Im siebten Monat, am ersten des Monats, soll ein Ruhetag für euch sein, ein Gedenken unter Hörnerschall, eine heilige Versammlung. Ihr sollt keine Werktagsarbeit verrichten, sondern dem Herrn ein Feueropfer darbringen.

Ab NT und heute entsprechend:
Mit diesem Anlass erfolgt die Ankündigung des Gerichts, denn der sog. Versöhnungstag folgt in Kürze. Eine eindringliche Warnung, dass dieses Gericht bereits begonnen hat, ist in Offenbarung 14 zu finden, im Rahmen der 3-Engels-Botschaft.

10. Tischri – Großer Versöhnungstag (Yom Kipphur)

An diesem Tag sollte sich das Volk Israel versammeln, um ihre Sünden zu bereuen und Buße zu tun. Das Sühneopfer wurde erbracht. Der Hohepriester ging an diesem einzigen Tag im Jahr in das Allerheiligste, um dieses von den über das Jahr angesammelten Sünden zu bereinigen. Diese Sünden übertrug der Hohepriester auf den Sündenbock und dieser mit nun den Sünden beladene Bock wurde zum Abschluss in die Wüste verjagt. In den Anfängen des Volkes Israels vollzog man die Bereinigung in der sog. Stiftshütte, danach im Tempel.

Ab NT und heute entsprechend:
Die Stiftshütte bzw. der Tempel war ein Nachbau (symbolisch) des Himmlischen Heiligtums. Mit Seiner Himmelfahrt nahm Jesus Christus die Stelle des einst irdischen Hohepriesters ein. Sämtliche Brand- und Speiseopfer wurden mit dem Tod, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi aufgehoben. Ein irdisches Symbol, welches auch die Rechtfertigung durch den Glauben ermöglichte, war nicht mehr notwendig. Nun ist dieses Symbol mit Jesus Christus verwirklicht worden.

15. Tischri – Laubhüttenfest (Chag Hasukkot)

Das Laubhüttenfest begann 5 Tage nach dem Versöhnungstag und dauerte 7 Tage, bzw. am 8. Tag war der arbeitsfreie Abschlusstag. Das Volk Israel sollte während diesen Tagen weitaus mehr Opfer erbringen als sonst, zusätzlich zu den Opfern an Sabbaten und auch zusätzlich zu den Gaben und freiwilligen Gaben. Ausschlaggebend war zum Beginn des Laubhüttenfestes auch die eingebrachte Weizenernte (Späternte).

Ab NT und heute entsprechend:
Wie bereits der 1. Engel in Offenbarung das Gericht ankündigte und auch Daniel in Kapitel 8 über den Beginn der Reinigung des Heiligtums berichtete, bedeutet der Start des Laubhüttenfestes auch den Gerichtsbeginn vor der Wiederkunft Jesu. Die Prophetie in Daniel 8,14 weist darauf hin, dass dieses Gericht bereits im Jahr 1844 begann.
Das Einbringen der Weizenernte ist auch ein klarer Hinweis für den bald eintreffenden „Jüngsten Tag“, da Weizen und Unkraut bis zum Schluss nebeneinander wachsen werden. Dann ist die Ernte samt Trennung des Weizens vom Unkraut.

Original-Festtage sind verunstaltet worden

Anhand der Festtage 14., 15. und 16. Nisan geht klar hervor, dass der 14. Nisan der 6. Tag der Woche (Rüsttag), der 15. Nisan der 7. Tag der Woche (Sabbat) und der 16. Nisan der 1. Tag der Woche gewesen sein muss. Das widerspricht mitunter diverse Thesen, welche behaupten, Jesus Christus sei am Sabbat auferstanden.

Dass diese Tage heute stets auf Freitag, Samstag und Sonntag fallen, hat jedoch nichts mit der tatsächlichen Beachtung des Hebräischen Kalenders zu tun, sondern mit dem von der katholischen Kirche eingeführten gregorianischen Kalenders. Damit beabsichtigte die Kirche Roms aufgrund ihres heidnischen Glaubens an einen obersten Sonnen-Gott, diese Tage stets auf den „Sonnen-Tag“ fallen zu lassen. Das heutige Osterfest hat lediglich eine christliche Bemalung, verdeckt aber nur den tatsächlich heidnischen Hintergrund der insgeheimen Ishtar-Verehrung.

Das Alte Testament ist nicht überflüssig

Neues Testament

Das Alte und Neue Testament gehören untrennbar zusammen

Eine weitere weit verbreitete These behauptet, das Alte Testament sei heute überflüssig, bzw. nicht mehr bindend. Es handelte sich um den „neuen Bund“ und daher könne das AT beiseite gelegt werden. Das würde nicht nur die Gebote auf obsolet setzen, sondern auch jeglichen Nachweis dafür, dass die Menschen auch im Alten Testament ausschließlich durch den Glauben gerechtfertigt wurden. Es war damals die vorausblickende Symbolik auf den kommenden Heiland. Das Neue Testament und die darin enthaltene Heilslehre kann ohne das Alte Testament gar nicht richtig verstanden werden. Das NT baut auf dem AT auf. Darüber hinaus ermahnt Jesus Christus in Matthäus 24,15 dazu, in den Schriften Daniels zu forschen:

„Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von dem durch den Propheten Daniel geredet wurde, an heiliger Stätte stehen seht (wer es liest, der achte darauf!)“

Irreführende Bezeichnung

Der Begriff „jüdische Festtage“ ist ebenso irreführend wie „jüdischer Sabbat“. Die Vorschrift der Festtage galt für das Volk Israel und dies bereits zu einem Zeitpunkt, lange bevor vom Land bzw. Staat Juda überhaupt die Rede war. Da es sich um die Festtage um eine Symbolik handelt, welche mit Jesus Christus verwirklicht wurde, galten diese Festtage in ihrer Bedeutung somit auch den heutigem „Volk Israel“, also diejenigen, welche die Gebote halten und das Zeugnis Jesu tragen. Der Unterschied liegt nur darin, dass kein Gläubiger dazu aufgerufen ist, sich ein Tier zur Opferdarbringung zu besorgen. Das hat Jesus schließlich mit Seinem eigenen Opfer ersetzt und zwar einmalig und für immer.

Ein weiteren Beleg für die Untrennbarkeit vom Alten und Neuen Testament erbringt Offenbarung Kapitel 11. Die dort beschriebenen „2 Zeugen“ stellen genau diese beiden Abschnitte der Bibel dar.
Die Behauptung, das Alte Testament sei für die Christen hinfällig, gehört somit ins Reich der Ammenmärchen. Derjenige, der diese These vertritt, schlägt damit die Aufforderung Jesu, das Buch Daniel zu lesen, kurzerhand in den Wind.

Bibelverse aus Schlachter 2000

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