Musterbeispiel Jesu Wirken – Samariterin am Wasserbrunnen

Good example

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Das Neue Testament mit dem Wirken Jesu Christi gibt unzählige Beispiele für die zur Nachahmung ausgerufenen Vorgehensweisen und das Verhalten des Christen, der andere Menschen zum wahren Glauben führen möchte. Niemand ist hierfür besser geeignet als Jesus Christus. Eine Szene im Johannes-Evangelium zeigt sich als Beispiel für besonders geeignet.

Jesu Vorbild – Nicht nur in der Theorie

Jesus Christus als unser aller Vorbild. Das ist beim Christen allgemein hin anerkannt und wird auch mehr oder eher weniger so verinnerlicht und auch beherzigt, geschweige in der Praxis umgesetzt. Man beginnt bei Matthäus und endet beim letzten Kapitel des Johannes-Evangeliums. Die komplette Darstellung von Jesu Leben, Sein Wirken, Seine wahre Natur und auch Sein Charakter. Seine ersten Früchte können in der Apostelgeschichte erfahren werden. Und die zahlreichen Briefe der Apostel geben ebenfalls unglaublich viel Aufschluss über Jesu Wesen, Sein Handeln und auch das Prinzip des für den Menschen eröffneten Rettungsweges. Eben jenes, was das Neue Testament ausmacht.

Book of John
Neues Testament – Johannes

Die Umstände in der Zeit des Wirkens Jesu waren mit Besonderheiten geprägt. Das betraf ganz besonders das Volk Juda. Von der römischen Vorherrschaft geknechtet und auch längst in den eigenen versteinerten Traditionen gefangen. Etwas, was Jesus Christus umgehen bzw. durchbrechen musste, natürlich bei entsprechendem Widerstand. Daher erscheint eine Szene Seines Wirkens als besonders geeignet, nicht nur Seine Vorgehensweise zu erkennen, die Menschen zum wahren Glauben zu führen, sondern auch um die notwendige Unbekümmertheit gegenüber vorherrschende gesellschaftliche Regeln zu verdeutlichen. Das Treffen zwischen Jesus Christus und der Samariterin am Wasserbrunnen.

“Ausgerechnet” nach Samaria

Jesus zog mit Seinen Jüngern gen Samaria. Ausgerechnet, da die Bewohner Samarias (Samariter) den Judäern ein Gräuel waren. Kontakte wurden nicht gepflegt, man ging sich gegenseitig aus dem Weg. An einem Ort namens Sichar machten Jesus und Seine Jünger Rast, direkt neben einem Wasserbrunnen. Dieses Gebiet war Jahrhunderte vorher das Land Joseph, eines der Söhne Jakobs (Israel). Während die Jünger in die Stadt hineingingen, um dort Essen zu besorgen, verblieb Jesus am Brunnen. Es kam eine Frau hinzu, eine Samariterin.

Heute würde man sagen, das sind besonders erschwerte Umstände, denn die Fronten zwischen Samaritern und Judäern waren über die Jahrhunderte hinweg verhärtet.

Warum Samariter die besonders “Unreinen” waren

Die Judäer vermieden jeglichen Umgang mit den Samaritern, denn diese galten für sie als “unrein” und als Götzendiener. Die Stadt Samaria war einst die Hauptstadt des aus 10 Stämmen Jakobs bestehenden Nord-Israels. Juda und das kleine “Insel-Volk” darin, Benjamin, bildeten Süd-Israel mit der Hauptstadt Jerusalem. Nach dem letzten König über Gesamt-Israel, Salomon, kam es zu dieser Aufteilung. Es folgten der König Jerobeam für Nord-Israel und König Rehabeam für Süd-Israel. Damals hing der “Haussegen” schon sehr schief. Nord und Süd waren sich teils spinnefeind.

Nord-Israel fällt durch Assyrer

Assyrer-Krieger
Assyrer – kompromisslose Grausamkeit

Nord-Israel fiel nach der Teilung noch weiter vom Weg Gottes ab, bzw. driftete noch weiter steil bergab. Könige wie Ahab sorgten für umfassenden Götzendienst durch das Einbringen von Religionen und Kultur der Heidenvölker, darunter besonders Ahabs Ehefrau Isebel, eine Phönizierin und Tochter eines Baal-Priesters. Gott ließ das Nord-Israel mehrfach warnen, aber sie hörten nicht. Es kam, wie es angekündigt kommen musste. Gott zog Seine bewahrende Hand von Nord-Israel ab und ließ es zu, dass Assyrien ungehindert wüten konnte. Samaria fiel und damit auch der Nord-Staat aus den 10 Stämmen Israels (721 v.Chr.).

Gott beschützte Jerusalem (noch)

Der damalige König Assyriens, Sanherib, streckte seine Finger auch gen Jerusalem aus. Aber hier hielt Gott noch Seine schützende Hand darüber. Sanherib zog gen Hauptstadt Judas. Beim Durchziehen des Landes blieben die Assyrer noch unbehelligt, aber bei Jerusalem war Schluss. “Denn ich will diese Stadt beschirmen, um sie zu retten um meinetwillen und um meines Knechtes David willen!“, so der Herr gemäß Jesaja 37,35. Binnen einer Nacht zog ein Engel des Herrn durch das Lager der Assyrer und erschlug 185.000 Soldaten (Jesaja 37,36). Sanherib und die Verbliebenen zogen ab und kehrten zurück nach Ninive.

Was lernten die Judäer daraus?

Was lernte das Volk Juda daraus? Im Prinzip nur wenig, und dies auch nur temporär. Denn der Glaubensabfall und der Einzug von Götzendienst blieb auch nicht in Juda, insbesondere in Jerusalem aus. Ja, sie trieben es sogar schlimmer als Nord-Israel. In Hesekiel 23 werden Nord-Israel und Juda symbolisch als die zwei Schwestern Ohola und Oholiba und ihre unsägliche Hurerei mit den Heidenvölkern dargestellt. Für Juda fiel das Urteil noch schlechter aus als für ihre Schwester Ohola:
Ihre Schwester Oholiba aber sah das, doch sie trieb es mit ihrer Lüsternheit noch viel schlimmer als jene und übertraf ihre Schwester in der Hurerei.” (Hesekiel 23,11).

Auch Juda blieb nicht unbehelligt

Nebukadnezar
Nebukadnezar plättete Jerusalem

Wieder kam es, wie es angekündigt kommen musste. Dieses Mal nicht die Assyrer, dafür die Chaldäer. Unter dem König Nebukadnezar erfolgte die Belagerung und anschließende Plünderung Jerusalems und das Volk Juda wurde für 70 Jahre ins Exil nach Babylon verschleppt. Danach folgte eine “letzte Frist” für 490 Jahre. Eine Zeit für die Rückkehr auf den einzig richtigen Pfad Gottes. Diese Frist lief ca. 34 n.Chr. ab, 3,5 Jahre nach der Kreuzigung Jesu Christi. Im Jahr 70 n.Chr. wurden Jerusalem und der Tempel vollständig zerstört.

Jesus Christus wirkte daher während den letzten Jahren dieser Frist von “70-Jahrwochen” (490 Jahre – Info). Jesus wusste dies selbstverständlich und erwähnte sogar, dass Er selbst den Abschluss dieser 490-Jahres-Frist einleitet. “Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!” (Markus 1,15).

Falsche Erwartungen

Die Judäer und die darin vorherrschende Kaste der Pharisäer, Sadduzäer und weitere Schriftgelehrte behielten offensichtlich die Rettung Jerusalems vom Übergriff des Assyrer-Königs Sanherib in fokussierter Erinnerung, da sie schließlich das ausgewählte und besonders gehütete Volk Gottes sind. Außerdem komme noch der rettende Messias, der das Volk Juda über alle Nationen der Erde erhebe. Jesus wirkte während der doch ziemlich brutalen Besatzung Roms. Daher ist das Verlangen des Retters für das ausgesuchte Volk umso ausgeprägter.

Mit Blindheit geschlagen

Von entsprechend selbst-erhöhter Position blickten die Judäer auf die Samariter hinab. Schließlich sind deren Väter von Gott für ihre Missetaten bestraft und als Volk ausgelöscht worden. Selbst sei man der Erlesene. In der eigenen Selbstgerechtigkeit, durch das Praktizieren völlig abstruser Traditionen der Religionsführer den Pharisäern näher als dem Evangelium, konnte diese Einschätzung gar nicht falscher liegen. Als Blinde von ihren blinden Führern geleitet, erkannten sie gar nicht, dass erstens Jesus der Messias ist, und zweitens, verdrängten sie die den Schriftgelehrten durchaus bekannte Prophetie in Daniel 9, besonders die Verse 25 bis 27.

Der Umgang mit “Unreinen”

Als Musterbeispiel des Vorgehens Jesu bei Seiner Evangelisierung eignet sich daher die Situation zwischen Ihm und der Samariterin am Wasserbrunnen besonders gut (Johannes 4,1-42). Jesus, ein Judäer, und die Frau, eine Samariterin, gesellschaftlich als eine Tabu-Begegnung klassifiziert, und für wohl die meisten Pharisäer ohnehin ein Affront.

Jesus ergriff das Wort

Jesus am Wasserbrunnen
Jesus & Samariterin

Jesus forderte die Frau dazu auf, Ihm etwas zu trinken zu geben. Sie allerdings gab sich sehr überrascht, da sie wohl eisernes Schweigen erwartete. Denn sie erkannte, dass Jesus ein Judäer ist und Er sie schließlich als ein “Golem” betrachten müsste. Sie sprach dies auch offen aus. Doch Jesus blieb, schwieg wider Erwarten nicht und erwiderte damit, indem Er auf Gottes Gabe zu sprechen kam, welcher nur erkannt werden müsste, um auch Gott um das “lebendige Wasser” zu bitten. Die Frau blieb pragmatisch und konterte, dass Jesus überhaupt keinen Eimer hat, um damit Wasser schöpfen zu können, geschweige irgendein “lebendiges Wasser”.

Jesus klärte die Frau auf, mit welcher Art lebendiges Wasser es sich handelt, das sie von Ihm erhalten könnte. Prompt verlangte sie danach. Im fliegenden Wechsel sprach Jesus von ihren privaten Verhältnissen und fühlte ihr auf den Zahn. Er sprach von ihrem Mann. Sie aber erklärte ehrlich, dass sie derzeit keinen Ehemann hat, sondern, heute würde man sagen, einen Lebensgefährten. Jesus wusste darum, dass sie schon 5 Männer hatte und eröffnete es ihr auch deutlich. Für sie sehr überraschend, denn woher wusste Er das?

Hinweis auf richtige Anbetung

Die Frau deutete auf den Berg Garizim, die damals heilige Stätte für die Samariter, denn Jerusalem war für sie mehr oder weniger verschlossen. Sie sprach: “Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll.” (Johannes 4,20). Jesus klärte die Samariterin darüber auf, wie bzw. wer angebetet werden muss, und auf welcher Grundlage. Hierzu auch eine Aussage mit “Ewigkeits-Klausel”: “Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.” (Johannes 4,24).

Die Samariterin, schließlich ein Abkömmling eines der ehemaligen 10 Stämme Nord-Israels, wusste um die Ankündigung über das Erscheinen des Messias. Hier offenbarte sich Jesus Christus an die Samariterin: “Ich bin’s, der mit dir redet!” (Johannes 4,26).

Verkündigung unter anderen Leuten

Die Frau lief sogleich in die Stadt, um allen Menschen zu erzählen, dass sie einen Mann getroffen hat, der nicht nur ein Prophet sein muss, sondern durchaus der erwartete Messias sein kann. Eine Menschenmenge eilte zum Wasserbrunnen, um Jesus mit eigenen Augen zu sehen. Sie luden Ihn ein, bei ihnen zu verweilen. Das taten Jesus und Seine Jünger auch. Sie blieben für zwei Tage. Offensichtlich sehr aufschlussreiche Tage, da viele Samariter davon überzeugt waren, dass Jesus der verheißene Messias sein muss (Johannes 4,39-42).

Gesellschaftliche Zwänge

Rich-Poor
Regelmäßig vermiedene Kontakte

Nun, auf den ersten Blick ist schon erkennbar, dass man über seinen eigenen Schatten springen muss, um auch gegen gesellschaftliche Regeln zu handeln, wenn dies erforderlich ist. Eine rein “traditionelle” menschliche Ansicht war (ist) es, einen anderen Menschen als “unrein” zu bezeichnen und diesen als “Golem” zu betrachten. Petrus hatte es direkt erfahren: “doch mir hat Gott gezeigt, daß ich keinen Menschen gemein oder unrein nennen soll.” (Apostelgeschichte 10,28). Wie sollte man Heiden jemals zum Glauben führen können, wenn diese vom jeglichen Umgang ausgeschlossen und sogar verpönt sind?

Hierzu sprach Jesus zu den Pharisäern deutlich: “Wehe euch Gesetzesgelehrten, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen! Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, welche hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert!” (Lukas 11,52)

Den eigentlichen Auftrag vermasselt

Die Aufgabe, welches das Volk Israel vom Betreten und Verteilen des Landes Kanaans an hatte, war das Wandeln auf Gottes Weg, so als Vorbild für die Heidenvölker zu dienen, damit diese mit Staunen betrachten können, wie fruchtbar, friedlich und prosperierend das Volk unter dem offensichtlich wahren Gott existiert. Das Lehren der Wahrheit des Evangeliums gehörte selbstverständlich auch dazu. Das Gegenteil war aber der Fall. Über die vielen Jahrhunderte hinweg kam es immer wieder zur Übernahme von heidnischen Bräuchen, das Missachten des Gesetzes Gottes, ja sogar das Aufstellen einer Figur der “Göttin” Ashera im Vorhof des Tempels.

Nach dem Entlassen aus dem Exil in Babylon änderte dies sich nicht viel. Aber anstatt ihrem Auftrag nachzukommen, schottete sich Juda mehr oder weniger in der eigenen Selbstgerechtigkeit ab und verbiss sich immer mehr in der Vorstellung, der kommende Messias werde das Land aus der Knechtschaft befreien, darunter von Griechen (“Makkabäer-Aufstand”) und zuletzt von den Römern, als König herrschen und das Land Juda über alle Nationen stellen.

Nicht ohne Folgen

Romans Jerusalem
Unheil für Jerusalem

Das Verhärten in eigenwilligen Traditionen und die vorherrschende Selbstgerechtigkeit blieb nicht folgenlos. Auch hierzu sprach Jesus Christus direkt aus: “Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das dessen Früchte bringt.” (Matthäus 21,43).
Das war der Fall, als der Hohe Rat den Apostel Stephanus, 3,5 Jahre nach Jesu Kreuzigung, steinigen ließ (Apostelgeschichte 7). Der Pharisäer Saulus war damals zustimmend zugegen (Apostelgeschichte 8,1). Aus diesem die ersten Christen verfolgenden Saulus wurde schließlich Paulus.

Jesus nahm keine Rücksicht auf Traditionen

Dass Jesus Christi keinerlei Rücksicht nahm auf die vielen zementierten Traditionen und Ansichten der von den Pharisäern im eisernen Griff geführten Judäern, ist deutlich. Entsprechend auch die Ihm entgegen geschleuderte Wut. Entsprechend unbekümmert und als Musterbeispiel geeignet, Sein Umgang mit der Samariterin und auch Seine Vorgehensweise.

In der Zusammenfassung

  • Jesus machte den Anfang. Um sie zu erreichen, begann Er das Gespräch (Johannes 4,4-7)
  • Jesus bewegte sich auf einem gemeinsamen Grund (Johannes 4,4-7)
  • Er weckte ihre Neugierde bzw. das Interesse an Geistlichem (Johannes 4,10-12)
  • Jesus deckte ihr tieferes Bedürfnis auf (Johannes 4,13-18)
  • Er erklärte ihr den richtigen Weg der Anbetung (Johannes 4,19-24)
  • Jesus offenbarte, dass Er der Messias ist (Johannes 4,25-26)
  • Sie antwortete und gab im Anschluss Zeugnis und weckte damit das Interesse anderer Leute (Johannes 4,28-39; 39-42)

Die übliche Praxis des Gegenteils

Glaubenszwang
Glaubens-Diktat

Jesus handelte völlig anders als jene Art, jemanden direkt im ersten Satz ins Gesicht zu klatschen, dass dieser für immer Tod sein werde (oder in der “Hölle schmoren” müsse – Info), falls der Glaube nicht angenommen wird. Geschweige diesem zu drohen und auch schwere Konsequenzen zu exekutieren, wenn die Einheit der eigenen Gemeinde als gefährdet deklariert wird.

Umstände, welche die Menschen in Europa über viele Jahrhunderte hinweg auf grausamster Weise erleiden mussten. Hierzu hatten der Prophet Daniel und Johannes durch die Offenbarung Genaueres über den Urheber dieser finsteren Zeiten zu sagen (Info).

Wie handhabte Jesus Christus den hartnäckigen Unglauben oder die Ablehnung des Evangeliums? Er ließ die Menschen schlicht und einfach gehen:

Aus diesem Anlaß zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr nicht auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du der Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes!
Johannes 6,66-69

Bibelverse aus Schlachter 2000

Vorlage von “Advent Media Connect

Musterbeispiel Jesu Wirken – Samariterin am Wasserbrunnen
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