Papst Leo XIV ist nach den 1960-er Jahren nun der 5te Pontifex, der in die Türkei gereist ist. Sichtlich ist das Land am Bosporus ein gewichtiger Gesprächspartner.
Inhalt / Content
- 1 Viel Honig um Erdogans Sprechorgan
- 2 Die römisch-katholische Sicht auf Historie
- 3 “Christen haben türkische Identität”(?)
- 4 Papst Leo X auch nicht am Ursprung
- 5 Der “Ursprung” gibt Rätsel auf
- 6 Trauer des Papstes in engen Grenzen
- 7 Verbindung durch christliche “Mitarbeiter”
- 8 Der “Gemeinsame”: Abraham
- 9 Das ökumenische Standard-Programm
- 10 Zufällige Parallelen
Viel Honig um Erdogans Sprechorgan
Was der Drang nach einer ökumenischen Einheit alles bewerkstelligen kann, ist teils schon sehr faszinierend. Blumige Worte, umständliche Umschreibungen sowie leicht modifizierte Erinnerungen an die Historie. Man will ja gerne allesamt bei der Hand nehmen und der Gemeinschaft der um sich gescharrten, braven Töchter haben hinzufügen. Papst Leo XIV ist derzeit auf Besuch in der Türkei und hielt zum Auftakt vergangenen Donnerstag eine Rede, in direkter Adressierung an den Präsidenten der Türkei, den “starken Mann am Bosporus”, Recep Tayyip Erdoğan (Quelle).
Die römisch-katholische Sicht auf Historie

Bereits im Jahr 2017 wurde der Öffentlichkeit freundlich erklärt, was die Kirche Roms empfiehlt, um nach dem Blick auf die Historie das tatsächlich Gesehene richtig einzuordnen. Im ökumenischen Schreiben zur gegenseitigen Anerkennung und Reue seitens der (einst) protestantischen Kirchen erklärte man demütig:
“Was in der Vergangenheit geschehen ist, kann nicht geändert werden. Was jedoch von der Vergangenheit erinnert wird und wie das geschieht, kann sich im Lauf der Zeit tatsächlich verändern. Erinnerung macht die Vergangenheit gegenwärtig. Während die Vergangenheit selbst unveränderlich ist, ist die Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart veränderlich. Mit Blick auf 2017 geht es nicht darum, eine andere Geschichte zu erzählen, sondern darum, diese Geschichte anders zu erzählen.” (“Vom Konflikt zur Gemeinschaft”, Pos. 16, Seite 12, 2017)
Kurz: Der elegantere Weg, die Geschichte zu beugen, verdrehen, zu verleugnen.
“Christen haben türkische Identität”(?)
Wie anders sollte man sonst erklären können, dass der Pontifex vor versammelter Menge einleitend mit der durchaus dehnbaren Feststellung, dass die Türkei mit dem Christentum untrennbar in Verbindung steht, dies allerdings ergänzend mit “Ursprüngen des Christentums”. Nur einige Worte später legte Leo sogar noch darauf:
“Ich möchte Ihnen versichern, dass auch die Christen, die Teil der türkischen Identität sind und diese empfinden, positiv zur Einheit Ihres Landes beitragen wollen.“
Papst Leo X auch nicht am Ursprung
Im 16ten Jahrhundert war Papst Leo X zumindest multiplem Stress ausgesetzt. Einmal standen die Osmanen, die Vorläufer der Türkei, auf ihren Eroberungszügen an den Grenzen des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation”.
Dem Christentum waren die Osmanen alles andere als wirklich freundlich gegenüber gesinnt. Das verbietet schon alleine die Lehre ihres Propheten. Weiterhin drängte es Leo X unbedingt seine ambitionierten Pläne für den Bau des Petersdoms die finanziellen Mittel aufzutreiben, was schließlich in einem üppigen Kredit bei der damaligen Banker-Familie Fugger (Augsburg) mündete und diese Rückzahlungsverpflichtungen schließlich die Entsendung eines umtriebigen Marktschreiers für den Verkauf von Ablassbriefen durch das päpstliche Reich zu entsenden.
Ob Leo X seinem “apostolischen Namensnachfolger” Nr. XIV wohl zugestimmt hätte, die Christenheit habe türkische Identität?

Johann Tetzel war es schließlich, der einem Augustinermönch und Professor der Theologie in Wittenberg das Fass zum Überlaufen brachte.
Martin Luther schlug am 31. Oktober 1517 am Tor zum Schlossberg zu Wittenberg die 95 Thesen an, welche schließlich die Reformation einleiteten. Nicht gerade Entspannung für den gebeutelten Vatikan-Chef, der es schließlich noch dazu brachte, Martin Luther in 1521 zu exkommunizieren, um nur kurze Zeit darauf auf Basis der Unfreiwilligkeit seinem Nachfolger den Petri Stuhl zu übergeben.
Der “Ursprung” gibt Rätsel auf
Ein wichtiger, vom Pontifex dargestellter Aspekt ist, dass die Türkei, damals eben die Osmanen, mit “uns” schon seit ihren “Ursprüngen” in wichtiger Verbindung stand. Denn die Osmanen waren damals durch und durch islamisch geprägt und mit ihren Eroberungsfeldzügen waren sich auch dabei, die Botschaft ihres Propheten an Mann, Frau und Kinder zu bringen.
Der Koran wurde allerdings erst fertiggestellt im Bereich von 650 n.Chr. Mohammed, der historisch festgelegte (Haupt-) Autor des Koran, lebte zwischen 570 und 632 n.Chr. Die Osmanen, vorwiegend sunnitisch, begannen ihre Feldzüge gen byzantinisches Thrakiens ab 1354 n.Chr. Das mündete schließlich in der endgültigen Eroberung der letzten Hauptstadt des Reiches Ostrom, Konstantinopel, im Jahr 1453. Eine Erweiterung des bis dahin schon existierenden Osmanischen Reiches (Türkischen Reiches), welches zwischen Mitte 13tes Jahrhundert und 1922 Bestand hatte.
Trauer des Papstes in engen Grenzen
Für den Papst damals nicht wirklich ein herber Verlust, denn mit Konstantinopel handelte es sich schließlich auch um die abgespaltene Ostkirche von Rom (“abtrünnige Rebellen”) und sein eigenes “römisches” Westreich war mit dem “Heiligen Römischen Reich” bereits mit Kaiser Karl und seiner päpstlichen Krönung Weihnachten 800 n.Chr. an den Start gegangen. Doch die Osmanen wollten mehr und wanderte unverdrossen gen Westen weiter, bis sie schließlich an den Grenzen des Reiches der römischen “Heiligkeit” standen. Ein Berg voller Probleme. Und genau zu dieser Zeit tauchte so ein kleiner Mönchlein in Wittenberg auf und potenzierte das Dilemma rund um die “uneingeschränkte, unanfechtbare, unfehlbare” Autorität des Kirchenoperhauptes.
In der Tat gab es seit dem frühen 14ten Jahrhundert Kooperationen zwischen den Osmanen und Christen. Dies geschah sogar aus der Initiative der Osmanen. Man setzte auf kulturelle Verbindung und ein Verwischen von religiösen Grenzen. Das betraf aber nicht das Christentum auf ökumenischer Ebene, sondern vereinzelte Gruppen, welche vor allem den Osmanen auch anderweitig helfend zur Verfügung standen. Sogar Hochzeiten zwischen Muslime und Christen waren möglich.
Es steht nahe, dass die Osmanen von einem leichten Spiel für die Islamisierung auf friedlichem Wege ausgingen, da sie mit Land, Leuten, Kultur und Regierung in Byzanz einen durchgehend dekadenten, degenerierte, beinahe schon verwahrlosten Zustand vorfanden. Wie es eben, so zeigt es wiederholt die Historie, in einem Reich im “Endstadium” eben generell ergeht.
Verbindung durch christliche “Mitarbeiter”

Eine gewisse Nähe bestand also tatsächlich. Nur kann man die Jahreszahlen gerne auch um großzügige 100 Jahre weiter zurücksetzen, aber könnte noch immer nicht nachvollziehen, auf welchen Ursprung der Christenheit sich Papst Leo XIV tatsächlich bezieht? So fremd es der Kirche Roms auch erscheinen möge, die Aussagen der Bibel auch als historische Aufzeichnungen ist und bleibt bis heute Information erster Hand. Das Wort “Christen” erscheint erstmalig bereits im 1ten Jahrhundert, gemäß Apostelgeschichte 11,26:
“und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochia. Es begab sich aber, daß sie ein ganzes Jahr zusammen in der Gemeinde blieben und eine beträchtliche Menge lehrten; und in Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.“
Nicht die Apostel selbst bezeichneten sich als Christen, sondern interessierte Zuhörer ihrer Verkündungen in Antiochien.
Das Volk der Osmanen selbst entstand aus einem Gemisch aus vielen Völkern rund um das Mittelmeer. Sie nahmen die Bezeichnung “Osmanen” dadurch an, indem sie sich vereinigten und gemeinsam große Ziele setzten.
Der “Gemeinsame”: Abraham
So kann auch aus dieser Sicht keine wirkliche Verbindung zwischen dem Turkvolk und seit dem Beginn des Christentums erkannt werden. Es bleibt somit ein Rätsel, von welchem Ursprung Papst Leo wirklich ausgeht. Die einzige Verbindung, welche das Oberhaupt selbst herstellt, ist der als gemeinsamer Urvater erklärte Abraham. Eben die einzige vermeintlich Verbindung zwischen Christentum, Islam und Judentum. Natürlich wolle man sich nicht auf die Unterschiede konzentrieren, sondern ausschließlich auf die Gemeinsamkeiten. “Versöhnte Verschiedenheit”, so ein abgelutschtes Motto innerhalb der Ökumene.
Auf seiner Rede hielt der Pontifex selbstverständlich nicht zurück mit den üblichen Floskeln über “Bewahrung der Schöpfung”, die Gemeinsamkeit in Abraham und nun auch die hergestellte Verbindung anhand einer definierten “türkischen Identität” im Christentum. Sagenhaft!
Pikanter Hintergrund zu Ismael

Es sind aber nicht nur die Türken, welche sich auf Abraham berufen, sondern der gesamte Islam. Somit die Sunniten und auch die Schiiten (Iran). Wenn man sich schon auf Ismael als “Urpsrungsvater” des Islam bezieht, dann ist das Detail im Hintergrund schon irgendwie pikant. Denn Ismael ist der ältere Sohn Abrahams. Ein “Produkt” des (temporären) Unglaubens Abrahams Gott gegenüber. Der Herr versprach Abraham, er werde mit seiner von ihm geliebten Frau Sarah ein Kind bekommen. Aus ihm soll der Spross Israels hervorgehen.
Docn Abraham und Sarah waren hohen Alters und auch nach Jahren zeigte sich kein Nachwuchs. Das Vertrauen auf die Verheißung Gottes ließ in Abraham nach. Er suchte sich die Dienerin seiner Frau auf, die Hagar, um sie stattdessen zu schwängern. Die Mutter von Ismael. Doch Hagar ist weder Gottes-gläubig, noch zeigt sie irgendwelche Ambitionen dafür. Sie ist nämlich eine Heidin aus Ägypten und damit verbunden auch das Götzentum.
Zudem, als Hagar Mutter wurde, überhob sie sich gegen Sarah und war aufmüpfig. Dies resultierte darin, dass Hagar den Kürzeren zog und mit Ismael davonlief, schnurstracks in die Wüste. Von Durst und Hunger geplagt sprach ihr der Herr zu und bewegte sie dazu, zu ihrer Herrin zurückzukehren. Aus dem Satz Hagar wurde sogar die Jahreslosung der protestantischen Kirchen im Jahr 2023, 1. Moses 16,13:
“Du bist »der Gott, der [mich] sieht«!“
Sollte dies etwa eine verdeckte Hommage an den Islam sein? Wer weiß. Dann sei es eben so, wenn es schon so definiert wird, dass daraus der Islam entstanden sein soll.
Das ökumenische Standard-Programm

Papst Leo spulte das ganze Programm gemäß “Laudato Si'” und “Fratelli Tutti” herunter. Die zwei Enzykliken von Papst Franziskus (2015 und 2020), mit den Aufrufen zur Schöpfungserhaltung und der Brüderlichkeit zur Bildung einer Menschheitsfamilie.
Ein weiterer interessanter Aspekt seiner Rede sprach der Papst mit der Bezeichnung der gegenwärtigen globalen, geopolitischen Krisenherde als einen “Dritten Weltkrieg in Stücken”.
Mit seinen abschließenden Worten sprach der Pontifex auch über die Ambitionen des Papsttums. Mein seiner “einzigen Kraft”, der geistlichen und moralischen, wolle der Heilige Stuhl mit allen Nationen zusammenarbeiten. Den Nationen, denen “die ganzheitliche Entwicklung aller Menschen, aller Männer und Frauen, am Herzen” liegen.
Der Heilige Stuhl, der Mentor für alle Nationen und Völker und Sprachen als geistliche und moralische Instanz durch die römisch-katholische Kirche. Heiliger Stuhl und römische Kirche sind zwar verwachsen, nicht aber identisch (Info).
Zufällige Parallelen
Erdogan ist ein Unterstützer der Muslumenbrüder. Eine islamische Organisation mit sehr strengem Bezug auf den Koran auf der einen Seite, aber auch sehr umtriebig auf internationaler Ebene in den Bereichen undurchsichtigen Handelsbeziehungen. Gegründet wurde der Club am 02. Oktober 1928 in Kairo.
In die gleiche Kategorie, nur im Lager des Katholizismus, befindet sich die Organisation Opus Dei. Gegründet, wie es die Fügung eben so will, am 11. Februar 1928 in Rom. Nur wenige Monate vor der Gründung des Vatikanstadt (1929) durch freundliche Unterstützung des damaligen “Parade-Faschisten” Benito Mussolini. Auch dss Haupttätigkeitsfeld von Opus Dei liegt mehr im Dunkeln als wirklich zutage kommt.
Durchaus vorstellbar, dass es auf den Geschäftsfeldern von Opus Dei (“Christentum”) und den Muslimbrüdern (“Islam”) zu Schnittmengen kommt, im Einvernehmen. Denn beide Gruppen hätten im jeweiligen gegenüberliegenden Lager null Aussichten, jemals auf fruchtbarem Boden zu stoßen. Dann eben auf diese Weise.
Komm! ich will dir das Gericht über die große Hure zeigen, die an den vielen Wassern sitzt, mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben, und von deren Wein der Unzucht die, welche die Erde bewohnen, trunken geworden sind.
Offenbarung 17,1-2
Bibelverse aus Schlachter 2000








