Gefallener Mensch – John Calvin zu Unrecht kritisiert

Calvin Institutes

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Johannes Calvin und Martin Luther waren sich nicht in allen Punkten einig. Heute haben die Lehren der aus beiden entstandenen Kirchen ohnehin kaum mehr etwas mit den Ursprüngen zu tun. Dennoch hat die Kirche Roms ein Problem mit Calvins Lehre, der Mensch sei in seiner Natur ins Bodenlose gefallen. Das widerspreche dem Verständnis der römisch-katholischen Kirche völlig. Diese Diskrepanz liegt aber mehr an der Extravaganz der römischen Kirche und weniger an Fantasien des einstigen Reformators.

Heute nicht mehr viel von Calvin

Johannes Calvin (1509 – 1564), ein Reformator der zweiten Stunde, geboren in Genf, Schweiz, und Autor von “Institutio Christianae Religionis”, die sog. “protestantische Summa”. Calvin war im Jahr 1517, als Martin Luther seine Thesen an das Tor der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, gerade mal 8 Jahre alt. Später standen sich Calvin und Luther zum Verständnis des Evangeliums in einigen Bereichen auf unterschiedlichen Positionen gegenüber. Das betraf insbesondere die Definition der Sakramente, hierzu auch die Eucharistie bzw. das Abendmahl.

Wie auch die lutherisch-evangelischen Kirchen sich inzwischen von den Lehren Luthers völlig entfernten, sich aber (frech) noch immer auf den großen Reformator berufen, so erging es auch dem von Calvin gegründeten Zweig. Calvinisten, bzw. Presbyterianer vertreten heute insbesondere die Lehre der vorbestimmten “unweigerlichen Errettung”, bzw. auch das “unweigerliche Verlorengehen” der Menschen. Gott habe demnach schon längst vorherbestimmt, wer gerettet werde und wer verloren gehe, völlig unabhängig davon, was der jeweilige Mensch in seinem Leben angestellt hatte.

Das geht sogar so weit, dass die verlorenen Menschen vor allem deshalb in der Hölle schmoren, um so Gott die Ehre zu erweisen und mit ihrem eigenen jämmerlichen Zustand die Geretteten umso mehr erhöhen. Man fragt sich, was schiefgelaufen sein muss, um so viel Zynismus an den Tag zu bringen und dass dies auch noch geglaubt wird.

Wie gehabt, wie Luther, so auch Calvin. Was sie einst lehrten, steht heute nur noch in historischen Büchern und kann kaum noch in den jeweiligen Kirchen beobachtet werden.

Entgegen dem Humanismus

Immanuel Kant Denkmal
Vertreter des Humanismus

Calvin vertrat zudem die Ansicht, und da hatte er recht, dass der Mensch in seiner Natur von Grund auf verdorben und nicht imstande ist, etwas Gutes zu bewerkstelligen. Das hört sich “natürlich” in einer vom Humanismus völlig durchdrungenen Gesellschaft weltfremd an, was auch nachvollziehbar ist, aber kann dennoch biblisch festgemacht und auch begründet werden. Ebenso die Tatsache, dass sich die von Natur auf “verdorbenen Menschen” auch als Nicht-Christen durchaus “christlich” verhalten können.

Römisch-katholische Kirche “protestiert”

Eine solche Lehre eines Protestanten muss der römisch-katholischen Kirche naturgemäß missfallen und diese versucht, diese Position aus ihrer Sicht richtigzustellen. Das mediale Sprachrohr der Kirche, “catholic.com“, beschreibt Calvin als einen, der den Menschen nicht zutraute, irgendetwas Gutes zu tun, bevor dieser in Christus wiedergeboren wurde. Ist der Mensch wiedergeboren, dann könne dieser nicht aus eigener Kraft gute Taten verrichten, sondern nur anhand der Kraft Gottes.

Calvins Version sei ungerecht

Calvin Institutes
Calvin war fleißiger Autor

Der katholische Autor schließt daraus, dass Calvin damit behauptete, der Mensch sei damit grundsätzlich unfähig, etwas Gutes zu tun, wenn Gott sich nicht dazu entschließe, diesen Menschen wiederzuentdecken. Der Mensch ohne Gott könne daher nur sündigen und sei dazu unfähig, sich vom Bösen abzuwenden. Doch daraus stellte sich die Frage, so der Autor, wie der Mensch dann Einfluss auf seine Verdammnis haben könne, wenn er keinen Einfluss auf seine Erlösung habe.

Wäre dies der Fall, wie es Calvin beschreibe, wie könnte Gott uns dann in Gerechtigkeit für etwas bestrafen, was wir tun mussten? Das wäre so, als wenn ein Richter jemanden zu einer Höchststrafe verurteilte für ein Verbrechen, das der Mensch erzwungenermaßen tun musste, ohne die Möglichkeit dies zu ändern. Das sei ziemlich ungerecht, so der Autor.

Gemäß Kirche Roms ist Mensch nicht völlig gefallen

Die katholische Kirche lehre, der Mensch sei nicht völlig verdorben, so im katholischen Katechismus. Der Mensch sei in seinen natürlichen Kräften verwundet, dem Leiden und der Herrschaft des Todes unterworfen und zur Sünde geneigt. Daher sei der Mensch durchaus in der Lage auch ohne Wiedergeburt in Christus, sein ganzes Leben lang etwas Gutes zu tun. Daher sei der Mensch weder zum Bösen geneigt, noch völlig verdorben, so der katholische Autor.

Daher stünden die Lehren Calvins auch im Widerspruch zu den alltäglichen menschlichen Erfahrungen.

 …und Calvin hatte doch recht!

Mit dem Sündenfall ist die Natur des Menschen gefallen und mit ihm gleich die “restliche” Schöpfung dazu. Römer 8,20-22:
Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, daß auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt;

Seither sind Mensch und Natur einer fortlaufenden Degeneration ausgesetzt, ganz im Gegensatz zur Ersatzreligion Evolutionstheorie. Das Evangelium ist zum Zustand des menschlichen Herzens eindeutig.

Jeremia 13,23:
Kann wohl ein Mohr seine Haut verwandeln, oder ein Leopard seine Flecken? Dann könnt ihr auch Gutes tun, die ihr gewohnt seid, Böses zu tun!

Jeremia 17,9:
Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?

Psalm 53,3-4:
Gott schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, um zu sehen, ob es einen Verständigen gibt, einen, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen, allesamt verdorben; es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen einzigen!

Auch Paulus war nicht besser

Paulus machte sich selbst nicht besser als er tatsächlich war. Auch er war ein Mensch in der gefallenen Natur und stellte dies auch heraus, Römer 7,23:
ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner Gesinnung streitet und mich gefangennimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Kurz: der Mensch und sein Herz sind eine “unergründliche Dunkelkammer” (Info).

Ins Herz geschriebenes Gesetz

Laubherz
Öffnung des Herzens für Heiligen Geist

Dass es sichtlich auch Menschen gibt, die trotz fehlender Wiedergeburt in Jesu Christi auch “Gutes tun”, ist unbestreitbar. Doch an dieser Stelle kommen gleich zwei systematische, bzw. fundamentale Probleme innerhalb der Lehren der römischen-katholischen Kirche zum Zuge. Die Historie der “Kirchenväter” und deren bis heute angewandten Lehren bezeugen, dass die Aussagen des Evangeliums bestenfalls dahingehend interessieren, um diese aufzugreifen, ins Gegenteil zu verdrehen und diese wiederum als Christentum verpackt, der Menschen unter Zwang um deren Hals umbindet.

Leugnen und Verschweigen

Daraus folgt das zweite grundsätzliche Problem, dass die römische Kirche das Blutopfer Jesu Christi zur Sündenvergebung leugnet, eine Erlösung des Menschen von den eigenen Taten (Werksgerechtigkeit) in Abhängigkeit stellt, Gottes Gesetze beiseitelegte und ein eigenes Regelwerk aufstellte und zudem auch das Wirken des Heiligen Geistes verschweigt. Wie es um Nicht-Christen und deren Verhalten bestellt ist, beschreibt Paulus, Römer 2,13-14:

denn vor Gott sind nicht die gerecht, welche das Gesetz hören, sondern die, welche das Gesetz befolgen, sollen gerechtfertigt werden. Wenn nämlich Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur aus tun, was das Gesetz verlangt, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst ein Gesetz,”

Wie kann das sein? Jesus Christus sagte es selbst, wie das funktionieren kann, bereits zu Moses für das Volk Israel und auch angekündigt an den Propheten Jeremia für das künftige Volk:
5. Mose 30,6:
Und der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, daß du den Herrn, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, damit du lebst.

Jeremia 31,33-34:
Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein;
Und dies auch wiederholt in Hebräer 8,10 sowie Hebräer 10,16.

Es ginge längst drunter und drüber

Weg Vernunft
Die Vernunft des Menschen führt ins Chaos

Das Gesetz Gottes, die Moralgesetze, sind in die Herzen der Menschen geschrieben. Nicht zu vergessen das Wirken des Heiligen Geistes, längst auch im Alten Testament, der die Menschen auf Fehler bzw. Sünden aufmerksam macht (Gewissen!). Wäre dies nicht der Fall, so könnte die Menschheit womöglich schon längst den gleichen Zerfall erreicht haben, wie dies vor der Sintflut war, bzw. auch danach in Regionen wie Sodom und Gomorrha, sowie es auch bei zahlreichen Heiden und ihre praktizierten Menschenopfer demonstriert wurden.

Zusammenfassend: Der Mensch in seiner gefallenen Natur ist von sich aus durch und durch unfähig, etwas Gutes zu tun, wäre dieser auf sich alleine gestellt. Also ohne von Gott ins Herz geschriebene Moralgesetze und auch ohne das Wirken des Heiligen Geistes. Wer von Jesus Christus noch nie etwas hörte, der ist, wie es Paulus klarstellte, sein eigenes Gesetz. Und Gott richtet gemäß dem Wissen des Menschen, aber auch danach, was hätte dieser wissen können, es aber ablehnte, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

“Göttlichkeit” des Menschen

In diesem Sinne hatte Calvin also recht. Was natürlich dem römisch-katholischen Verständnis völlig zuwiderläuft, da der Mensch nach deren Verständnis schließlich durch gute Taten, seiner Unterwerfung gegenüber der Kirche und ihre Sakramente das Heil erhalten könne. Notfalls würde der Überschuss an “bösen Taten” im Fegefeuer abgebrannt werden. Der “Werks-Überschuss” der “Heiligen” steht für den Verkauf von Ablässen zur Verfügung. Vorausgesetzt, der Priester habe dem Sünder bereits verziehen. Das verdeutlicht erneut, dass von der Kirche Roms das Blutopfer Jesu geleugnet wird.

Hinzu kommt, dass die Kirche Roms allen Ernstes lehrt, Jesus sei in diese Welt gekommen, um den Mensch zu vergöttlichen! Also den “göttlichen Funke” im Menschen wiederzubeleben. Eine Göttlichkeit könne in diesem Sinne natürlich keine vollständig gefallene Natur sein. So “nebenbei” ist diese Lehre identisch mit einer der drei Lügen der Schlange im Garten Eden (Info).

Was ist “Gut und Böse”?

Böse-Gut
Gutes ist Böses und Böses ist Gutes – Die satanische Umkehrung

Ein weiterer Grundsatz ist an dieser Stelle wichtig. Und zwar die Antwort darauf, was aus der Sicht der römisch-katholischen Kirche “Gut” und was “Böse” ist. Wenn der katholische Autor davon spricht, der Mensch könne nichts Gutes oder Böses tun, oder diese eben doch tun, dann ist es Voraussetzung zu wissen, welcher Maßstab angesetzt wird, um Gut und Böse voneinander unterscheiden zu können. Wer definierte diesen Maßstab, setzte diesen fest, und wo kann es nachgelesen werden?

Hierzu ist das Evangelium wieder klar und deutlich, und auch einfach zu verstehen. Wer den Willen Gottes tut, ist “gut”, wer nicht, ist “nicht gut”, oder eben “böse”. Gerechtigkeit erfordert klare Richtlinien bzw. Gesetze. Auch die gibt es, und zwar die echten(!) 10 Gebote (Info). Diese stehen in 2. Moses 20 und in 5. Moses 5.

Die Übertretung eines dieser Gebote ist die Sünde und damit per Definition das Böse. 1. Johannes 3,4:
Jeder, der die Sünde tut, der tut auch die Gesetzlosigkeit; und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.
und
1. Johannes 3,8:
Wer die Sünde tut, der ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist der Sohn Gottes erschienen, daß er die Werke des Teufels zerstöre.

Dazu auch 1. Johannes 2,4:
Wer sagt: »Ich habe ihn erkannt«, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht.

Jesus sagte klipp & klar: “Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote!” (Johannes 14,15).

Kirche Roms hat eigene Regeln

Da die Kirche Roms schon zu ihrer Gründerzeit das Gesetz Gottes in die Hand nahm, diese einfach veränderte und die eigenen Traditionen darüber stülpte, ist alleine aus diesem Gesichtspunkt heraus eine deutliche Verzerrung des Maßstabes Gottes erkennbar. Dies verdeutlicht sich zudem an den römisch-katholischen “7 Todsünden“, wo doch das Gesetz Gottes 10 Gebote enthält und die Übertretung auch nur eines einzigen dieser 10(!) Gebote zum Tode führt (Jakobus 2,10-11).

Wie man die Gebote Gottes und die Tradition der Kirche Roms auch immer gegenseitig aufwiegen wollte, 10 minus 7 ergibt auch ohne genaue Betrachtung der Details ein Defizit von 3 Geboten, die gemäß katholischer Kirche sichtlich nicht so schlimm seien, also “lässliche Sünden”. Fatal!

Zu den wichtigsten Änderungen des Gesetzes Gottes zählt das Vierte Gebot (Sabbat, 7ter Wochentag – Info) und die Verschmelzung des Zweiten Gebotes mit der Ersten Gebot, wobei das Verbot, Bildnisse zu verehren, weitgehend verschwiegen wird. Zwar ist das Zweite Gebot als Bestandteil des Ersten Gebotes im Katechismus zu finden, wird aber bei der Aufzählung der einzelnen zehn Gebote niemals gelehrt.

Im Prinzip ist (fast) alles abzulehnen

Mary - Jesus
Sinnbild katholischer Dogmen

Diese katholische Lehre hat allenfalls Schnittmengen mit dem hellenistischen Naturrecht, in Form des Humanismus, aber keinerlei Berührungspunkte mit dem Evangelium. Das gilt für deren Erlösungslehre, deren Sakramente, deren Gesetze, deren Werksgerechtigkeit, deren Marienkult, deren Heiligenverehrung (-anbetung), etc. usw. So ziemlich sämtliche heilsrelevanten Lehren des Evangeliums dreht die Kirche Roms ins Gegenteil um.

Auch in den weiteren Ausführungen des katholischen Autors fehlt jeglicher Hinweis darauf, dass Gott Seine Gesetze in die Herzen der Menschen schrieb und der Heilige Geist fleißig am Werk ist. Dieser steht nach katholischem Verständnis sogar störend im Wege. Denn Jesus Christus selbst kündigte die Ausgießung und das Wirken des Heiligen Geistes als Seinen Stellvertreter an (Johannes 16,7-11). Doch der Stellvertreter Christi auf Erden sei schließlich der Pontifex in Rom. Also “weg mit dem Heiligen Geist”.

Fehlen derlei Hintergrundinformationen, dann kann man den Menschen natürlich seine eigene Doktrin aufdrücken, und sollte diese noch so falsch sein. Aber derlei Täuschungen sind beim Papsttum “genetisch bedingt” (Info).

…und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und große Vollmacht.
Offenbarung 13,2

Bibelverse aus Schlachter 2000

Gefallener Mensch – John Calvin zu Unrecht kritisiert
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