Die römisch-katholische Welt feiert das 60-jährige der Pastoralkonstitution “Gaudium et Spes”. Ein offensichtlich hochgewichtiges päpstliches Schreiben zum Abschluss Vatikan II. Manifestierung des Naturrechts und Humanismus schon in den 1960-er Jahren.
Loyola-Club jubelt über Gaudium et Spes
Ein von der Kirche Roms, speziell vom Jesuitenorden zelebriertes 60-jähriges Jubliäum für ein Apostolisches Schreiben kann durchaus die tatsächliche Relevanz dieser päpstlichen Botschaft betonen. Die ziemlich unscheinbar daherkomende Pastoralkonstitution “Gaudium et Spes” (“Freude und Hoffnung”) vom 7. Dezember 1965, veröffentlicht von Papst Paul VI, liegt nun seit 60 Jahren zurück und kann als eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils betrachtet werden. Schwerpunkt dieses Schreibens liegt eindeutig in der auf Hellenismus (Naturrecht) basierenden römisch-katholischen Soziallehre (Info).

“Über die Kirche in der Welt von heute”, so die Teilzusammenfassung von Gaudium et Spes. Eine solche “Freude und Hoffnung” habe nach dem Lesen des Dokuments der jesuitische Theologe David Hollenbach SJ empfunden, wie er im Jahr 2005 zum 40-jährigen Jubiläum verkündete. Joseph Ratzinger, einst Präfekt der Glaubenskongregation (Inquisition) und später Papst Benedikt XVI hielt das Schreiben für das Gegenstück des “Syllabus Pius IX”, in Form eines Ausdrucks, dass die Kirche die moderne Welt nicht mehr als ihren Feind betrachte.
Die römische Kirche “freundete” sich somit mit den weltlichen Gepflogenheiten an, die sie über die vergangenen Jahrhunderte hinweg als schlecht und verdorben brandmarkte (Quelle).
Dreh- und Angelpunkt
Als “Dreh- und Angelpunkt” der pastoralen Botschaft bezeichnet der Autor des Jesuiten-Magazins “America – Jesuit Review” den Kanon 45:
“Gottes Wort, durch das alles geschaffen ist, ist selbst Fleisch geworden, um in vollkommenem Menschsein alle zu retten und das All zusammenzufassen. Der Herr ist das Ziel der menschlichen Geschichte, der Punkt, auf den hin alle Bestrebungen der Geschichte und der Kultur konvergieren, der Mittelpunkt der Menschheit, die Freude aller Herzen und die Erfüllung ihrer Sehnsüchte.”
In der Tat, bei insgesamt 92 Canons des Gaudium et Spes befindet sich “45” tatsächlich annähernd im Mittelpunkt. Wenn dies keine Anlehnung an das “geschasste” Vierte Gebot Gottes, das Sabbat-Gebot (7ter Tag) darstellte.
Gesellschaftliche Belange
Gaudium et Spes hebe die kirchliche Priorität hervor, die Sehnsüchte der Menschen zu befriedigen, so wie auch Jesus Christus in diese Welt gekommen sei, um den Menschen ein Licht der Hoffnung zu bereiten, dass Gott den Menschen auch zu seiner Vollendung bringen werde.

In diesem Gedanken sind gehörige Portionen des evolutionären Gedankens enthalten, als wenn die Entwicklung am Ende der Schöpfung (6ter Tag plus 1 Tag Sabbat – Info) noch nicht zum Abschluss gekommen sei. Eine solche Doktrin ist auch im römisch-katholischen Katechismus wiederzufinden. Kanon 302 beschreibt:
“Die Schöpfung hat ihre eigene Güte und Vollkommenheit. Sie ging jedoch aus den Händen des Schöpfers nicht ganz fertig hervor. Sie ist so geschaffen, daß sie noch „auf dem Weg“ [in statu viæ] zu einer erst zu erreichenden letzten Vollkommenheit ist, die Gott ihr zugedacht hat. Wir nennen die Fügungen, durch die Gott seine Schöpfung dieser Vollendung entgegenführt, die „göttliche Vorsehung“.
Evangelium lehrt etwas ganz Anderes
Was sagt das Evangelium über die Schöpfung Gottes? 1. Moses 1,25:
“Und Gott sah, daß es gut war.”
“Sehr gut” und nicht “ausbaufähig”.
Wenn wundert’s? Einige Päpste bezeichneten die Evolutionstheorie durchaus kompatibel mit dem biblischen Schöpfungsbericht, inkl. der Urknall-Hypothese. Diese Idee hatte Georges Lemaître, ein Jesuit, aufbauend auf den Entdeckungen des US-Astronomen Edwin Hubble. Es versteht sich von selbst, dass auch die Formulierung, “die Schöpfung zum Abschluss bringen”, durchaus zur Idee der Evolution, also die beständige Fortentwicklung, als kompatibel erscheine.
Glaubens-Pflicht, gefälligst
Was die Kirche lehrt, muss geglaubt werden. Eine nicht zu hinterfragende, schon gar nicht anzuzweifelnde Doktrin des “mystischen Körpers Christi” auf Erden. So steht es im Kirchengesetz, ansonsten riskierte man als devot zu verbleibender Katholik den Ausschluss (Exkommunikation), mit allen Konsequenzen, nicht erst ab Verurteilung, sondern bereits bei erhobenem Vorwurf.
Falls nicht ohnehin die automatische Exkommunikation eintritt, ohne dass diese Maßnahme separat ein Bischof abschließend entscheiden müsse. Der Delinquent müsse schon seine Unschuld beweisen. Ein sehr schweres Unterfangen, wenn man auf der Streckbank dazu gebracht werden soll, ein Geständnis abzugeben, welches den erhobenen Vorwurf der Inquisition rechtfertige.
Ein wahrhaft durch und durch diabolisches System.
Humanismus über Evangelium

Nicht gerade verwunderlich, dass das tatsächlich so wichtige Schreiben Gaudium et Spes ebenso wichtige Prinzipien der Kirche widerspiegelt. Dazu gehört eben auch das Naturrecht. Die in der Pastoralkonstitution enthaltenen Festlegungen (Philosophien) sind eigentlich ein demonstriertes, offenkundiges Beispiel, dass sich die Kirche Roms um das Evangelium nicht im Geringsten schert. So unterstellt das Papsttum selbst “ihrem” Schöpfergott eine Schöpfungs-Motivation gemäß hellenistischem Naturrecht.
Auszug aus Kanon 69:
“Darum soll der Mensch, der sich dieser Güter bedient, die äußeren Dinge, die er rechtmäßig besitzt, nicht nur als ihm persönlich zu eigen, sondern muß er sie zugleich auch als Gemeingut ansehen in dem Sinn, daß sie nicht ihm allein, sondern auch anderen von Nutzen sein können […] Wer aber sich in äußerster Notlage befindet, hat das Recht, vom Reichtum anderer das Benötigte an sich zu bringen.“
Durchaus schon Praxis
In anderen Worten: Auf dem Papier darf man gerne noch der Besitzer (ob Eigentümer?) sein, aber das eigene Gut dennoch der Allgemeinheit frei zur Verfügung stellen. Das muss sogar gewährleistet sein, denn der Bedürftige habe das Recht, sich das von ihm Benötigte an sich zu bringen. In der Praxis. Ein Grund- und Hausbesitzer, dessen “Eigentum” und Eintrag im Grundbuch gemäß deutschem Bürgerlichem Gesetzbuch ohnehin nur eine “gesetzliche Vermutung” ist (BGB 891), Wortlaut Absatz 1:
“Ist im Grundbuch für jemand ein Recht eingetragen, so wird vermutet, dass ihm das Recht zustehe“, darf sich nicht wehren, wenn ein Bedürftiger Teile dieses Besitzes an sich bringen will, oder ein freies Zimmer in Beschlag nimmt. Der Bedürftige habe das (Natur-)Recht dazu.
Derlei Charakter finden sich in der Praxis besonders in den Enteignungs-Fantasien so mancher ideologisch sozialistisch, gar kommunistisch orientierten Politiker wieder, besonders im Regierungsbezirk Berlin.
Glatter Bruch Gebote Gottes
Was sagt hierzu das Evangelium? 2. Moses 20,15:
“Du sollst nicht stehlen!”
und 2. Moses 20,17:
“Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten! Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, noch sein Rind, noch seinen Esel, noch irgend etwas, das dein Nächster hat!“
Eindeutig, dieses römisch-katholische Selbstverständnis ist ein glatter Bruch der zwei Gebote Gottes, mit aller Selbstverständlichkeit, Rechtfertigung, sogar als formulierte Doktrin des Papsttums eine gesetzgeberische Doktrin.
Wie ein roter Faden

Auszug Gaudium et Spes, Kanon 55:
“Immer mehr wächst in der ganzen Welt der Sinn für Autonomie und zugleich für Verantwortlichkeit, was ohne Zweifel für die geistige und sittliche Reifung der Menschheit von größter Bedeutung ist. […] So sind wir Zeugen der Geburt eines neuen Humanismus, in dem der Mensch sich vor allem von der Verantwortung für seine Brüder und die Geschichte her versteht.“
Der Ausdruck der hellenistischen Philosophie schlechthin, der Humanismus. Eine Ersatzreligion für Atheisten, in ihrer Natur schon dem Evangelium völlig entgegengesetzt. Diese Konstellation führt immer sichtbarer zu einer gewollten Synthese in Form eines neu formulierten, für alle Menschheit als kompatibel bezeichneter Welt-Ethos, die Theosophie (Info).
Man kann ungeniert aus dem Pastoralschreiben eine beliebige Satzung herausgreifen, allesamt präsentieren das charakterliche Anti-Evangelium der römisch-katholischen Kirche. Kein Wunder, dass hier vor allem die Jesuiten vor Glück und Jubiläums-Rausch das Jauchzen beginnen.
Arroganz und Zynismus

Bereits Kanon 1 als Einleitung präsentiert sich als eine Eigenpositionierung der Kirche in der Rolle als der Überbringer der rettenden Heilsbotschaft und dem Eimer voll Honig für das satte Umschmieren aller Münder, “Die engste Verbundenheit der Kirche mit der ganzen Menschheitsfamilie”:
“Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände. Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist. Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden.“
Die manifestierte Liebe Jesu
Die römische Institution beschreibt sich selbst in Kanon 3 als eine Einrichtung mit dem “Auftrag zum Dienst am Menschen”. Angesichts ihrer mit aller Macht und Maßnahmen angestrebte Wiedererlangung ihrer einstigen uneingeschränkten Herrschaft eine gehörige Portion Zynismus. Das drückt die Kirche auch in Kanon 76 aus, “Politische Gemeinschaft und Kirche”:
“Die Kirche aber, in der Liebe des Erlösers begründet, trägt dazu bei, daß sich innerhalb der Grenzen einer Nation und im Verhältnis zwischen den Völkern Gerechtigkeit und Liebe entfalten. Indem sie nämlich die Wahrheit des Evangeliums verkündet und alle Bereiche menschlichen Handelns durch ihre Lehre und das Zeugnis der Christen erhellt, achtet und fördert sie auch die politische Freiheit der Bürger und ihre Verantwortlichkeit.“
Die Abteilung Kirche des Papsttums, ihre Existenzbegründung liege somit in der “Liebe des Erlösers”, eifrig dabei, “die Wahrheit des Evangeliums” zu verkünden.
Da gibt es keine Rettung mehr

Das Fatale: Obwohl die “hohen Abteilung der Kleriker-Zunft” sich sehr bewusst sind, wem sie tatsächlich dienlich sind, glauben sie sich doch, das “gute Werk” zu verrichten. Denn welche Tyrannei hat jemals Terror verübt, mit der Absicht, alle Menschen genauso “böse” zu machen wie man selbst ist? Stets war die “gute Absicht” antreibendes Motiv. Den Heiligen Geist Gottes längst durch dauerhaftes Widerstreben für immer ausgeladen, nun bis unter die Decke gefüllt mit Dämonen und unreinen und verhassten Vögel (Offenbarung 18,2).
Ist dies einmal erreicht, gibt es auch kein Zurück mehr. Unrettbar irrlichternd. “Gefallen, gefallen ist Babylon…” so der Befund, unmittelbar vor der Einleitung des großen, abschließenden irdischen Gericht Gottes. Einschließlich mit der ebenso abschließenden letzten Warnung:
Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt! Denn ihre Sünden reichen bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht.
Offenbarung 18,4-5
Bibelverse aus Schlachter 2000
