Die vom Reformator Martin Luther festgestellte These “sola scriptura” wurde von der römisch-katholischen Kirche ohne Verzögerung auf oberste Position der Abschussliste gesetzt. Pures Gift gegen die eigenen Doktrin und damit auch gegen die eigene Existenzberechtigung. Die Vernichtung der “sola-Thesen” ist heute längst weitgehend abgeschlossen.
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Schrift alleine oder auch Tradition?
Wenn es ein Leitmotiv des Protestantismus gegeben hat, welches die römisch-katholische Kirche besonders wurmte, ja sogar unbehagliche “Ausschläge” verursachte, dann war es das Prinzip “sola scriptura” (“nur die Schrift”). Das brachte zum Ausdruck, dass als Glaubens- und Lehrbasis ausschließlich das inspirierte, niedergeschriebene Wort Gottes dient, also die Bibel. Andere Schriften sind zwar zulässig, müssen aber in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift stehen. Das trifft z.B. auf solche Literatur zu, welche bestimmte Aspekte des geschriebenen Wortes hervorheben bzw. herausarbeiten. Absolutes Tabu waren dagegen Werke, die nicht dem Evangelium entsprachen, durch Abweichungen oder sogar Widersprüche.
Die “sola-Thesen” – Ein Überblick
Längst vergessenes Prinzip

Das Prinzip “sola scriptura” gehört jedoch längst der Vergangenheit an, denn dieser äußerst gewichtige Leitsatz weht allenfalls nur noch als Symbol in Form einer verschlissenen und zerfransten Fahne über den Häusern des Protestantismus. Neben “sola scriptura” sind auch weitere Grundprinzipien zur Geltung gebracht worden. Das sind z.B. “sola fides” (“nur durch Glaube”) und “sola gratia” (“nur durch Gnade”). Dennoch blieb “sola scriptura” der wundeste Punkt zur vielfältigen Doktrin der römisch-katholischen Kirche, denn dieses Prinzip bildet das Fundament und ist die Grundlage für die Erkenntnis der Erlösung des Menschen nur durch die Gnade Jesu aufgrund des Glaubens. Ist “sola scriptura” einmal aus dem Weg geräumt, dann stehen auch die weiteren sola-Thesen nur noch auf einem wackeligen Sockel.
Der Ausdruck “sola scriptura” entstand schon zu Beginn der Reformation. Martin Luther verwendete den Ausdruck “solam scriptum regnare” (“nur die Schrift herrsche”) in seinem Schreiben “Assertio” (“Freiheitserklärung”) gegen seine angedrohte Exkommunikation durch Papst Leo X verwendete. Das war im Jahr 1520. Nachdem Luther die entsprechende Bulle des Papstes in 1000 Fetzen zerlegt hatte, folgte schließlich seine Exkommunikation am 03. Januar 1521.
Roms Krieg gegen sola scriptura
Sola war auch ein zentrales Thema während eines der wichtigsten Konzile der römisch-katholischen Kirchengeschichte. Das Konzil zu Trient (1547-1563). Eine Großveranstaltung ganz im Geiste gegen die Erkenntnisse des Protestantismus. Die Kirche bekräftigte ihre Lehrsätze ausdrücklich, legte mit der 14. Sitzung am 25. November 1551 für einen ganzen Tag insg. 15 katholische Glaubenspunkte fest, die allesamt bei Missachtung oder entgegen dem Glaubensdiktat nicht beachtet würden, jeweils mit einem “Anathema” (Kirchenbann, Bannfluch).
Mit Punkt 4 sicherte die Kirche erneut ihren eigenen Standpunkt, dass Gnade allein nicht ausreichen könne, sondern für die Erlösung des Menschen entsprechende Werke verrichtet werden müssen:
“Wenn jemand leugnet, daß zur vollständigen und vollkommenen Vergebung der Sünden drei Akte im Büßenden als Quasi-Materie des Bußsakramentes erforderlich sind, nämlich Reue, Bekenntnis und Genugtuung, welche die drei Teile der Buße genannt werden, oder wenn jemand sagt, es gebe nur zwei Teile der Buße, nämlich die dem Gewissen durch die Erkenntnis der Sünde eingejagten Schrecken und den aufgrund des Evangeliums oder der Lossprechung empfangenen Glauben, mit dem jemand glaubt, daß ihm die Sünden durch Christus vergeben sind, gelte das Anathem.“
Kurz: Wer behauptet, Christus könne die Sünden einfach so vergeben, der sei verflucht.
Existenzberechtigung gefährdet

Wo kämen wir da auch hin? Welche Existenzberechtigung hätten dann noch die katholische Priesterschaft, wenn Jesus Christus einfach Gnade walten lässt? So ist es auch eine “extra-scripturale” Lehre der römischen Kirche, dass Jesus am Kreuz gar nicht für die Vergebung der Sünden gestorben sei, sondern um die Priesterschaft einzuführen (Alphonsus Ligurori – Info).
Damit erübrigte sich auch die These “sola gratia”, obwohl, nicht wirklich überraschend, das Evangelium das genaue Gegenteil beschreibt. Die Sünde könne vom Priester vergeben werden, aber damit sei die Schuld noch nicht beglichen. Die müsse dann mit “guten Werken” beglichen werden, alternativ folgte ein Herunterbrennen der Schuld im (katholischen) Fegefeuer. Um diese Qualen zu verkürzen, erbarmt sich ab und zu der katholische Hohepriester (Papst) und gewährt einen Ablass. Zur Zeit Martin Luthers eben exzessiv gegen bare Münze. Der Auslöser der Reformation.
Schon der Prophet Jesaja hob zu seiner Zeit hervor, dass der (damals) künftige Messias neben der Vergebung der Sünde auch die lastende Schuld auf sich nimmt, Jesaja 53,5:
“Doch er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden.“
Und zwar einmalig, immer während, abschließend, und nicht in ständiger Wiederholung des erneuten geopfert Werdens während der Eucharistie.
“auch nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für allemal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erlangt.” (Hebräer 9,12)
“Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt durch die Opferung des Leibes Jesu Christi, [und zwar] ein für allemal.” (Hebräer 10,10).
Gnade alleine reiche nicht aus

Das Konzil zu Trient widmete sich naturgemäß dem biblischen Konzept Rechtfertigung durch Glauben, und dies nicht irgendwann zwischendrin, sondern gleich zu Beginn. Am 6. Sitzungstag am 13. Januar 1547 wurden zum Thema Rechtfertigung u.a. folgende katholische Gesetzmäßigkeiten betont:
“Wenn der Apostel sagt, der Mensch werde gerechtfertigt durch den Glauben und umsonst, dann müssen diese Worte in dem Sinne verstanden werden, den der beständige Konsens der katholischen Kirche festgehalten und zum Ausdruck gebracht hat, nämlich so: Von uns wird gesagt, wir seien durch den Glauben deshalb gerechtfertigt, weil der Glaube der Anfang des menschlichen Heiles ist, Fundament und Wurzel aller Rechtfertigung, „ohne den es unmöglich ist, Gott zu gefallen“ und zur Gemeinschaft seiner Söhne und Töchter zu gelangen.“
Die Antwort erfolgt auf die genannten Verse Römer 9,28:
“So kommen wir nun zu dem Schluß, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes.”
und Römer 3,24:
“so daß sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist.“
Die römisch-katholische Interpretation beschreibt somit diese Gnade quasi als “Initialzünder” für das Bestreben des Menschen, sein Heil zu finden. Die Gnade Jesu gebe dem Menschen diese Erkenntnis, aber die Erlösung selbst müsse sich dieser selbst erarbeiten.
Vollkommene Verleugnung Jesu Christi
Es ist offensichtlich: Jesus Christus wird von der römischen-katholischen Kirche in all Seinen erlösungsrelevanten Aspekten vollkommen geleugnet. Das spiegelt sich auch unvermittelt im Umgang mit den Menschen wider, welche der Doktrin der römischen Kirche nicht (mehr) Gehorsam zollen. Auch an diesem Punkt zeigen sich “dezente” Unterschiede zu Jesus Christus und der Institution, welche behauptet Christus hier auf Erden als Seine Körperschaft zu vertreten.
Lukas 9,60:
“Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“
Johannes 6,66-67:
“Aus diesem Anlaß zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr nicht auch weggehen?“
Hebräer 8,9:
“nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten zu führen – denn sie sind nicht in meinem Bund geblieben, und ich ließ sie gehen, spricht der Herr.“
Jesus Christus ließ sie gehen. Das war deren Entscheidung.
Die Sicht der römisch-katholischen Kirche

Der “Oberheilige” Thomas von Aquin beschrieb es in seinem berühmten Werk “Summae Theologiae”. Artikel 3 “Sollten Ketzer toleriert werden?”
Aquin führt zur Beantwortung eine “Behauptung” an, die in Titus 3,10-11 aufgestellt wird:
“Einen sektiererischen Menschen weise nach ein- und zweimaliger Zurechtweisung ab, da du weißt, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt und sich selbst verurteilt hat.“
Aquin glaubt aber, die Aussage der Bibel “korrigieren” zu müssen:
“Ich antworte: In Bezug auf Ketzer sind zwei Punkte zu beachten:
einer auf ihrer eigenen Seite; der andere auf der Seite der Kirche. Auf ihrer eigenen Seite liegt die Sünde, durch die sie nicht nur die Exkommunikation von der Kirche, sondern auch die Trennung von der Welt durch den Tod verdienen. Denn es ist eine viel schwerwiegendere Sache, den Glauben zu verderben, der die Seele belebt, als Geld zu fälschen, das das weltliche Leben erhält. Wenn also Geldfälscher und andere Übeltäter von der weltlichen Autorität sofort zum Tode verurteilt werden, besteht ein noch viel größerer Grund dafür, dass Ketzer, sobald sie der Ketzerei überführt werden, nicht nur exkommuniziert, sondern sogar hingerichtet werden.“
“Von wegen, einfach gehen lassen! Sie müssen getötet werden!”
Brillanz der Täuschung
Allein die wenigen Beispiele zeigen auf, dass die These “sola scriptura” für die Doktrin und somit auch Existenzberechtigung der römisch-katholischen Kirche purem Gift entspricht. Diese Institution gibt sich christlich, repräsentiert de facto aber das exakte Gegenteil. So wundert es auch nicht, dass das Evangelium in ein durchaus handbares Buch passt, während die Bibliotheken der römischen Kirche zusammen kilometerlange Korridore bilden. Die “Brillanz” so mancher katholischen Theologen mag durchaus berechtigt sein in ihrer Definition, aber das gilt eben nur für die brillante Kunst, die durch und durch antichristliche Doktrin der römischen Kirche wie das übermittelte Christentum aussehen zu lassen.
Damit dies auf den eigenen Sockeln Stand findet, muss natürlich “sola scriptura” verworfen und stattdessen “in libris scriptis et sine scripto traditionibus” deklariert werden. Die “heilsame Wahrheit” bestehe nicht aus der Schrift alleine, sondern (vor allem) aus der Tradition. Dieser Beschluss wurde zum Abschluss der 4. Sitzung im Konzil zu Trient erneut bekräftigt.
Bibel klärt auf und warnt
Die Bibel selbst weist allerdings an zahlreichen Stellen eindringlich darauf hin, dass die Schrift die einzige Quelle der Wahrheit ist, zur Zeit der Apostel zum Abschluss und warnte eindrücklich vor den “Weisheiten” so mancher Philosophen und ihre eingebrachten Lehren.
“Das aber, meine Brüder, habe ich auf mich und Apollos bezogen um euretwillen, damit ihr an uns lernt, in eurem Denken nicht über das hinauszugehen, was geschrieben steht, damit ihr euch nicht für den einen auf Kosten des anderen aufbläht.” (1. Korinther 4,6)
“»Zum Gesetz und zum Zeugnis!« – wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.” (Jesaja 8,20)
“Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.” (2. Timotheus 3,16-17)
“Diese aber waren edler gesinnt als die in Thessalonich und nahmen das Wort mit aller Bereitwilligkeit auf; und sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte.” (Apostelgeschichte 17,11)
Dieser Vers zeigt die kritische Haltung der Bewohner in Beröa auf. Sie hörten die Predigten von Paulus und Silas, wollten deren Aussagen aber überprüfen auf Korrektheit. Worin? In der Schrift!
“Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen.” (Offenbarung 22,18-19)
“Anathema” gegen Kirche Roms

Was “Anathema” betrifft, so hatte Paulus auch etwas darüber zu sagen.
“Mich wundert, daß ihr euch so schnell abwenden laßt von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium, während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Wie wir es zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium verkündigt als das, welches ihr empfangen habt, der sei verflucht!” (Galater 1,6-9)
“Damals schon”, also noch zu Lebzeiten der Apostel, war das Evangelium abgeschlossen. Sei es nun auf Papier oder mündlich übermittelt, es handelte sich um die vollständige Offenbarung des einstigen “Geheimnisses Gottes” (Offenbarung 10,7). Die Kirche Roms brüstet sich damit, dass es ohne sie keine Bibel gäbe, da sie schließlich den Kanon zusammenstellte. Gut, sei es drum. In einfachen Worten, man hat die losen Blätter in einem Ordner gesammelt und sortiert. Es bleibt aber beim Fakt, dass der Inhalt des ursprünglich geschriebenen Wortes, zumindest des Original-Evangeliums, nicht von der römischen Kirche formuliert wurde.
Betrachtet man sich jedoch den für die lateinische Vulgata, die erneut auf dem Konzil zu Trient festgelegte verbindliche katholische Bibel, verwendeten Grundtext, dann relativiert sich die “einfache Zusammenstellung” ganz schnell zu einer Schriftsammlung mit kräftigem gnostischen Einzug.
Heute ist die These “sola scriptura” im ehemaligen Protestantismus nur noch ein Schatten aus der Vergangenheit. In Verwendung ganz im Stile eines Hochstaplers, der sich als etwas ausgibt, was dieser tatsächlich gar nicht ist. Eben zu jener Täuschung, welches die Mutter in Rom seit ihrer Entstehung verkörpert.
Und es werden viele falsche Propheten auftreten und werden viele verführen.
Matthäus 24,11
Bibelverse aus Schlachter 2000








