Massensuizid in Kenia? – Aufschlussreiche Untersuchungsergebnisse

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Der medial stark beachtete (vermeintliche) Massensuizid einer Glaubensgemeinschaft in Kenia wirft nach den ersten Untersuchungsergebnissen zumindest ernste Fragen auf. Doch im Vorfeld war dieser Vorfall ein Eldorado für so manche „Experten“ im Bezug zu „extremen Religionsrichtungen“.

Mehr als 100 Menschen tot aufgefunden

Der Tod von mehr als 100 Menschen in einem waldbewachsenen Gebiet in Kenia aufgrund eines „radikal religiösen Hungerns“, verursachte Anfang Mai einen kräftigen Medienwirbel. Im Mittelpunkt stand ganz besonders der Führer dieser vermeintlichen religiösen Sekte, Paul Nthenge Mackenzie. Dieser ist kurz nach dem Auffinden von insg. 112 toten Menschen in Haft genommen worden. Nach einschlägigen Medienberichten überzeugte dieser seine Anhänger davon, sich zu Tode zu hungern, um somit den Weg zu Jesus finden. Seine Gemeinde nannte er „Good News International Church“ („Internationale Gute Nachrichten Kirche“).

Experten waren sofort mit Antworten zur Hand

Expertenwissen
Experten haben immer etwas zu sagen

Vor allem für die Medien der großen Kirchen und den Medien, welche den großen Kirchen nah stehen, war dieses schreckliche Ereignis ein offenbar willkommener Anlass, auf die Gefahren des „religiösen Extremismus“ hinzuweisen. Die Ergebnisse der angekündigten Untersuchungen und Obduktionen wartete man nicht ab, denn die Hintergründe schienen schon klar zu sein. Die ersten „Experten“ waren hierfür schnell zu Hand, wie die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA berichtete.

Evangelischer „Weltanschauer“ weiß Bescheid

Zu Wort kam der Theologische Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Pfarrer Martin Fritz aus Berlin. Die EZW ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Demnach zeige der „Massenselbstmord“ in Kenia auf, dass radikale Religion die Menschen dazu bewegen könne, ihr Leben aufzugeben. Ein derartig „religiöser Enthusiasmus“ könne Humanität aushebeln. So etwas könne man auch bei islamitischen Attentätern beobachten, denen der Weg in den Himmel versprochen werde, wenn sie sich selbst und andere Menschen in den Tod reißen, so der evangelische Theologe.

Dem religiösen Führer Mackenzie bescheinigt der Experte ein besonderes Charisma. Dieses müsse er haben, da dieser Anführer „zu etwas Unglaublichem bewegt“ habe und sie ihm „unglaublicherweise“ gefolgt seien. Eine entscheidende Rolle könne auch die Gruppendynamik gespielt haben, so die Vermutung des Pfarrers. „Wenn ich sehe, dass andere mitmachen, dann ist es viel plausibler, miteinzusteigen.“ Das Folgen solcher extremen Forderungen vermittelte dazu das Gefühl der Zugehörigkeit einer „exklusiv religiösen Gruppe“, der ein „ganz exklusives Heil verheißen ist.“

Allgemeine Phrasen sind auch hilfreich

Im liberal religiösen Magazin „jesus.de“ hob man hervor, dass in Kenia quasi ein jeder eine Kirche gründen könne, wem es gerade passt. Eine Regulierung gebe es in Kenia nicht. Von den rund 4.000 registrierten Kirchen prophezeie ein Teil davon das nahe rückende Ende der Welt und gäben Versprechen über ein besseres Leben nach dem Tod ab. Hierfür müssen die „Anhängerinnen und Anhänger“ dieser Glaubensgemeinde jedoch absoluten Gehorsam zeigen. Der überbordende Lebensstil selbst ernannter Pastoren werde oftmals von sehr armen Menschen finanziert.

Ursache klar: „Extremistische“ Ansichten

Damit wäre ja der „Extremismus“ innerhalb der Religionen als die Ursache für den Tod von über 100 Menschen identifiziert. Dass aber ohne den Kontext des Vorfalls in Kenia der „überbordende, von armen Menschen finanzierte Lebensstil, durchaus auch auf die sog. Mega-Churches in den USA und vor allem auf die Kirche Roms durchaus zutreffend ist, darauf scheint wohl niemand zu kommen. Bei der römisch katholischen Kirche käme auch noch der absolute Gehorsam hinzu, andernfalls riskierte man über Jahrhunderte hinweg sein eigenes Leben.

Der „Experte“ der evangelischen Kirche brachte auch nicht gerade eine differenzierte Expertise dar, sondern fixierte sich ebenfalls schlicht auf den vorzufindenden Extremismus innerhalb einer Glaubensgemeinschaft.

Überraschende Obduktionsergebnisse

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Nach Untersuchungsergebnisse neues Licht auf dem Vorfall

Die Gründe für den Massentod von Menschen waren somit klar. Wie bereits oben schon erwähnt, ohne die Untersuchungsberichte und die Obduktionen abzuwarten. Die ersten Ergebnisse sind inzwischen veröffentlicht worden und setzen diesen furchtbaren Vorfall in ein ganz anderes Licht.

Bei zahlreichen Toten sind demnach Würgemale festgestellt worden. Bei anderen wiederum wurde als Todesursache Ersticken diagnostiziert. Manche erlagen ihren Verletzungen nach massiver Gewalteinwirkung, also zu Tode geprügelt. Besonders sticht hervor, dass von einigen – nun muss man eher von Opfern anstatt fanatischen Selbstmördern sprechen – die Organe entnommen wurden. Eine Organentnahme macht nur dann Sinn, wenn die entnommenen Organe in einem körperlichen Lebendzustand entfernt und sofort in entsprechende Kühlvorrichtungen gelegt werden. Damit fiele „nachträgliche Leichenfledderei“ aus.

Es bleibt immer was hängen

Ohne nun selbst über die Erkenntnisse hinaus in Spekulationen zu greifen, aber nach einem einvernehmlichen Zu-Tode-Hungern sieht das jetzt nicht mehr aus. Ob es bei dem Tatbestand eines Organhandels zu weiteren aufschlussreichen Aufklärungsergebnissen kommt, sei dahin gestellt. Doch für so manchen theologischen „Experten“ kam dieser augenscheinliche Zusammenhang mit „religiösem Extremismus“ für die Absonderung eigener Expertisen sehr gelegen. Aber es bleibt immer was hängen und dies betrifft insbesondere die „extremen bibeltreuen“ Glaubensgemeinschaften.

Massensuizid in Kenia? – Aufschlussreiche Untersuchungsergebnisse
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