Titel können etwas bedeuten, aber auch nur Schall & Rauch sein. Der oberste Hirte der römisch-katholischen Kirche hat in etwa soviel Titel, wie die einstigen Sowjet-Offiziere Orden an der Vorderseite ihrer Ausgehuniform hängen hatten. Papst Franziskus schaltete einige von diesen Bezeichnungen auf Stand-by, Leo XIV kramte wieder einen hervor.
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Einige Titel ins Archiv verfrachtet
Papst Franziskus hat sich bescheiden gegeben, auch wenn dies regelmäßig nur die Oberfläche betraf und man nicht nach Hintergründen und Symbolik nachforschte. Das betraf insbesondere seine jährlichen Fußwaschungen von einer Auswahl von Häftlingen des Gefängnisses Roms.

Der vorangegangene Pontifex hatte sich einer ganzen Reihe der von seinen Vorgängern im Laufe der Jahrhunderte selbst gegebenen Titel entledigt. Allerdings erst rund 7 Jahre nach dem Beginn seines Pontifikates, also im Jahr 2020. Er wollte scheinbar einfach nur “Episcopus Romanus” (Bischof von Rom) sein. “Papst” war auch noch akzeptabel und ebenso “Pontifex”, solange man das damit verbundene “Maximus” nicht überbetont. Zu den von Franziskus abgelegten Titel zählte “Stellvertreter Jesu Christi” (Vicarius Iesu Christi), “Primas von Italien” (Primas Italiae), “Oberster Pontifex der Weltkirche” (Summus Pontifex Ecclesiae Universalis) und “Nachfolger des Apostelfürsten” (Successor Principis Apostolorum).
Eine Eliminierung dieser Titel vollzog Franziskus jedoch nicht. Vielmehr handelte es sich um eine Ablage ins Archiv.
Leo XIV sehnt sich nach Stellvertreterschaft
Der gegenwärtige Papst Leo XIV hat in diesem Archiv scheinbar einen Rundgang unternommen, den einen und anderen Aktenordner abgestaubt und sich kurzerhand einen Einband zur Reaktivierung unter die Achsel geklemmt. Es hat ihm der Titel “Stellvertreter Christi” besonders angetan, denn diesen gebrauchte Leo bei seiner Ansprache vor einer Führungs-Delegation der Kolumbusritter aus den USA (Knights of Columbus) am 06. Oktober 2025 (Quelle).
Das ist jener Orden, der es sich zum Ziel setzte, den Katholizismus in seiner “ganzen Pracht” auch über das Zeitliche in den Vereinigten Staaten auszurollen. US-Präsident John F. Kennedy, übrigens, war ein Ritter dieses Ordens. Allerdings bezeichnete Kennedy die Trennung zwischen Staat und Kirche als unantastbar. Das stieß auf sehr, sehr wenig Gegenliebe.
Der “Stellvertreter” ist zurück
Papst Leo XIV scheint seine Rolle als Stellvertreter Christi selbstverständlich zu nehmen. Denn in seiner kurzen Ansprache bedankte er sich bei den Anwesenden, welche ihre Reise gen Rom als ein Pilgern im “Heiligen Jahr 2025” verstanden, für ihre Großzügigkeit bei der Ermöglichung von karitativen Projekten gegen die Armut und lobte:
“Sie sind ein sichtbares Zeichen ihrer anhaltenden Hingabe an den Stellvertreter Christi.“
Mit seinen Abschlussworten bestätigte Leo seine verstandene Position durch die standardisierte Floskel der “Fürsprache Unserer Lieben Frau, Maria, die Mutter der Kirche“. Die Kirche, der “mystische Leib Christi”, der Sohn Marias, die “Himmlische Königin und Miterlöserin”, und er selbst, der Papst, der Stellvertreter ihres Sohnes, der Gesalbte.
Nur noch ein kleiner Schritt

Für einen weiteren Titel innerhalb der päpstlichen Sammlung fehlten nur noch wenige Federstriche, um auch offiziell “Vicarius Filii Mariae” genannt zu werden. Das wäre immerhin ein Ersatz für den wohl endgültig ins Archiv verbannten Titel “Vicarius Filii Dei“.
Die katholische Variante der Maria wäre ohnehin geeigneter für das Zusammenrücken innerhalb der Ökumene, was vor allem den Islam betrifft. Denn Maria ist auch im Koran eine größere Nummer als man vielleicht vermuten würde. Immerhin wird Jesus im Islam “Īsā ibn Maryam” genannt, also der “Sohn von Maria”. Sehr außergewöhnlich, da in aller Regel der Vater genannt wird.
“Christus” – Welcher?
Wie passt dies alles zusammen? Hierzu bedarf es lediglich die Berücksichtigung, dass die Stellvertreterschaft den “Christus” betrifft, nicht aber “Jesus Christus”. Denn “Christus” kann auch ein Prophet, ein König und ein Hohepriester sein, also ein jeder, der gesalbt wurde. Nichts anderes bedeutet das Wort Christus, schlicht Gesalbter. In Hebräisch “Messias”.
Der von Franziskus gecancelte Titel “Vicarius Iesu Christi” dürfte wohl der “ewigen Verstaubung” übergeben worden sein.
Ein solchen gesalbten Kandidaten, welcher die Kriterien erfüllt, an einem 25. Dezember von einer Jungfrau in einer Felsgrotte geboren worden zu sein, hat die römisch-katholische Kirche mindestens seit Kaiser Konstantin ganz für sich reserviert (Info).
Darum ist Hochmut ihr Halsschmuck, und Gewalttat ist das Gewand, das sie umhüllt.
Psalm 73,6
Bibelverse aus Schlachter 2000








