Wenn jemand in der römisch-katholischen Kirche zu seinen Lebzeiten einen raketenhaften Aufstieg erlebte, dann war es insbesondere John Henry Newman. Er wird von fast allen Seiten der römischen, anglikanischen und vermeintlich protestantischen Kirchen gefeiert. Nun will Papst Leo XIV den einstigen Kardinal zum Kirchenlehrer erheben, quasi die “Hall of Fame” des Katholizismus. Nachhaltiger Verdienst des “Heiligen” aufgrund seiner nachhaltig wirkenden Zersetzung des einstigen Protestantismus.
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Newman soll in “katholische Hall of Fame”
Es geht Schlag auf Schlag. Der “heilige” John Henry Newman, erst im Jahr 2019 von Papst Franziskus in die “Heiligkeit” erhoben, wird jetzt Papst Leo XIV den einstigen Anglikaner zum Kirchenlehrer erklären. Die Medien zwitschern diese “frohe Botschaft” wie die Spatzen von den Dächern. Der Mann, der die Anglikanische Kirche in England faktisch wieder “katholisierte”. Die Geister mögen sich streiten, ob Newman ein “plötzlich Bekehrter” war, oder von Beginn an ein “kalkulierender Maulwurf”.
Der “umgekehrte Luther”
Newman wurde im Jahr 1801 in London geboren. Mit rund 16 Jahren begann er ein Studium der Theologie im Trinity College, Oxford. In 1824 wurde er zum Diakon der Christ Church Cathedral der anglikanischen Kirche und rund 1 Jahr später war Newman ein Priester. In 1832 durchreiste der junge Priester Italien, mit Zwischenaufenthalt in Rom. Als eine Art “umgekehrter Luther” veröffentlichte Newman in 1841 seine “Traktate für die Zeit”, welche die Neununddreißig Artikel der Anglikanischen Kirche hinterfragte und die Legitimität anzweifelte. Der offizielle Wandel Newmans erfolgte in 1845, als er zur römisch-katholischen Kirche konvertierte.
Newman und die Oxfordbewegung

Untrennbar verbunden mit John Henry Newman ist die Oxfordbewegung. Diese begann jedoch nicht zur fortgeschrittenen Wirkungszeit eines sich plötzlich dem Katholizismus hingezogenen Newmans, sondern bereits im Jahr 1830. Eine Bewegung, die das Ziel hatte, in den Anglikanismus wieder größere Anteile des Katholizismus zu integrieren. Mitstreiter Newmans waren Edward Bouverie Pusey, ein englischer Theologe und Verfechter eines “Anglo-Katholizismus”, und John Keble, ein anglikanischer Geistlicher, Anhänger von Church of England, und Professor der Poesie.
Die Oxfordbewegung nutzte als Aushängeschild die geforderte und verteidigte Unabhängigkeit der Kirche vom Staat. Nun, so wenig wie man von den “Thinktanks” der römisch-katholischen Kirche Gutes erwarten kann, so wenig dumm stellen sie sich an. Mit einer Art gezeigtem “Trotz”, emporgehobener Faust und “jetzt erst recht” gegen die Einflüsse des Säkularen geschah diese demonstrierte Unabhängigkeit anhand des Wiederbefüllens der Kirchen mit römisch-katholischem Kult. Dass dies aber tatsächlich auf das direkte Ausmerzen des Protestantismus abzielte, ging in der Euphorie des Widerstandes gewollt unter.
Was die Protestanten im 16ten Jahrhundert durch den “reformatorischen Bildersturm” vollzogen, drehte Henry Newman wieder um. Protestantische Kirchen waren befreit von Bildern, Figuren, sonstige götzenartige Darstellungen und ganz besonders vom Altar. Letzterer ist schließlich nicht ein einfacher Tisch, sondern eine Opferstätte (Eucharistie). Der Noch-Anglikaner Newman schleppte durch sein Wirken diese römisch-katholischen Utensilien schrittweise wieder in die Kirche hinein.
Steile Karriereleiter Newmans

Der Umstieg zum Katholizismus im Jahr 1845 war der erste Schritt auf seiner steil aufgestellten Karriereleiter innerhalb der Kirche Roms. Es dauerte nur rund 2 Jahre bis Newman zu einem römisch-katholischen Priester geweiht wurde. Sein Start begann in der Oratorianergemeinschaft, eine im Jahr 1575 in Rom gegründete Kongregation in der römisch-katholischen Kirche. Von Papst Gregor XIII offiziell bestätigt. In England war diese Organisation nicht vertreten, bis eben jene von Newman in England eingeführt und auch gleich vor Ort geleitet wurde.
Die während des Ersten Vatikanischen Konzils (1869-1870) wohl umstrittenste als Doktrin festgelegte “Meinung” der römischen Kirche, die Unfehlbarkeit päpstlicher Lehren, bezeichnete Newman als “inhaltlich korrekt”. Die Oxford Universität glaubte im Jahr 1877 erkannt zu haben, dass Newmans Werke von hohem Wert sein müssen und ehrte den konvertierten Kleriker mit dem Titel “Honorary Fellow”. Im Jahr 1870 folgte der Sprung auf die von Newman höchste erreichte Stufe der Karriereleiter. Er wurde von Papst Leo XIII zum Kardinaldiakon ernannt.
Schon bald nach Newmans Tod im Jahr 1890 folgten die ersten Rufe nach seiner Seligsprechung. Zahlreiche Newman-Denkmäler wurden in England errichtet. Im Jahr 1945 zelebrierte Papst Pius XII das 100-te Jubiläum Newmans Konversion zum Katholizismus. Papst Johannes-Paul II kürte den Kardinal in 1991 mit dem Titel “Ehrwürdiger Diener Gottes”. Die Seligsprechung Newmans erfolgte in 2010 durch Papst Benedikt XVI. Getoppt wurde die Stellung von Papst Franziskus durch die Heiligsprechung in 2019. Der liturgische Kalender der römisch-katholischen Kirche erhielt am jeweiligen 9. Oktober einen neuen Eintrag. Der Tag der Aufnahme Newmans in die katholische Kirche.
Newmans Platz neben Liguori

Mit der jetzt angekündigten Erhebung Newmans zum Kirchenlehrer, geht der ehemalige Anglikaner in die “Hall of Fame” dieser Institution ein, wie dort auch ein Alphonsus Liguori und seine außergewöhnlichen, römisch-katholischen Theologien bereits vertreten sind (Info).
Dennoch gibt das Umfeld des verstorbenen John Henry Newmans Rätsel auf. Wo sind seine sterblichen Überreste verblieben? Gemäß dem römisch-katholischen Totenkult sollte der Leichnam des Kardinals exhumiert und umgebettet werden. Man fand aber neben seiner Kleidung nur wenige Knochenfragmente. Eine Untersuchung ergab, dass der große Rest nicht durch Einflüsse der Umgebung verwest sein könne. Dieses aufbewahrte Stück von Newman wurde dazu im Jahr 2020 in der Niederlassung der Oratorianer in Birmingham gestohlen.
Nachhaltiges Erbe Newmans
Das Erbe des einst lebendigen Newmans ist allerdings nachhaltig. Das Katholisieren gelang im weiten Rahmen, denn die Church of England weist längst einen ebenso markanten Hang zu Verstorbenen aus und plant die Exhumierung des Kopfes von Thomas More (Quelle). Der Schädel solle gesondert aufbewahrt werden. More ist ein erklärter Märtyrer der römisch-katholischen Kirche und war direkter Gegner des Protestanten William Tyndale. Beide lieferten sich per gegenseitiges Anschreiben “verbale Schlachten”, insbesondere um die Lehre der Rechtfertigung durch Jesus Christus aus Gnade und nicht aus Werken.
Absonderliche Lehren und der geführte Vernichtungskampf gegen den (einstigen) Protestantismus scheinen in dieser Kirche Roms ein Garant für historisch anhaltende Verehrung zu sein. Ganz besonders, wenn man als längst Verstorbener seine fleischlichen Überreste zur Anbetung und besonders als Katalysator für das Funktionieren des eucharistischen Hokuspokus zur Verfügung stellen kann.
Heute wie damals:
Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die heimlich verderbliche Sekten einführen, indem sie sogar den Herrn, der sie erkauft hat, verleugnen; und sie werden ein schnelles Verderben über sich selbst bringen.
2. Petrus 2,1
Bibelverse aus Schlachter 2000
