Das Volk Israel, kurz vor dem Einzug nach Kanaan, fiel noch einmal massiv vom gerechten Pfad Gottes ab. Eine Parallele, die erneut bestätigt, dass sich Geschichte im großen Ausmaß wiederholt. Der Einzug des Heidentums auf verführerische Weise ist ein weiteres Beispiel, dass es sich durchaus rentiert, die Bibel auch im Detail zu betrachten, über jedes geschriebene Wort nachzudenken und nicht einfach mantraartig ein Kapitel nach dem anderen zu überfliegen. Die Ereignisse des alten Israels im Alten Testament zu verstehen, hilft sehr, auch die heutigen Entwicklungen rund um das Volk Gottes zu verstehen.
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Bileam und Balak
Wenn man das Buch der Offenbarung liest, dann stößt man auch sicher über die Passage mit den 7 Sendbriefen an die Gemeinden (Offenbarung 2 und 3). Diese von Johannes an die noch jungen Gemeinden geschriebenen Briefe enthält das von Jesus Christus an Johannes zum Aufschreiben diktierte Lob, viel Aufmunterung, aber auch kräftige Rügen.
Diese Briefe galten für die damaligen buchstäblich existierenden Gemeinden in den sieben Orten innerhalb der römischen Provinz Asia und stellen auch einen prophetischen Aspekt über die Entwicklung des Volkes Gottes (Gemeinden) dar, für den Zeitraum ab den Apostel bis zur letzten Gemeinde in der heutigen Zeit (Info).
Die dritte angeschriebene Gemeinde, Pergamus, enthält eine wichtige und auch aufschlussreiche Passage. Eine handfeste Rüge, die folgend lautet:
“Aber ich habe ein weniges gegen dich, daß du dort solche hast, die an der Lehre Bileams festhalten, der den Balak lehrte, einen Anstoß [zur Sünde] vor die Kinder Israels zu legen, so daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben.” (Offenbarung 2,14)
Der Abfall des Volkes Israel kurz vor Kanaan

Die “Kinder Israels” sind in diesem Vers noch leicht zu identifizieren, aber wer ist nun Bileam und wer ist Balak? Hier hilft es nicht nur, sich für die Antwort im Alten Testament umzusehen, sondern auch mit der Einstellung heranzugehen, dass das Neue Testament als Antitypus in weiten Bereichen die Erfüllung des Alten Testamentes ist. So tun sich bei der Betrachtung der vergangenen und auch gegenwärtigen Entwicklungen einige Erkenntnisse auf, da es sich praktisch um eine Wiederholung im großen Stile handelt.
Bileam, ein (abgefallener) Prophet, betrat die Szene, als das Volk Israel noch auf Wanderschaft in der Wüste gen verheißenes Land Kanaan war. Allerdings stand das Volk unmittelbar vor dem Einzug, also die letzten Ereignisse der 40-jährigen Wanderung. Auf ihren Wegen hatte das Volk immer wieder mit feindlich gesinnten Heidenvölkern zu tun. Aber der Herr stand ihnen zur Seite.
Das erkannte auch der König der Moabiter, Balak, ein Gegner des Volkes Israel. Er wusste, dass er mit Schild und Schwert nicht viel ausrichten konnte. Er hatte miterlebt, wie es den anderen Völkern ergangen war, die sich gegen Israel positionierten. Deshalb setzte Balak auf geistlichen Beistand. Er schickte Botschafter zum Propheten Bileam. Dieser wohnte in Petor, eine Stadt am Fluss Euphrat, also die Gegend Babylons. Er sollte nach Vorstellungen des Moabiter-Königs, natürlich gegen Bezahlung, das Land Israel verfluchen (4. Moses 22,4-6).
Aus Fluch wurde Segen – Jetzt Verführung
Gott aber wandte die Dinge derartig, dass der Spruch Bileams “gegen” das Volk Israel tatsächlich ein Segen war. Ganz zum Verdruss Balaks. Bileam klärte Balak allerdings vorab mehr als einmal darüber auf, dass er nur das sagen werde, was ihm der Herr vorgibt. Und das tat Bileam auch. Dennoch war der Prophet in die Missgunst Gottes gefallen, weil dieser sich grundsätzlich auf den Weg machte, um dem Wunsch des Moabiter-Königs nachzukommen, über das Volk Gottes einen Fluch zu verhängen.
Bileam kam mit einer neuen Idee auf. Er riet Balak dazu, das Volk durch Verführung in Sünde fallen zu lassen, so dass Gott sich vom Volk Israel abwendet und somit auch Seinen Schutz entzieht. Ohne das Schild Gottes, so das Kalkül, würden die Moabiter siegreich sein. Gesagt, getan. Die Strategie bestand darin, hübsche Moabiter-Frauen in das Volk zu entsenden, natürlich alles getarnt als ein Beisammensein in freundschaftlicher Gesinnung. “Kultureller Austausch” würde man dies heute bezeichnen.
Heidnische Bräuche eingebracht

Die Moabiter-Frauen, also Heidinnen, führten ihre Riten, Bräuche und Feste auf und luden die Israeliten dazu ein, sich ihnen einfach anzuschließen. Das fiel nicht schwer, denn die Musik und auch die Tänze der hübschen Frauen waren zu verlockend, um deren reizvollen Handeln fernzubleiben. Die meisten der Kinder Israels machten einfach mit und überschritten dabei eine knallrote Linie.
Denn die traditionellen Brauchtümer der Moabiter enthielten auch Götzendienst und Rituale zu Ehren deren “Götter”. Tatsächlich fing das Volk Gottes an, den “Gott” der Moabiter, Baal-Peor, ebenfalls anzubeten. Dieser offenkundige Abfall des Volkes Gottes, obwohl der Götzendienst mehrfach streng untersagt wurde, mündete tatsächlich darin, dass Gott sich von Seinem Volk abwandte.
Gott antwortete ohne Verzögerung
Es blieb aber nicht lange bei den heidnischen Bräuchen, denn die Strafe folgte sofort. Das Volk Israel wurde von einer Seuche getroffen. Am Ende waren es 24.000 Israeliten, die an dieser Krankheit starben (4. Moses, Kapitel 25). Während die Menschen noch von der wütenden Seuche geplagt waren, dämmerte es den Israeliten, dass sie sich schwer vergangen hatten und eilten reuig zur Stiftshütte. Sie bereuten ihre Taten und wollten deshalb Schuld- und Sühneopfer darbringen.
Doch vorweg beauftragte Gott Seinem treuen Knecht Moses, die Obersten(!) des Volkes zu versammeln und diese vor dem Volk Israel zu erhängen. Hinzu kam der Befehl, alle, die sich vor Baal-Peor beugten, zu erschlagen.
Es gab aber noch einen im Volk, der keinerlei Einsehen hatte, geschweige irgendeine Reue zeigte. Dieser brachte vor aller Augen des vor der Stiftshütte klagenden Volkes eine Midianiterin in das Lager seiner Brüder mit. Pinehas, ein Enkel von Aaron, sah die beiden, wie sie gemeinsam in ihr Zelt gingen. Er eilte nach, mit einem Speer in der Hand, und durchbohrte beide im gemeinsamen Zelt. Erst dann ließ Gott von Seiner Strafe gegen Sein Volk ab. Die Ursache für den Abfall war beseitigt.
Die Ursache hatte einen Namen

Dass die Namen der beiden sogar explizit genannt werden, weist auf etwas Besonderes hin:
“Der Name des getöteten israelitischen Mannes aber, der samt der Midianiterin erschlagen wurde, war Simri – ein Sohn Salus, ein Fürst des Vaterhauses der Simeoniter. Der Name der getöteten midianitischen Frau aber war Kosbi – eine Tochter Zurs, der das Stammesoberhaupt eines Vaterhauses unter den Midianitern war.” (4. Moses 25,14-15)
Das “riecht” förmlich nach etwas, was im Antitypus, also unter Umständen sogar heute, eine wichtige Rolle spielen könnte. Denn die 40-jährige Wüstenwanderung symbolisiert den Weg der Heiligung der Gläubigen, also die charakterliche Veränderung durch den Glauben, dank Gottes Kraft. Die Rettung des übrigen Volkes Gottes am Ende der Zeit ist gleichgesetzt mit dem Einzug Israels ins verheißene Land Kanaan. Der finale Abfall durch die Moabiter und Heiden-Frauen fand kurz vor dem Einzug nach Kanaan statt. Also durchaus ein Hinweis darauf, wie es um das Volk Gottes am Ende der Zeit bestellt sein wird.
Simri und Kosbi
Tatsächlich kommt man auf interessante Aspekte, wenn nicht nur die “Frau” im prophetischen Sinne als eine Gemeinde angesehen wird, sondern sich die beiden genannten Namen etwas näher betrachtet. Simri und Kosbi. Deren Handlung zeigte als Einzelbeispiel schließlich den Grund für den Abfall des Volkes Gottes auf.
Simri (זִמְרִי) stammt aus dem Hebräischen und bedeutet “Musik bzw. Sänger”.
Kosbi (כָּזְבִּי) ist ebenfalls aus dem Hebräischen und bedeutet “Falsch”.
“Musik und Falsch”, bzw. “falsche Musik”. Beides in Kombination verdeutlicht den Grund für das steile Abfallen des Volkes Gottes. Dargeboten von “heidnischen Frauen”, im prophetischen Sinne, also heidnische Kirchen bzw. Religionen. Oder auch, wenn man sich lediglich heute etwas umsieht, einstige protestantische Kirchen, welche sich als devote Töchter wieder an den Rockzipfel der Mutter in Rom angehängt haben (“Mutter der Huren”, Offenbarung 17,5).
Musik – Tänze – Gebräuche

Tatsächlich, Musik spielt eine enorm große Rolle bei dem, was in den Köpfen der Menschen vorgeht, bzw. vorgehen soll. Das ist keine “esoterische Philosophie”, sondern handfest wissenschaftlich belegt, was Rhythmen und Töne mit dem “Hirn-Kortex” anstellen können (Info). Einmal in den tranceähnlichen Zustand gebracht, ist es möglich, in die Köpfe der Menschen jeglichen Unsinn ungefiltert einzutrichtern.
So manche heutige Gemeinde spielt zu ihren Gottesdiensten wie selbstverständlich Musik und Lieder, welche von Popmusik faktisch nicht zu unterscheiden sind. Aufbau, Rhythmus, Tonalität, alles, was die Charts rauf- und runtergespielt wird. Im Prinzip tauscht man lediglich die Worte “Whiskey und Dancing” mit “Jesus der Retter” aus, und schon spricht man von einem “christlichen Song”. Die einen Gemeinden machen es schon längst und die anderen finden dies “toll” und führen diese Art von Musik ebenfalls in ihren Gottesdienst ein. Schließlich wolle man dem zeitgemäßen Trend folgen und die Gemeindeglieder erwarteten etwas Anspruchsvolles (2. Timotheus 4,3).
Von Musik betäubt, offen für Irrlehren
Auf diese Weise lassen sich den Zuhörern, einmal in “gute, gefühlvolle und heilige Stimmung” gebracht, auch irrige Lehren vermitteln, wie z.B., “alle Gesetze sind aufgehoben, nur noch Gnade. Hurra!” (Info).
Hervorgehoben muss auch, dass Moses beauftragt wurde, die Obersten des Volkes zuerst “zu scnnappen” und diese gemäß Gottes Anordnung zu richten. Im übertragenen Sinne für die Anwendung in der Gegenwart, die Leiter in den oberen Etagen. Gottes Gericht fängt ohnehin bei Seinem Volk an und innerhalb des Volkes von “oben nach unten”.
Die “Mutter-Töchter-Familie” wächst noch

Was in der Offenbarung 2 noch für die Gemeinde Pergamus galt, mündete schließlich in die vom Götzendienst und Unzucht übersäte Gemeinde Thyatira. Ein Typus für die römisch-katholische Kirche (“Isebel”). Ab dann erfolgte nicht wie bei den Gemeinden Ephesus, Smyrna und Pergamus eine jeweilige Wandlung der Gemeinde, sondern ab Thyatira jeweils eine Abspaltung der daraus Übrigen, also den noch dem Evangelium treu gebliebenen Gläubigen. Die jeweils vorangegangene Gemeinde führt ein Paralleldasein, aber ohne den Geist Gottes, sondern mit dem Geist der “Gegenseite”. Diese abgefallenen Gemeinden bilden einen Bestandteil des Babylons der Endzeit (Offenbarung 18,2-3).
So auch die Abspaltung beim Schritt von Thyatira zur Gemeinde Sardes (Protestanten), diese Abtrennung eines Restes ebenfalls hin zur Gemeinde Philadelphia (Erweckung) und daraus kamen die Übrigen hervor als die letzte Gemeinde Laodizäa. Final wird es auch nur ein Überrest aus Laodizäa sein, der ein Anrecht darauf haben wird, durch die Tore der neuen Stadt eingehen zu können (Offenbarung 22,14).
Mutter und Töchter bezirzen gemeinsam
Auf den Abfall der Vielen gegenüber einen Überrest weist vor allem die am Ende von Offenbarung 12 genannte Frau hin. Nicht sie wird vom Drachen verfolgt, sondern der (letzte) Überrest, der von den Abkömmlingen dieser Frau übrig geblieben ist (Offenbarung 12,17). Denn die Frau selbst wurde zu einer in Scharlach, Purpur, Gold, Perlen und Edelsteinen gekleideten Hure (Offenbarung 17,4-5).
Die einstige “blütenreine” Frau veränderte sich so sehr, dass Johannes, der sie bei seiner Vision zu sehen bekam, sehr über sie verwundert war (Offenbarung 17,6). Eine Hure, mit heidnischen Bräuchen, die es liebt, ihre Tänze und Musik in anderen Gemeinden einzubringen und “nebenbei” ihren vergifteten Wein der Sinnes-Betäubung an die Könige und Kaufleute der Erde verteilt. Die “Familie” aus Mutter und Töchter, sogar jene aus Laodizäa, wächst derzeit noch an. Gott aber wird darauf eine gerechte Antwort geben.
In dem Maß, wie sie sich selbst verherrlichte und üppig lebte, gebt ihr nun Qual und Leid! Denn sie spricht in ihrem Herzen: Ich throne als Königin und bin keine Witwe und werde kein Leid sehen! 8 Darum werden an einem Tag ihre Plagen kommen, Tod und Leid und Hunger, und sie wird mit Feuer verbrannt werden; denn stark ist Gott, der Herr, der sie richtet.
Offenbarung 18,7-8
Bibelverse aus Schlachter 2000
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