Genau 613 Gesetze befolgen? Wo steht das geschrieben?

613 Gesetze

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Immer wieder taucht die Zahl “613” auf, um die Anzahl der Gesetze zu beschreiben, welche eingehalten werden müssten, falls man behaupte, dass man dem Gebot Gottes Folge leisten müsse und durch Werksgerechtigkeit die Erlösung erreichen wolle. Neben dem üblichen Missverständnis bliebe noch die Frage offen, woher diese ominöse Zahl 613 eigentlich zu finden sei.

Erst Vorwurf, dann folgt die 613

Kommt es dazu, das Gesetz Gottes (10 Gebote) aufgrund des Gehorsams aus Glauben einhalten zu wollen, ist die Agenda der Vertreter von “nicht mehr unter dem Gesetz, nur noch Gnade” und “alle Gesetze sind aufgehoben und damit ungültig”, auch schnell bei der Hand mit dem Argument, “wer das Gesetz halten will, ist auch verpflichtet, alle 613 Gesetze einzuhalten”. Dies begleitet mit dem Vorwurf, man sei mit dem Einhalten des Gesetzes Gottes selbstgerecht und versuche die eigene Erlösung durch Werksgerechtigkeit. Die “Extremisten” unter diesen “Gesetzlichen” drückten ihren Irrtum auch noch im Halten des Siebenten-Tag-Sabbats aus.

Die üblichen Missverständnisse

Fragezeichen
Offene Fragen zur 613

Derlei Thesen und Begründungen basieren allesamt auf ein Miss- oder Unverständnis zum gravierenden Unterschied zwischen den sog. Moralgesetz (10 Gebote Gottes) und dem Zeremonialgesetz (Gesetz Mose). Dabei kann der Unterschied zwischen den zwei Gesetzestexten aufgrund ihrer Natur und besonders Gründen gar nicht mehr größer sein. Die ewigen 10 Gebote Gottes gelten jedoch unverändert bis heute, morgen und auch darüber hinaus. Tatsächlich abgeschafft sind die an Moses diktierten Zeremonialgesetze. Diese wurden durch Jesu Tod am Kreuz erfüllt (Info).

Sind einmal die beiden Gesetzeswerke in einen gemeinsamen Topf und verrührt worden, dann fällt einem auch gar nicht mehr, wenn z.B. Paulus über das Gesetz schreibt, welches tatsächlich vollständig eingehalten werden müsste, wenn man trotz Abschaffung daran festhält und somit seine Gerechtigkeit durch eigene Anstrengung erwirken wollte. Denn das ist nichts anderes als die Ablehnung des Heilswerks Jesu Christi. Wiederum werden die 10 Gebote um kein Strichlein verändert, bzw. abgeschafft (Matthäus 5,18-19).

Eine solche Konstellation beschreibt Paulus in Galater 5:
Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden laßt, wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge nochmals jedem Menschen, der sich beschneiden läßt, daß er verpflichtet ist, das ganze Gesetz zu halten. Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen!” (Galater 5,2-3)

Unbegründet schnell bei der Hand

Kinder lehren
Nur daran glauben

Und schon beziehe sich diese Aussage auch auf die 10 Gebote. Ein mächtiger Irrtum. Regelmäßig aber folgt auch die konkrete Angabe von “die 613 Gesetze”. Von einer solchen Anzahl ist aber weder im Alten noch im Neuen Testament etwas zu finden. Warum genau 613 Gesetze? Eine Rückfrage, woher diese Zahl eigentlich stammt, wo steht das, hast du selbst nachgezählt, oder wiederholst du lediglich irgendwo, irgendwas Gehörtes oder Gelesenes? Ebenso regelmäßig bleibt diese Frage unbeantwortet.

Eines müsste bei solchen Thesen noch geklärt werden. Denn wer in diesem Zuge behauptet, die von Gott selbst in Steintafeln verewigten 10 Gebote seien ebenfalls abgeschafft, der müsste auch aufzeigen, wo darauf z.B. Einträge wie die Beschneidung zu finden seien. Da wird es dann sehr schwierig.

Also, wo sind 613?

Nun steht einfach eine “613” im Raum, behauptet, aber nicht begründet. Der Aufwand allerdings, um dies herauszufinden, ist gering, man muss nur wollen. Schnell findet man heraus, dass diese “613” weder im Alten Testament noch im Neuen Testament genannt wird, sondern seine Definition im Babylonischen Talmud erhält. Ein Regel- und Gesetzeswerk im Judentum, welches einst mündlich übermittelt wurde und ungefähr um 600 n.Chr. seinen (ersten) Abschluss fand und auch auf Papier gebracht wurde. Der Schwerpunkt im Talmud besteht in der Auslegung vor allem der Tora (5 Bücher Mose), wobei im Talmud durchaus auch eigene Formulierungen von Gesetzen zu finden sind, wie z.B. die 7 Gesetze Noahs. Aber eben nur exklusiv im Talmud.

Ausleger sind historische Rabbis und deren Ansichten. Wie auch in der römisch-katholischen Kirche die Bibel gemäß dem hauseigenen Katechismus zu betrachten sei, und dies ausschließlich durch “speziell autorisierte Kleriker”, so auch die Handhabe mit Torah und Tanach. Deren Verständnis wurzele in dem, was im Talmud zu finden sei, ebenfalls nur durch Rabbis.

Im Babylonischen Talmud

Talmud
Überlieferte Tradition

Im Talmud findet sich das Buch Makot. In 23b ist tatsächlich die “613” festgelegt. Und zwar von Rabbi Simlai. Ein “talmudischer Rabbi”, der im 3ten Jahrhundert nach Christus wirkte und entweder in Lod oder in Babylonien geboren wurde. Zumindest wohnte Simlai im hohen Alter in Babylonien. Er gilt auch als Urheber der 613 Mitzwot.

Rabbi Simlai lehrte: Die Tora enthielt 613 Gebote, die Mose gegeben wurden. Davon entsprachen 365 Verbote der Anzahl der Tage im Sonnenjahr und 248 positive Gebote der Anzahl der Tage eines Menschen. Rav Hammnuna fragte: Welcher Vers bezieht sich darauf? Es heißt: „Mose gebot uns die Tora, ein Erbe der Gemeinde Jakobs“ (Deuteronomium 33,4). Das Wort Tora, in Bezug auf seinen Zahlenwert (Gimatrija), …

Noch schnell ein genauerer Blick, da diese 613 Gebote in Bezug auf die Tora in der Vergangenheitsform stehen und nicht im anhaltenden Präsenz. Ja, so steht es in der englischen Version des Babylonischen Talmuds. Über den Grund kann man spekulieren. Möglich, dass diese Formulierung eben ein sprachlicher Normalfall war.

Dezente Vielfalt

Das zieht sich ohnehin wie ein roter Faden, dass in der Regel zwei oder drei Rabbis über eine Angelegenheit diskutieren, sich in verschiedenen Dingen nicht einig sind und am Ende dann doch einen eindeutigen Abschluss finden. Das betrifft vor allem die “Spezial-Regeln” bezüglich den Verboten und Erlaubtem am Sabbat und die Festlegung, was alles eigentlich rein und unrein sei. Drei Rabbis, drei Meinungen und man ist frei, sich passend zur Argumentation den Favoriten auszuwählen und diesen mit “Rabbi XYZ sagte…” zu lehren.

Rabbi Jochanan sowie Maimonides (ca. 1160 n.Chr. in Ägypten) sind der Meinung, dass Nicht-Juden, welche die Tora studieren, des Todes seien, während Rabbi Meir der Ansicht ist, dass ein solcher wie ein Hohepriester angesehen werden solle. Nun, ich wüsste bereits, welcher Meinung ich mich anschließen und diese auch lehren würde (Info).

613 haben eine gewisse Exklusivität

613 Gesetze
Eine unwichtige Idee

So eben auch die 613 Gesetze, welche einfach nur dastehen, aber weder nachvollziehbar begründet, noch aufgelistet sind. Egal, und wenn es “nur 400” wären, sollte man einst selbst nachzählen, dann ändert es nichts am einstigen Sinn und Zweck der tatsächlich abgeschafften Zeremonialgesetze. Genauso ändert sich überhaupt nichts an den 10 Geboten Gottes, die ewigen Bestand haben werden.

Es liegt auf der Hand, dass auch diejenigen, welche Jesus Christus täglich 10x anrufen werden, die Hände in den Himmel strecken, ihre tiefste “Liebe” bezeugen, aber der Ansicht sind, es gäbe kein Gesetz Gottes mehr, Gehorsam sei Werksgerechtigkeit, und auch dadurch ihren alten Lebensstil weiterverfolgen, voraussichtlich eine entsprechende Antwort erhalten werden:

Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!
Matthäus 7,22-23

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Bibelverse aus Schlachter 2000

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