Eine der vielfältigen Stilblüten von “elementaren, alttestamentaren Christen” ist die Forderung nach einem Strafmaß für Übertreter der Gesetze Gottes, wie diese dem alten Volk Israel galten. Auch der Ehebruch müsse “angemessen” beantwortet werden. Die damalige Antwort war jedoch die Steinigung. Wer solche Dinge fordert, übersieht Wesentliches und liegt nicht gerade auf der Linie des Evangeliums.
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10 Gebote beachten – Aber auch bestrafen?
Der deutliche Hinweis, dass die 10 Gebote Gottes unverändert zu beachten sind, ist die eine Sache. Eine andere Sache ist aber die Forderung, die Übertretung eines der Gebote Gottes im Hier und Jetzt zu ahnden. So manche Töne in Bezug zur Umsetzung der Gesetze Gottes und auch Strafverfolgung nehmen teils radikale Züge an. Dies sogar aus Reihen, von denen man es eigentlich nicht vermutet hätte.
Es gehört vor allem “zum guten Ton” vieler Evangelikalen in den USA, dass die Gesetze Gottes wenigstens in Teilen als staatliche Gesetze umzusetzen seien. Doch selbst wenn es tatsächlich die wahren 10 Gebote gemäß 2. Moses 20 bzw. 5. Moses 5 wären, ginge das eindeutig über die rote Linie hinaus. Zudem in den USA ein krasser Widerspruch zur eigenen Verfassung, die klar die strikte Trennung zwischen Kirche und Staat garantiert, bzw. garantieren sollte.
Fatal wäre es zudem, wenn staatliche Gesetze erlassen würden, die als Gebote Gottes deklariert sind, aber diese in Wahrheit gar nicht abgebildet werden. Das gilt ganz besonders für das Vierte Gebot (2. Moses 20,8-11) und dies betrifft das Gebot des zu beachtenden Sabbats, der 7te Tag der Woche (Info).
Forderungen nach Strafen gemäß Altes Testament

So sind nun auch Forderungen von jenen zu hören, die sich auf die Gesetze des alten Israels im Alten Testament beziehen. “Der Ehebruch müsse angemessen bestraft werden. Es ist eine Schande, dass die Gesellschaft diese Bestrafung nicht fordert”, so u.a. der Wortlaut. Ehebruch wurde im alten Israels mit dem Tod durch Steinigung bestraft, so “nebenbei erwähnt”.
Hier übersehen diese Apologeten, die das für das Israel des Alten Testamentes geltende Gesetz samt Strafmaß fordern, gleich zwei Dinge. Erstens handelte es sich um ein Gesetzeswerk für das Zusammenleben innerhalb des Volkes Israels, mit den Bestimmungen, um auch bei kleineren Vergehen angemessene Strafen auszusprechen bzw. auch Kompensationen für angerichtete Schäden zu regeln. Zweitens gibt es das Israel des Alten Testamentes nicht mehr. Der Geltungsbereich der Zivilgesetze ist damit erloschen und mit diesem auch die Gültigkeit des Gesetzes. Der Grund, warum “wir” heute nicht gemäß diesen Gesetzen recht sprechen, bzw. die drohenden Strafen exekutieren.
Außerdem ist der Zeitraum zwischen erste Hälfte des 6ten Jahrhunderts und dem Ende des 18ten Jahrhunderts der beste Beleg dafür, welch katastrophale Folgen das Erzwingen von (vermeintlichen) göttlichen Gesetzen für die Menschen haben kann. Die Tyrannei unter der römisch-katholischen Kirche ist in der Menschheitsgeschichte schließlich beispiellos.
“Aber wenn Diebstahl verfolgt wird, dann sollte Ehebruch ebenfalls strafrechtlich verfolgt werden”, so ein weiteres Argument. Durchaus ist es zulässig, Apfel mit Birnen zu vergleichen, aber kritisch wird es dann, wenn man Äpfel den Birnen gleichsetzen will. In der Tat enthält vermutlich ein jedes Land in dieser Welt ein Gesetz, welches Diebstahl verbietet und bei einem solchen Vergehen strafrechtlich verfolgt. Die Frage lautet aber, ob diese Gesetzgebung christlicher Natur ist, also eine Umsetzung des Gebotes Gottes darstellt, oder ob da etwas anderes dahinter steckt.
Evangelium oder eher Aristokratie?
Die Gesetzeswerke der (säkularen) Staaten sind schließlich nicht erst vor wenigen Jahren formuliert worden, sondern bereits historischer Natur. Ein Beispiel ist das Strafgesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland. Es stützt sich auf das Strafgesetzbuch des vorherigen Deutschen Reiches und dieses wiederum hatte das Strafgesetzbuch des Königreichs Preußen zum Vorbild. Und schon ist man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelangt. Demokratie mit jeweils getrennter Legislative, Exekutive und Judikative? Fehlanzeige. Wie es die Bezeichnung schon verrät, ein Königreich und damit eine Aristokratie.
Die Formulierung des Gesetzes gegen Diebstahl war daher kaum vom Evangelium angetrieben, als vielmehr vom Motiv, den Adel, den Hochstand, die Vermögenden, vor dem allgemeinen Fußvolk, dem “Mob” zu schützen. Dies dürfte auch ein Grund dafür sein, warum der “Tatbestand Ehebruch” nicht im Strafgesetzbuch gelandet ist, denn dann hätte man sich, mal salopp formuliert, das eigene Vergnügen beschnitten.
Eckpunkte zum deutschen Strafrecht
Das jeweilige mögliche Strafmaß für Vermögensdelikte und dem gegenüber für Schädigung von Personen sieht mindestens “gleichwertig” aus. Hervorstechend sind Vermögensdelikt “Betrug” mit bis zu 10 Jahren Freiheitsentzug und Personendelikte wie Körperverletzung, Vergewaltigung und fahrlässige Tötung mit jeweils bis zu 5 Jahren Gefängnis. Schwerer Diebstahl, Einbruch, Raub und Hehlerei können jeweils mit bis zu 10 Jahren Gefängnis quittiert werden. Das jeweilige Strafmaß “bis zu” liegt im Erwägen des Richters unter Berücksichtigung des einzelnen Falles und den Umständen. So lässt das Strafrecht dem Richter auch den (theoretischen) Spielraum zu, dass das Niederschlagen eines Polizisten zu einem geringeren Strafmaß führt als die Beschädigung des Polizeifahrzeugs.
Entstehungszeit, Ort der Entstehung, Regierungsform und das “Übergewicht der höheren Strafen” zugunsten der Vermögensdelikte weisen zumindest darauf hin, dass das Evangelium nicht als Vorlage diente.
Wenn schon, denn schon

Wer schon fordert, dass das Strafmaß für die Vergehen innerhalb des Volkes Israels im Alten Testament wieder angewendet werde, sollte auch berücksichtigen, dass alle 10 Gebote Gottes als ein “Gesamt-Paket” zu betrachten sind, denn Jakobus 2,10-11:
“Denn wer das ganze Gesetz hält, sich aber in einem verfehlt, der ist in allem schuldig geworden. Denn der, welcher gesagt hat: »Du sollst nicht ehebrechen!«, hat auch gesagt: »Du sollst nicht töten!« Wenn du nun zwar nicht die Ehe brichst, aber tötest, so bist du ein Übertreter des Gesetzes geworden.“
Das hat zur Folge, dass es überhaupt keine Diskussionen darüber gibt, warum der Dieb von lediglich wenigen Kleinigkeiten die gleiche Strafe erleiden muss, wie der Mörder. Beides ist jeweils die Sünde (1. Johannes 3,4) und der Lohn der Sünde ist der Tod (Römer 6,23). Diejenigen, die eine “angemessene” Strafe für Ehebruch fordern, im Alten Testament war es die Steinigung, der müsste eigentlich die gleiche “Angemessenheit” nach der Entwendung (Diebstahl) eines Kaugummis aus einem Laden einfordern.
So unterschiedlich schwer die Delikte Tötung und Diebstahl auch sind, beide sind jedoch gleich gewichtet in Anbetracht der tatsächlichen Rebellion gegen Gottes Gesetz und damit gegen Gott selbst.
Jesus Christus lebte die Praxis vor
Eine sehr bekannte Szene im Neuen Testament ist die Frau, welche gerade beim Ehebruch erwischt und von den Pharisäern zu Jesus Christus geschleppt wurde. Das Urteil der Pharisäer war vorweg klar, Steinigung. Aber sie wollten Jesus Christus eine Falle stellen. Seine Antwort ist mindestens ebenso bekannt, Johannes 8,7:
“Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie!“
Die Pharisäer zogen eingeknickt davon. Weitaus seltener erzählt wird jedoch die Fortsetzung dieser Szene und die darin getroffene Aussage von Jesus Christus, Johannes 8,10-11:
“Da richtete sich Jesus auf, und da er niemand sah als die Frau, sprach er zu ihr: Frau, wo sind jene, deine Ankläger? Hat dich niemand verurteilt? Sie sprach: Niemand, Herr! Jesus sprach zu ihr: So verurteile ich dich auch nicht. Geh hin und sündige nicht mehr!“
Jesus Christus hat ihr diese Sünde verziehen UND ermahnte sie dazu, NICHT MEHR ZU SÜNDIGEN, sprich das Gesetz zu übertreten.
Weitere Diskrepanzen
Noch etwas sehr Wichtiges übersehen die Apologeten des alttestamentarischen Strafmaßes. Der Herr spricht nämlich in 5. Mose 32,35:
“Mein ist die Rache und die Vergeltung, zu der Zeit, da ihr Fuß wanken wird; denn die Zeit ihres Verderbens ist nahe, und ihr Verhängnis eilt herbei.“
Hinzu kommt, dass Jesus Christus Seine Apostel dazu aufforderte, in die Welt hinauszuziehen, um das Evangelium zu verkünden und NICHT um die Gesetze samt Strafmaß des alten Israels überall einzuführen, zu beaufsichtigen, zu richten und zu exekutieren. Wie Gott beim Wort genommen werden kann, dass die “Rache Seine” ist, erkennt man durchaus an der letzten der 7 Plagen, welche auf die gesetzlose Menschheit buchstäblich fallen wird. In Offenbarung 16,21 ist es beschrieben:
“Und ein großer Hagel mit zentnerschweren Steinen kam aus dem Himmel auf die Menschen herab, und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, weil seine Plage sehr groß war.“
Ein Steinhagel fällt zum Abschluss der letzten Plage auf die Menschheit herab. Sieht das nicht nach einer Steinigung gemäß dem Strafmaß des Alten Testamentes aus?
Ergo: Wer einen Mitmenschen sündigen sieht, sollte diesen unbedingt auf die Sünde und die drohenden Folgen hinweisen. Völlig unabhängig davon, um wem es sich handelt und in welcher Position sich dieser befindet. Denn das “Ansehen der Person ist eine Sünde” (Jakobus 2,1;9). Das betrifft auch den Ehebruch. Die Hand gegen diesen erheben? Keinesfalls, denn “wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein” und “die Rache ist mein”, spricht der Herr. Und so wird es auch geschehen. Was das Strafrecht eines jeweiligen Landes betrifft, so gilt klar Römer 13,1-2 und Kolosser 1,16-17.
Zusammenfassung:
- Das Zivilgesetz für das alte Israel ist mit der Auflösung des alten Israels erloschen (Lukas 13,34, Matthäus 23,38)
- Gläubige haben die Aufgabe, das Evangelium zu verkündigen und auf Sünden hinzuweisen (Matthäus 28,19, Jakobus 2,1)
- Es gibt keinen Auftrag, einen “Gottesstaat” zu errichten und ist auch nicht im Sinn Jesu Christi (“mein Königreich ist nicht von dieser Welt”, Johannes 18,36)
- Jesus Christus richtet, nicht der Mensch (Johannes 5,27)
- Die “Rache ist mein”, so der Herr, und niemanden anderes (5. Moses 32,25)
Bibelverse aus Schlachter 2000







