Eine populäre Zeitung in einem tief-katholischen Land verbindet geschickt die Wahrheit über die Wandlung des biblischen Sabbats zur Sonntags-Heiligung mit einer angedichteten Symbolik des Sonntagruhetages als ein Ausdruck der auch staatlichen Autorität.
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Die “Werbung” für den Sonntag, der 1te Tag der Woche, als ein allgemeiner, weltweiter Ruhetag geht mit weiteren, immer größer werdenden Schritten voran. Dabei hat die gewünschte Sonntagsruhe schon lange keinen rein religiösen, bzw. kirchlichen Aspekt mehr, sondern ist auch im Säkularen ein inzwischen zentrales Thema geworden. Der Ruhetag, grundsätzlich einen Tag pro Woche, sei auch aus Natur- und Klimaschutzgründen nicht nur wünschenswert, sondern sogar unbedingt notwendig. Eine der hierfür präsentierten “Milchmädchenrechnungen” beschreibt eine Verschonung der “Mutter Erde” vor weiteren CO₂-Ausstößen um gerundet 14 Prozent. Schließlich ruhe der Mensch und seine Maschinen und schon hält man den Menschen eine Zahl vors Gesicht, welches die gewöhnlichen “CO2-Verpester” fiktiv in die temporäre Nicht-Existenz verbannen.
Schließlich beginnen bereits die ersten Hersteller von sog. Lebensmittel damit, neben dem das eigene Denken abnehmende Ampel- und Buchstabensystem für die Aussage “gesund oder ungesund” in den Abstufungen A bis E, auch die durch die Herstellung ihrer als Nahrungsmittel deklarierten Körperfüllstoffe erzeugten CO₂-Emissionen aufzuzeigen. Da farbige Abstufungen zwischen intensiv-grüne bis knall-rote Markierungen noch immer als zu kompliziert erscheinen, wird das sog. Nutri-Score System vorsorglich ausführlich erklärt (Quelle). Die Gesellschaft wird auf diese Weise auf das Thema “unbedingte Sonntagsruhe” längst, gelinde ausgedrückt, sensibilisiert, samt Begleitung vom potenziell schlechten Gewissen.
Sonntag sei selbstverständlich
Für die meisten christlichen Kirchen steht die Sonntagsruhe ohnehin außer Frage. Der Sonntag sei schließlich der “Tag des Herrn“, da gilt es Andacht und auch Gottesdienst zu pflegen, die Arbeiten einzustellen und sich nach der Nachmittagsruhe zu erfreuen.
Dabei wird nicht einmal bei vorgehaltener Hand kleinlaut genuschelt, dass das Evangelium den von Gott verordneten Ruhetag am 7ten Tag der Woche, der gemäß unserem gregorianischen Kalender genau gesagt zwischen Freitag Sonnenuntergang und Samstag Sonnenuntergang anhält, sondern offen und ehrlich kommuniziert. Und man staunt sehr, sogar säkulare Medien greifen das religiöse Gebiet auf und erklären den Sachverhalt, sowie die Historie rund um Sabbat und Sonntag auf korrekte Weise.
Eigentlich erstaunliche Stellungnahme

Die renommierte und auch sehr populäre Zeitung “Listín Diario” (seit rund 136 Jahren) in der Dominikanischen Republik widmete dem Thema Sonntag und dessen Historie einen ganzen Bericht. Ein Land mit knapp 60 Prozent anteiligen Katholizismus, ca. 20 Prozent Protestantismus und nur 17 Prozent Konfessionslose. Bereits der Titel “SONNTAG: Konstantins Vermächtnis als Ruhetag” weist auf durchaus richtige Weise die Urheberschaft des bis heute beibehaltenen christlichen Ruhetag auf (Quelle).
Auch der einleitende Text ist erstaunlich. Es wird 1. Moses 2,3 zitiert:
“Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von seinem ganzen Werk, das Gott schuf, als er es machte.“
Seit den Wurzeln der Menschheit
Gefolgt von der weiteren korrekten Feststellung, dass die Praxis eines wöchentlichen Ruhetages bis an die Wurzeln der Menschheit zurückreicht. Dann wird es jedoch etwas schwammig, denn der Ruhetag Sabbat wird als eine jüdisch-christliche Tradition dargestellt. Jüdisch-christlich trifft zu, aber es handelt sich tatsächlich nicht um eine Tradition, sondern um das konkret Vierte Gebot Gottes (2. Moses 20,8-11). Schließlich ist auch das tunlichste Unterlassen von Diebstahl, Totschlag, Ehebruch, Vielgötterei, Fluchen der Eltern, Neid, etc. keine gepflegte Tradition, sondern klare Ansage Gottes (10 Gebote).
Richtig: Sabbat seit Schöpfung

Der Sonntag als Ruhetag sei eine Folge von komplexen “historischen, religiösen und rechtlichen Entwicklungen”. Wie kam es zu diesem Wandel von Sabbat auf Sonntag, fragt die Zeitung, und weist darauf hin, dass der Sabbat seinen Ursprung gemäß Bibel im 1. Moses 2,2-3 gefunden hatte. Es war die Vollendung der Schöpfung Gottes (Info). Daraus entstand das Vierte Gebot. Für das Judentum über viele Jahrhunderte eine verbindliche Praxis, wie auch für das Christentum in seinen Anfängen(!), so eine weitere korrekte Darstellung. Die Wende kam am 07. März 321 n.Chr. Kaiser Konstantin, der Herrscher über das überwiegend heidnische, imperiale Rom erließ ein Edikt, welches den Sonntag (1ten Tag der Woche) zu einem verpflichteten Ruhetag erklärte. Dieses Edikt wirkte sich als ein zivil-religiöses Dogma in der entstehenden “kaiserlichen Christenheit” aus.
Sonntag war nicht religiös motiviert
Man staunt weiter. Denn das Medium punktiert, dass diese Entscheidung, den Sonntag anstatt den Sabbat zu beachten, nicht durch christliche Überzeugung, sondern durch kulturelle Gründe motiviert war. Der Sonntag galt der Verherrlichung des römischen Kaisers Konstantin, am Tag des “sol invictus” (“unbesiegbare Sonne”), der verehrte Sonnengott. Ein Symbol des persönlichen Glaubens des Kaisers. Das steht im krassen Kontrast zum Narrativ der römisch-katholischen Kirche, welche schließlich posaunt, Konstantin habe sich zum Christentum bekehrt und hierzu den Sonntag installiert. Historisch gilt aber als (fast) gesichert, dass der Kaiser sich erst auf dem Sterbebett zum Christentum entschied, nachdem seine Mutter schon vorab zu einer Katholikin konvertiert war.
Auf der Synode von Laodicea (363-364) wurde die Verlegung des Gottesdienstes auf den Sonntag auch auf kirchlicher Ebene besiegelt. Erkenntlich in Kanon 29, das Resultat dieser Synode:
“Christen nicht judaisieren sollen, indem sie am Sabbat ruhen, sondern an diesem Tag arbeiten und den Tag des Herrn ehren“. Der von der Kirche verwendete Begriff “Tag des Herrn” (“Dies Dominicus”) wurzelt im Begriff “Sonntag” in zahlreichen romanischen Sprachen. Wer im Anschluss dagegen den biblischen Sabbat nach wie vor einhielt, wurde von der Kirche verflucht und ausgeschlossen (exkommuniziert).
Im Jahr 1998 übte sich Papst Johannes-Paul II in einer rhetorischen Grätsche, indem er in seinem Apostolischen Schreiben an die Bedeutung des Sonntags erinnerte. “Es ist daher notwendig, die große Seite der Schöpfung neu zu lesen und tiefer in die Theologie des Sabbats einzutauchen, um zum vollen Verständnis des Sonntags zu gelangen.“.
Gesetzlicher Schutz

Der wöchentliche Ruhetag habe längst seine religiöse Bedeutung überschritten, so die Zeitung, und ist in den meisten Ländern des Westens zu einem anerkannten Recht der Arbeitnehmer geworden. Auch in der Dominikanischen Republik findet sich im geltenden Arbeitsgesetzbuch (Gesetz 16-92) ein klarer Eintrag hierzu. In Artikel 163 ist festgelegt, dass jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine wöchentliche Ruhezeit von 36 zusammenhängende Stunden hat. Nicht definiert dagegen ist ein bestimmter Wochentag. Da es keine entsprechende ausdrückliche Vereinbarung gibt, einigte sich man auf den Zeitraum Samstagmittag bis Ende Sonntag. Damit werde auch auf “symbolische” Weise an den “alten Sabbat” erinnert.
Die Entwicklung des Ruhetages zeige auf, dass mit der Änderung des Sabbats auf den Sonntag durch das Römische Reich, bis heute religiöse Normen und Rechtsstrukturen miteinander verwoben seien. Der heute Sonntag als Ruhetag sei nicht nur seelische und körperliche Erholung für den Arbeitnehmer, sondern sei gefüllt mit Symbolik, Spiritualität und sozialer Gerechtigkeit. Jahrhunderte der Geschichte, Glauben, Macht und Recht, würden durch den Ruhesonntag vereint werden.
Handschrift des Papsttums
Wie das Land römisch-katholisch geprägt ist, so auch die Repräsentation der Dominikanischen Zeitung. Die dargestellte Veränderung des von Gott als Viertes Gebot zur Vollendung Seiner Schöpfung und als Identifikationszeichen, der einzig lebendige Gott und Schöpfer, eingerichtete geheiligte Siebente Tag (“Samstag”), bis hin zur selbstverständlichen Verquickung des religiösen Aspekts mit staatlich-politischen Belangen, hat die unikale Handschrift der römisch-katholischen Kirche. Wir haben uns längst daran gewohnt, alles sei selbstverständlich, ja sogar von göttlicher Natur.

Der Aspekt gemäß der auf dem Naturrecht basierenden katholischen Soziallehre (soziale Gerechtigkeit, Allgemeinwohl, Guter Wille, etc.) und die vermeintliche Natürlichkeit ihrer auch staatlichen Autorität, repräsentiert eindeutig das ureigenste Begehren des Papsttums. Die uneingeschränkte und ungeteilte Macht über Religion und Staat (Info)
Der Sonntag als Ruhetag sei die sichtbare Vereinigung von Glauben und Macht, so das dominikanische Medium. Im Prinzip Klartext, gehandhabt als eine unfehlbare Tradition der römischen Kirche.
Der seit den Anfängen der auf dem imperialen römischen Kaisertum basierenden Kirche von ihr geführten Krieg gegen den von Gott verordneten 7ten-Tag-Sabbat wird ununterbrochen bis heute geführt (Info). Erreicht das Papsttum ihr Ziel, und das wird sie auch für eine kurze Zeit, werden wie gehabt wieder die Schwerter gezogen gegen jene, welche am Gebot Gottes unbeirrt festhalten werden.
Glückselig sind, die seine Gebote tun, damit sie Anrecht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen können.
Offenbarung 22,14
Bibelverse aus Schlachter 2000








