Olli Dürr Gesell. Entwicklungen Katholische Sicht auf Historie Thomas Becket – Flexible Erinnerung

Katholische Sicht auf Historie Thomas Becket – Flexible Erinnerung

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Eine vermeintliche Aufarbeitung der historischen Hintergründe zum „Heiligen“ Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, verdeutlicht die enorme Flexibilität zu den hierfür bemühten Erinnerungen. Aus katholischer Sicht zeigt sich ein völlig anderes Bild als es die unveränderliche Vergangenheit eigentlich darstellte.

Eigenwillige Erinnerung an die Historie

Die römisch-katholische Kirche hat eine bemerkenswert exklusive Ansammlung von „Seligen“ und „Heiligen“. Einer davon ist der Erzbischof Thomas Backet. Eine historische Figur mit einem enormen Einfluss auf die darauf gefolgte Geschichte. Für die katholische Kirche ist dieser Bischof eine Vorzeigefigur für geistliche Tugenden gegen die „bösen weltlichen Mächte“. Entsprechend ausgestaltet sind die Erzählungen und Legenden um diese Figur. Balsam für das mit Kulleraugen dreinschauende Schäfchen.

Die Grundlage für historische Aufarbeitung

Eine sehr bemerkenswerte Formulierung über die gegenwärtige Behandlung der vergangenen Historie liefert das Werk „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“. In einer gemeinsamen Erklärung zur de facto Beerdigung des Protestantismus am 31. Oktober 2017, pünktlich zum 500ten Reformationstag, heißt es:

Was in der Vergangenheit geschehen ist, kann nicht geändert werden. Was jedoch von der Vergangenheit erinnert wird und wie das geschieht, kann sich im Lauf der Zeit tatsächlich verändern. Erinnerung macht die Vergangenheit gegenwärtig. Während die Vergangenheit selbst unveränderlich ist, ist die Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart veränderlich. Mit Blick auf 2017 geht es nicht darum, eine andere Geschichte zu erzählen, sondern darum, diese Geschichte anders zu erzählen.
(Kapitel II, Punkt 16, Seite 12)

Historische Bilder

Fixierte Historie – Flexible Erinnerungen

Diese im Kontext der vollendeten Rückkehr der einst protestantischen Kirchen zur römischen Mutter-Institution ausgedrückte Behandlung der gemeinsamen Geschichte, hat eine durchaus universale Qualität. So gibt es seit dem frühen (finsteren) Mittelalter quasi keinerlei politisch bedeutenden Entscheidungen, wo die Kirche Roms nicht ihre zahllos klebrigen Tentakel drinnen stecken hatte. Deshalb erscheint es für diese Kirche in der Gegenwart durchaus angebrachter, sich nicht an das unverzerrte Abbild der Historie zu erinnern, sondern das Erinnerungsvermögen entsprechend zu modifizieren. Die Geschichte selbst bliebe schließlich unberührt. Auch ohne Belege stammt diese Formulierung zur flexiblen Behandlung der Erinnerung an die unveränderliche Geschichte aus der Scholastiker-Abteilung des Jesuiten-Stalls.

Der grobe Umriss

Die von katholischer Feder erstellte Darstellung über die Hintergründe des Erzbischofs von Canterbury hat offenbar einen solchen Prozess der Erinnerungs-Modifikation durchlaufen.

Das katholische Magazin „Die Tagespost“ erinnert an einen der Favoriten-Märtyrer der römisch-katholischen Kirche. Der einstige Erzbischof von Canterbury, Thomas Becket. Die Handlungen rund um diesen vom Papst eingesetzten Bischof sind historisch von enormer Bedeutung. Denn das Ergebnis dieser „Odyssee“ rund um Thomas Becket, König Heinrich II. und Papst Alexander III. ebnete den Weg für eine erfolgreiche Einverleibung der Englischen Krone durch Papst Innozenz III. nur wenige Jahrzehnte später.

Wie gewöhnlich focht die Kirche Roms ihre Gier nach Macht nicht nur nach außen hin aus, sondern es tobten wie gehabt auch interne Reibereien, wie sie auch heute in der Kirche Roms deutlich zu erkennen sind. Während Alexander III. in den Jahren 1159 bis 1181 seine päpstliche Tiara in Rom polierte, erschienen nacheinander Viktor IV., Paschalis III. Calixt III. und ein („vorläufger“) Innozenz III. jeweils als sogenannte Gegenpäpste. Das Theater beruhigte sich wieder mit dem fliegenden Wechsel zum Papst Lucius III. im Jahr 1181.

Die katholische Erinnerung an Thomas Becket

Das Heldenepos um Thomas Becket erklärt ihn bereits zu seinen Lebzeiten zu einem Märtyrer. Natürlich handelt es sich mit Becket um einen „Heiligen“. Zumindest stellt dieses Attribut das katholische Magazin (Quelle) deutlich hervor. Becket habe sich wacker gegen die Begehrlichkeiten und den Machtstreben der weltlichen Regierung Englands geschlagen, so der Tenor. Auch heute sei die Anbiederung an den Zeitgeist einer der größten Gefahren für den katholischen Glauben, so der Verfasser des Berichts.

Die Karriere Beckets war außergewöhnlich. Aus reichem Elternhaus, in Europa unterwegs, und schließlich Sekretär des vorangegangenen Erzbischofs von Canterbury Theobald. Noch nicht einmal zu einem Priester geweiht, wurde Becket im Jahr 1161 zum Nachfolger ernannt. Im Hauruck-Verfahren wurde er zum Priester, nur um unmittelbar nach seiner Weihe zum Bischof katapultiert zu werden. Dazu war dieser Schritt ein abrupter Seitenwechsel vom Weltlichen hinein in das mystisch katholisch Geistliche.

König Heinrich gefiel das nicht

Für König Heinrich II. war dies alles ein Dorn im Auge. Den Vorgänger noch persönlich ins Amt gehievt, folgte nun ein päpstlich Abgesandter, der dem Pontifex in Rom Gehorsam schuldet und nicht dem König. Der Streit zwischen Heinrich und Becket blieb nicht aus. Gemäß dem katholischen Magazin übte der Erzbischof offene Kritik gegen den König und fürchtete im Anschluss um sein Leben. Becket floh nach Frankreich ins Kloster. Vor seiner Rückkehr soll der Erzbischof einem Freund mitgeteilt haben, dass er nach England zurückgehe, um dort zu sterben. Freund sowie die Quelle dieser Behauptung bleiben anonym. Passt aber wunderbar für die Ausgestaltung einer Heldenfigur.

Den Tod Beckets schildert der Autor des Berichts nur „kurz und knackig“. Der Erzbischof wurde am 29. Dezember 1170 von vier königlichen Rittern erschlagen.

Für den Erzbischof endete an dieser Stelle der Weg. Aber sein Wirken habe auf das Volk einen großen Einfluss ausgeübt. Dieses habe ihn schon zu seinen Lebzeiten in seinem Kampf gegen die weltlichen Machthaber als Märtyrer verehrt, so der Autor.

Gleich noch ein Wunder dazu

Das „größte Wunder“ sei aber die öffentliche Buße Heinrichs am Grab Beckets. Der König ließ sich von Mönchen geißeln und damit kam er auch von seinen ursprünglichen Plänen ab, eine nationale Kirche errichten zu wollen. Thomas Becket gebe das Beispiel ab, „dass ein Bischof stets die Möglichkeit hat, dem Evangelium Jesu Christi und der Lehre der Kirche treu zu bleiben.“

Eine „andere“ Erinnerung an Becket-Geschichte

Die Darstellung, wie sie aus den Federn eines Tolkien hätte stammen können, ist ein Paradebeispiel, wie aus Weglassungen, suggestive Formulierungen und auch etwas Biegen und Brechen, ein romantische aussehender Heldenepos gebastelt werden kann.

Etwas mehr Hintergründe

Alte Bücher

Die Historie hat noch mehr zu bieten

Völlig unbehandelt blieb die einfache Tatsache, dass der Erzbischof von Rom, ernannt vom Papst, das darstellt, was auch als Botschafter bezeichnet werden könnte. Im 12ten Jahrhundert war die Priorität längst geregelt und zementiert. Der Bischof von Rom, also der Papst, ist das Kirchenoberhaupt. Alles, was sonst noch in dieser Kirche schreitend oder schlürfend umher schwebt, bleibt dem Papst zu Dienst- und Lebzeiten untertan und absoluten Gehorsam pflichtig. Der Streit zwischen König Heinrich und Thomas Becket war primär kein privater Zank, sondern ein Machtkampf zwischen der Englischen Krone und dem Papsttum.

Die als bloßes Machtstreben des Königs dargestellte Verfehlung ist nichts anderes als die angestrebte Emanzipierung von Rom. Heinrich wollte nicht einsehen, warum der „Kerl“ in Rom überall seine Nase hineinstecken will. Oberster Herrscher Englands ist der König und nicht der Lateiner in seinen bunten Gewändern. Thomas Becket handelte als Untergebener des Papstes selbstverständlich im Interesse der römischen Kirche. Und deren Machtgier ist in der Geschichte beispiellos. Heinrich wollte wieder zurück zur bisherigen Oberherrschaft über die Kirche Englands. Diese wurde aufgrund des Machtstrebens der Kirche Roms kontinuierlich unterwandert. Die Ernennung des Erzbischofs Beckets ohne das Zutun des Königs, brachte das Fass zum Überlaufen.

Kloster oder Kollaboration?

Becket floh tatsächlich nach Frankreich, nachdem Heinrich angekündigt hatte, ihn dingfest machen zu wollen. Allerdings verbrachte Becket seine Jahre nicht „heulend“ und „Hosianna singend“ im Kloster, sondern wandte sich schnurstracks an den König Frankreichs, Ludwig VII. Becket wollte ihn zu einem handfesten Krieg gegen England einheizen. Der Papst Alexander war in Frankreich zugegen, aber sein politisches Kalkül ließ keine Intervention zu, da er fürchtete, Heinrich könnte sich an den deutschen Kaiser Friedrich I. und dem damaligen Gegenpapst Paschalis III. wenden.

Diese Kloster-Geschichte kann getrost in das Reich der Legenden verbannt werden, denn das passte auch nicht zum Lebensstil des Erzbischofs. Noch in Diensten seines Vorgängers zog es Becket aus wohlhabenden Hause vor, seinen Alltag mit überbordendem Luxus zu versüßen. Die christliche Bescheidenheit setzt auch dann nicht ein, als er im Handumdrehen zum Bischof ernannt wurde.

Exkommunikation und Interdikt

Im Jahr 1269 kam es zu einem Treffen zwischen König Heinrich und Thomas Becket. Sie gingen im gegenseitigen Zorn auseinander. Noch im selben Jahr veranlasste Heinrich eine Ergänzung zu den „Verfassungen von Clarendon“, wodurch England de facto vom Gehorsam dem Papst gegenüber entbunden wurde.
Das veranlasste wiederum Thomas Becket und im Anschluss auch den Papst zur Exkommunikation aller Verantwortlichen. Das betraf somit auch den König. Heinrich fürchtete ein Interdikt (Kirchenstreik) über England und begann mit Becket zu verhandeln. Der König übergab dem Erzbischof wieder alle zuvor entzogenen Besitztümer.

Der Erzbischof kehrte nach Canterbury zurück. Sein Versprechen war die Aufhebung der Exkommunikation ausgewählter Mitstreiter Heinrichs. Von einem Interdikt wollte Becket absehen. Diese Nachticht ließ die Menge jubeln, als er wieder in die Stadt einkehrte. Heinrich war erzürnt und ließ sich zu verbalen Ausbrüchen hinreißen. „Wer kann mich von diesem erbärmlichen Mönch befreien?“ Vier königliche Ritter hörten diesen Ausbruch, nahmen den König beim Wort und wollten ihm einen Gefallen tun. Sie erschlugen Thomas Becket. Bis zur Heiligsprechung Beckets dauerte es nur wenige Tage. Die Aufhebung der Exkommunikation Heinrichs stellte Papst Alexander in Aussicht, wenn er Buße tue und sich wieder (brav) unterwerfe.

Die Erinnerung an die unveränderliche Geschichte sieht bei „Encyclopedia Britannica“ (Quelle) etwas anders aus als bei diesen Autoren in der katholischen Zeitschrift.

Enormes Erpressungspotenzial

Wolf im Schafspelz

Die Kirche Roms und ihre ‚christliche Gesinnung‘

Eindrucksvoll ist zu erkennen, durch welche Mittel sich die römisch-katholische Kirche ihre beispiellose Macht ermöglichte. Es ist eine Kombination aus aberwitzigen Geschichten, die als christliche Lehre verkauft werden, die Vorenthaltung der Wahrheit durch Bibelverbot unter Androhung der Todesstrafe und die Leichtgläubigkeit der Menschen. Das Druckmittel der Exkommunikation und auch des Interdikts waren enorm.

Die Menschen glaubten, bzw. das glauben die „braven“ Katholiken auch noch heute, dass der Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft automatisch die direkte Fahrt in die Hölle bedeute. Beides ist falsch. Der Mensch ist zwar außerhalb der römisch-katholischen Kirche nicht automatisch gerettet, aber immerhin auch nicht mit Sicherheit verloren. Dazu gibt es keine ewig brennende, die Seele auf ewige Zeiten quälende Hölle (Info). Doch die Menschen glaubten (glauben) daran, dass ein Indertikt, also die Verweigerung von Beichte und Kommunion, das sichere Ticket in den Flammenabgrund sei. Für einen König ein sehr, sehr unangenehme Situation, wenn das Volk der Ansicht ist, hoffnungslos verloren zu sein, weil ihr König gegen den Papst herumzickt.

So hatte die Kirche Roms mit ihrer in die Welt gesetzen und leider auch geglaubten Irrlehren und der Exkommunikation sowie dem Interdikt ein Erpressungs-Werkzeug mit enormen Hebel zur Verfügung. Das katholische Magazin nannte diese Bußbereitschaft des Königs „das größte Wunder“ in dieser Geschichte.

Alte Tradition – Neue Tradition

Die Exkommunikation wäre direkt eine willkommene Angelegenheit. Aber auch zu diesem Punkt offenbart die römisch-katholische Kirche ihre grenzenlos anmaßende Arroganz. Dieser Vorgang entbindet nicht von den Kirchengesetzen (in Deutschland auch nicht von der Kirchensteuer). Man bleibt dennoch „Eigentum“ der Kirche und dem Kirchengesetz unterworfen. Die katholische Taufe „bindet für ewig“.

Als Exkommunizierter hatte man ein Jahr lang Zeit, sich reuig wieder vor dem Angesicht eines Klerikers in den Staub zu werfen, ansonsten wurde man für „Vogelfrei“ erklärt, auf staatlicher Ebene eine „Reichsacht“, zu einem Häretiker abgestempelt und als ein solcher verfolgt. Häretiker wurden von dieser Kirche in aller Regel ermordet. Als „Vogelfreier“ durfte man von jedem getötet werden, ohne dass dem Mörder irgendwelche Konsequenzen drohten. Hierfür „befahl“ die Kirche „ihrem“ Gott die Akzeptanz für derlei folgenlose Verbrechen (Info).

Der im finstersten aller Zeitalter praktizierte Irrsinn würde heute nicht mehr funktionieren. Dafür hat sich speziell Papst Franziskus eine andere Strategie ausgedacht, bzw. im Team seines Stalls ausdenken lassen. Die Herz-zerschmelzende, liebliche Verführung (Info).

Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird dies geschehen, und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt acht, daß euch niemand verführt!
Matthäus 24,3-4

Bibelverse aus Schlachter 2000

Wer Glauben in das Evangelium hat, war in der katholischen Kirche noch nie gut aufgehoben und ist es heute auch nicht in einer der einstigen protestantischen Kirchen mehr. Die Kirche Roms und ihre angeschlossenen Töchter verkörpern das, was die Bibel als „der Sohn des Verderbens, Mensch der Sünde, Hure Babylons, Gräuel der Erde und falschen Propheten“ bezeichnet (Info)

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