Eines der bekanntesten Berichte der Bibel ist Moses und der Auszug des Volkes Israels aus Ägypten, die 40-jährige Wanderschaft und der finale Einzug ins verheißene Land Kanaan. Nicht nur der beschwerliche Weg eines ganzen antiken Volkes, sondern auch das bildhafte Beispiel des Erlösungsweges für den Menschen.
Über viele Jahrzehnte hinweg
Moses ist ein sehr gutes Beispiel, welche Zeitspannen die Pläne Gottes innerhalb eines menschlichen Lebens einnehmen können. Dies auch noch als ein Abbild dessen, was einen jeden einzelnen Menschen angeht.
Als Säugling wurde Moses von der Mutter in einem Korb in den Fluss Nil ausgesetzt, weil der Pharao (Thutmosis I) aufgrund der seines Erachtens zu starken Zunahme der Zahl des Volkes Israel in seinem Land die Tötung der männlichen Neugeborenen angeordnet hatte. Die Mutter wollte nicht, dass ihrem Neugeborenen derartiges zustößt.

Das Aussetzen Mose im Nil geschah ca. 1530 v.Chr (grafische Chronik). Moses wurde von der Tochter des Pharaos, Hatschepsuts, gefunden und auch großgezogen. Als Amme diente die leibliche Mutter von Moses. Dieser wurde gemäß ägyptischer Kultur großgezogen, gelehrt und auch für die Position des Pharaos vorbereitet.
Da Moses der offizielle Nachfolger von Thutmosis I gewesen wäre, hat er diese Rolle offensichtlich abgelehnt. Nachfolger wurde der Ehemann von Hatschepsuts, Thutmosis II. Auch rund vier Jahre später, nachdem Thutmosis II gestorben war, wäre eigentlich Moses wieder am Zuge gewesen. Doch auch hier musste Moses abgelehnt haben, denn er wurde nie Pharao. Im Alter von 40 Jahren tötete Moses einen Ägypter, nachdem dieser die Israeliten schlecht behandelt hatte. Moses musste fliehen und er flüchtete ins Exil nach Midian (2. Mose 2,15). Dort gründete Moses eine Familie und es vergingen weitere 40 Jahre.
Moses wird im hohen Alter von Gott berufen
Moses war bereits 80 Jahre alt, als Gott die Zeit als gekommen sah, Moses zur Rückkehr nach Ägypten zu bewegen, um das dort versklavte Volk Israel zu befreien. Der Mann im sehr fortgeschrittenen Alter, mit Familie vor Ort, eingesessen, und nicht gerade sehr redegewandt, war alles andere als von Gottes Plänen begeistert. Er scheute vor allem die Konfrontation mit dem Pharao. Zu diesem Zeitpunkt Thutmosis III. Dieser ägyptische Herrscher gilt auch heute als der mächtigste Pharao in der Historie. Mit ihm erlangte das damalige ägyptische Reich seine größte Ausdehnung.

Moses tat sich mit seinem Bruder Aaron zusammen und konfrontierte den Pharao mit dem Aufruf Gottes, Sein Volk aus Ägypten freizulassen. Der Herrscher schaltete auf stur und verweigerte auch die Freilassung des versklavten Israels nach 9 über das Land gekommene Plagen. Erst nach der zehnten Plage, der Tod jeder Erstgeburt im Land, veranlasste den Pharao dazu, das Volk Israel nicht nur einfach freizulassen, sondern es förmlich außer Landes zu verweisen, so schnell wie möglich. Dazu warf der Pharao dem Volk auch gleich ein ganzes Vermögen hinterher.
Der mächtigste aller Pharaonen entschied sich dann doch noch dazu, dem abziehenden Volk Israel mit seiner Armee zu verfolgen. Am Roten Meer angelangt, scheint das Volk Israel in der Falle gesessen zu sein. Es folgte die berühmte Szene, in der Moses durch Gottes Wirken das Meer teilte und das Volk trockenen Fußes durchschreiten konnte. Thutmosis und seine Armee ebenfalls dort angelangt, ertranken jämmerlich, als das Meer seine aufgetane Lücke wieder schloss. Das jämmerliche Ende des einst mächtigsten Herrschers der damaligen Supermacht Ägypten.
Vier Jahrzehnte auf “Irrwegen”
Es folgten weitere 40 Jahre. Eine Periode des beinahe Irrwanderns des Volkes Israel durch die Wildnis. Diese Odyssee hätte bereits nach 2 Jahren beendet sein können, denn damals stand das Volk schon vor dem Jordan und hätten lediglich den Fluss überqueren müssen, um das verheißene Land Kanaan zu betreten. Das Volk entsandte 12 Kundschafter, einen aus jedem Stamm. Lediglich 2 von ihnen, Kaleb (Stamm Juda) und Josua (Stamm Ephraim), stimmten für ein Betreten des Landes. Die anderen 10 rieten wegen der dort gesehenen Übermacht aus riesenhaften Kriegern ab. Das Volk war derart in Rage, dass sie Kaleb und Josua sogar steinigen wollten.

Ein klares Misstrauen der Verheißung Gottes, dass Israel von Seiner bewahrenden Hand geschützt werde und auch keine Angst vor vermeintlicher Übermacht haben müsse. Diese Rebellion beantwortete Gott mit einer “Verlängerung” der Wüstenwanderung um weitere 38 Jahre. Dazu auch die Quittung, dass kein Israeli, älter als die jüngste Generation (bis 20 Jahre), das Land Kanaan jemals betreten werde. Ausnahme waren Kaleb und Josua. Letzterer war es schließlich, der die Nachfolge Mose antrat und das Volk final über den Jordan ins verheißene Land führte.
Moses starb kurz vor dem Einzug nach Kanaan. Auch er durfte das Land nicht mehr betreten. Moses war 120 Jahre alt, und sichtlich noch bei guten Kräften (5. Moses 34,7). Er wurde von Gott schlafen gelegt.
Auszug Ägypten bis Einzug Kanaan – Erlösungsweg
Der Auszug des versklavten Volkes Israel aus Ägypten, die Wüstenwanderung und das finale Betreten des verheißenen Landes, da wo Milch und Honig fließt (2. Mose 3,17), sind ein Abbild des Erlösungsweges für den Menschen.
Hierbei spielt Moses, der über die Jahrzehnte hinweg in Geduld, Gehorsam und Demut das störrische Volk Israel anführte, die Schlüsselrolle und war das Abbild dessen, der noch kommen sollte. Das kündigte Moses selbst an, 5. Moses 18,15:
“Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf ihn sollst du hören!“
Sichtbare Parallelen

Moses, Sohn von Amram aus dem Stamm Levi, wuchs auf während einer Zeit der Bedrückung für sein Volk. Es folgten 40 Jahre Exil in Midian, eine Zeit der Läuterung von der ägyptischen Kultur und vor allem des Polytheismus (Vielgötterei). Ägypten war nicht nur eine Großmacht sondern auch das Zentrum der Wissenschaft und Bildung. Davon profitierte letztendlich auch der spätere Hellenismus (Info).
Moses hatte nicht nur eine Top-Ausbildung, sondern war auch entsprechend konditioniert. Moses lebte sein Leben, aber von Gott sichtlich als eine Zeit der Vorbereitung gewollt. Nach der Befreiung des Volkes folgten weitere 40 Jahre Wanderung mit allen erdenklichen Unregelmäßigkeiten. Man ist beinahe dazu geneigt, dies als chaotisch zu bezeichnen.
Das Volk murrte, begehrte auf, rebellierte, fiel in den Götzendienst zurück, wurde wiederholt auf die Probe gestellt, wurde von Schlangenbissen traktiert, erlitt Wassermangel, wurde mit Krankheiten geplagt. Alles Maßnahmen Gottes, um das Volk dazu zu bringen, um Gott endlich zu vertrauen. Denn es mangelte ihnen an nichts. Bitteres Wasser wurde zu genießbarem Wasser, Brot (Manna) fiel vom Himmel herab, Trinkwasser kam aus Felsspalten heraus, gegen Vergiftungen durch Schlangenbisse half der Blick auf eine erhobene Schlange, etc. Doch immer und immer wieder fiel das Volk mangels Vertrauen in den Unglauben zurück.
Wüstenwanderung – Heiligung

Sogar das Überqueren des Flusses Jordan war mit Vertrauen und Glauben verbunden. Denn das Wasser des Jordans wich nicht einfach so zurück, sondern die Leute mussten zuerst selbst aktiv werden und ihren Fuß in den Fluss setzen. Die 40-jährige Odyssee war eine langwierige Erziehungsmaßnahme für ein Volk, das nach mehr als 400 Jahren Sklavendaseins in einem Heidenvolk Gottes Wille und auch Sein Gesetz aus den Augen verloren hatte.
Das Bild des Erlösungsweges für jeden einzelnen Menschen ist hieran sichtbar. Die Befreiung aus der Sklaverei entspricht die Befreiung aus der Sklaverei der Sünde. Es folgt eine Periode, in der der Mensch, vom Heiligen Geist geleitet, das Vertrauen in Gott entwickelt, den Glauben stärkt und vertieft und somit auch fähig sein wird, der Sünde zu widerstehen. Die Wüstenwanderung entspricht somit dem Weg der Heiligung des Menschen.
Das verheißende Land, in dem Milch und Honig fließen, spricht hier direkt für sich. Es ist die Darstellung des Eintretens in das Paradies, nachdem der Mensch die Sünde überwunden hatte (Info). So auch verdeutlicht in Offenbarung 22,14:
“Glückselig sind, die seine Gebote tun, damit sie Anrecht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen können.“
Moses – Typus für Jesus Christus

Moses selbst ist ein Typus für Jesus Christus. Diesen Retter kündigte Moses an, indem er Ihn als einen Propheten bezeichnete, der aus der Mitte des Volkes Israels kommen werde und dessen Worte unbedingt Gehör finden sollten. Jesus Christus führte ein bescheidenes Leben, wurde erst im Alter von 30 Jahren nach Seiner Taufe aktiv. Es folgten 40 Tage Fasten in der Wildnis, eine gründliche Vorbereitung (entspricht 40 Jahre Moses in Midian). Im Anschluss begann Jesus die rettende Botschaft zu verkünden, welche im Zentrum stehen hat, die Sünde zu überwinden und Gott zu vertrauen.
Wie auch Moses aus seinem Volk heraus geboren wurde während einer Zeit der Bedrückung, so wurde auch Jesus Christus unter der Bedrängnis der Großmacht Rom geboren.
Jesus Christus überwand diese Welt, blieb ohne eigene Sünden, und diente den Menschen in Gehorsam dem Vater gegenüber und in Demut. So wie es Moses auch tat. Mit Seinem Tod, der stellvertretende Preis für die Sünden der Menschen, eröffnete Jesus den Menschen den Weg zum verheißenen Land.
Kein Spaziergang – Aber es ist es wert

Dieser lange Weg ist beschwerlich und kostet Entbehrungen (“das Kreuz auf sich nehmen”), wie auch die Irrwege des Volkes Israels auf seiner Wanderung in der Wildnis. Das Fleisch kämpft gegen den Geist und der Geist kämpft gegen das Fleisch (Galater 5,17). Das Volk Israel rebellierte schon zu Beginn der Wanderung, weil sie unbedingt zu den leckeren Speisen Ägyptens zurückkehren wollten!
Auf dem Weg der Heiligung (“Wüstenwanderung”) fällt der Mensch, steht aber wieder auf (Psalm 37,23), und blickt frohen Mutes nach vorne, im Wissen und VERTRAUEN, denn 1. Johannes 1,9:
“Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“
Genau aus diesem Grund war es notwendig, dass Jesus Christus selbst mit Seinem eigenen Blut für die Sünden der Menschen bezahlen musste. Andernfalls wäre es nicht gerecht, denn für die Sünde gibt es eine Strafe und eine Begnadigung bei einfachem Fallenlassen der Strafe wäre Willkür. Das spräche gegen die unverrückbare Gerechtigkeit Gottes (Info).
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.
Johannes 5,24
Bibelverse aus Schlachter 2000
