Olli Dürr Gesell. Entwicklungen Fantasiereiche Perspektive für Rechtfertigung Sabbat-Verlegung

Fantasiereiche Perspektive für Rechtfertigung Sabbat-Verlegung

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Eines der zur Missinterpretation beliebtesten Stellen der Bibel betrifft das Zupfen von Ähren am Sabbat. Damit habe Jesus Christus den Sabbat aufgehoben, so eine Auslegung. Ein katholisches Magazin formt daraus eine völlig neue Perspektive zur Rechtfertigung der traditionellen Sonntags-Beachtung.

Eigene Fiktionen als Fakten verkaufen

Ein sehr eindrucksvolles Beispiel, wie die Aussagen der Bibel durch das nahtlose Hinzufügen eigener Interpretationen in die gewünschte Richtung gebracht werden können, zeigt das katholische US-Magazin „Catholic Answers“. Eigentlich kann diese Vorlage auch als eine Blaupause für die Vorgehensweise zu völlig anderen Themen gelten, zu denen die Massen in eine gewünschte Richtung mit vorgefertigter Meinung bewegt werden sollen.

Das „verbotene“ Zupfen von Ähren

Einkorn Weizen

Ähren zupfen war Stein des Anstoßes

Wohl bewusst provokativ titelt das Magazin „Jesus Christus, Gesetzesbrecher“ (Quelle). Es handelt sich, wie auch zu erwarten war, um den „Gesetzesbruch des Sabbats“. Im Markus-Evangelium steht der „berühmt-berüchtigte“ Bericht über den Sparziergang Jesu Christi mit einigen Seiner Jünger an einem Sabbat (fällt heute auf jeden Samstag – Info). Bei dieser Gelegenheit begannen Seine Begleiter von den Feldern einige Ähren zu zupfen. Sie hatten Hunger (Markus 2,23-28).

Sie wurden dabei von einigen anwesenden Pharisäern (Gesetzeslehrer) beobachtet. Diese legten umgehend Protest ein, da das Zupfen von Ähren an einem Sabbat streng untersagt sei. Jesus Christus winkte jedoch ab. Er klärte die Pharisäer darüber auf, dass David in seiner Notlage („er litt an Mangel“) zusammen mit seinen Mitstreitern in das derzeit vom Hohepriester Ajatar behütete Haus Gottes ging, um die dort ausgelegten Schaubrote zu essen. Eigentlich dürfen diese Brote nur von den Priestern gegessen werden. „Der Sabbat wurde um des Menschen willen geschaffen, nicht der Mensch um des Sabbats willen„, so Jesus Christus zur Antwort. In diesem Zusammenhang fiel auch der markante letzte Satz Jesu Christi (Vers 28):
Also ist der Sohn des Menschen Herr auch über den Sabbat.

Damit wäre zu dieser Handlung auch schon der gesamte Inhalt der biblischen Aussage dargelegt.

Zu Ausschmückungen motiviert

Offensichtlich scheint die finale Aussage Jesu manchen „Bibelwissenschaftlern“ nicht ausreichend zu sein. Sie dichteten eine weitere Aussage hinzu. So lautet der Vers 28 in der „Gute Nachrichten Bibel“:
Also ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat; er hat zu bestimmen, was an diesem Tag getan werden darf„. Wenn dieser Zusatz als ein Kommentar in der Fußnote durchgeführt worden wäre, dann ließe sich darüber durchaus eine Debatte führen. Aber hier steht diese Fantasieaussage im Vers und wird Jesus Christus in den Mund gelegt. Doch gesagt hat Er dies nicht. Bewusste Irreführung.

Dem katholischen Magazin scheinen die Aussagen ebenfalls etwas „zu mager“ auszufallen, denn mit der Kenntnis der Hintergründe rund um das „Gesetzes-Leben“ der Pharisäer sind die wenigen Zeilen durchaus einfach einzuordnen.

Etwas Hintergrund-Infos

Lautsprecher

Die damaligen Umstände

Der Sabbat war selbstverständlich und wurde auch nie infrage gestellt. Auch wusste ein jeder Hebräer, dass Gott selbst den Sabbat am siebten Tag der Schöpfung einführte. Dies stellt das Magazin auch völlig korrekt heraus. Ebenso richtig ist die Darstellung, dass die Priester „eigentlich“ den Sabbat brachen, indem sie die Schaubrote an einem Sabbat austauschten. Die alten wurden gegessen und neue Schaubrote ausgestellt. David selbst konnte nie Priester sein, da er aus dem Stamm Juda kommt. Die Priesterschaft ist ein Monopol des Stammes Levi. Niemand, auch die Pharisäer nicht, hatten ein Problem damit, dass David dies zu seiner Zeit tat. Nun beansprucht Jesus Christus für sich dieses „neue außerordentliche Priestertum“, wie es einst David für sich beanspruchte. Allerdings war die jetzt von Jesus Christus beanspruchte „Herrschaft über den Sabbat“ ein ganz anderes Kaliber.

Eine völlig neue Perspektive

An dieser Stelle beginnt das Magazin schon die ersten Eigenkreationen zu entwickeln. Jesus Christus habe mit diesem Satz zum Ausdruck gebracht, dass er mit dem Sabbat machen könne, was er wolle, mit oder ohne die Erlaubnis der Pharisäer. Damit liegt das katholische Magazin auf gleicher Ebene wie so manche Bibelausgaben mit dem angehängten Fantasie-Text in Vers 28. Doch das Magazin legt noch nach.

Jesus Christus verdeutlichte demnach, dass er sich nur dafür entscheiden müsse, um die Beschränkungen des Sabbats einzuhalten, aber nicht, weil das Einhalten des Sabbats jemanden zu einem besseren Menschen mache, oder weil das Brechen des Sabbats eine Sünde sei. Für Jesus Christus sei das Verhalten am Sabbat angebracht gewesen.

Auch wollte Jesus damit ausdrücken, dass das Gesetz Mose für ihn jetzt nicht gelte und auch nie gegolten habe. Davon könne er seinen Dienern einen Anteil geben, auch wenn er den Sabbat sogar vollständig aufheben werde, wenn er nur wollte. So, dass der Sabbat in seiner ursprünglichen Form für niemand mehr gelte, nicht einmal für die Juden, wenn Jesus dies nur wollte. Genau dies wollte Jesus mit „Herr des Sabbats“ ausdrücken, so das Magazin.

Versuchte Rechtfertigung für Sabbat-Abschaffung

Als wenn ein katholisches Team nach diesem Vorfall mit Jesus Christus ein persönliches Gespräch geführt hätten, um so Seine Motive in Erfahrung zu bringen. Da dies aber nicht stattfand, bleibt diese Interpretation eben das, was sie tatsächlich ist. Das Resultat fantasiereicher Dichtungen für die Rechtfertigung zur eigenmächtigen Verlegung des biblischen Sabbats auf die bis heute praktizierte Sonntags-Heiligung. Schließlich gibt diese Kirche die eigenhändige Einführung der Sonntags-Beachtung auch offenherzig zu (Info).

Das Gegenteil lässt sich belegen

Nichts von diesen vom Magazin kreierten Aussagen, über die vermeintlichen Motive Jesu, ist in den Zeilen von Markus enthalten, und ebenso wenig lässt sich anhand anderer Stellen des Evangeliums belegen. Belegen lässt sich dagegen, dass Jesus Christus die enorme Anzahl von Gesetzen anprangerte und auch ignorierte, die einzig von den Pharisäern in die Welt gesetzt wurden. Die Pharisäer hatten es längst zur Tradition, nicht die Gesetze Gottes zu lehren, geschweige auch selbst einzuhalten, sondern eigene Gesetze zu formulieren und diese unter Androhung von Sanktionen durchzusetzen.

Jesus Christus prangert Pharisäer an

Eine markante Stelle ist Markus 7,6-9:
Er [Jesus Christus] aber antwortete und sprach zu ihnen [Pharisäer]: Trefflich hat Jesaja von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: »Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, doch ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich aber verehren sie mich, weil sie Lehren vortragen, die Menschengebote sind. «Denn ihr verlaßt das Gebot Gottes und haltet die Überlieferung der Menschen ein, Waschungen von Krügen und Bechern; und viele andere ähnliche Dinge tut ihr. Und er sprach zu ihnen: Trefflich verwerft ihr das Gebot Gottes, um eure Überlieferung festzuhalten.

Eine weitere entsprechende Standpauke gegen die Gesetzeslehrer und Schriftgelehrten hielt Jesus Christus gemäß Lukas 11,45-47,52:
Da antwortete einer der Gesetzesgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du auch uns! 46 Er aber sprach: Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr ladet den Menschen unerträgliche Bürden auf, und ihr selbst rührt die Bürden nicht mit einem Finger an. 47 Wehe euch, daß ihr die Grabmäler der Propheten baut! Eure Väter aber haben sie getötet.“
„Wehe euch Gesetzesgelehrten, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen! Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, welche hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert!

Damit ergibt sich ohnehin eine wichtige Schlussfolgerung. Der biblische Sabbat ist bis heute gültig (Info). Allerdings gemäß den Regeln in 2. Moses 20, 8-11 und nicht gemäß irgendwelcher anderer Vorschriftswerken.

Wie umfangreich so ein Regelwerk der menschengemachten Gesetze rund um den Sabbat aussehen kann, zeigt die sog. „Mischna“ aus dem Babylonischen Talmud (Quelle). Eines dieser zahllosen Regeln lautet wie folgt:
Noch eine andere Regel hat man festgestellt: Wenn man irgend etwas, das sich zur Aufbewahrung eignet und in der Quantität gewöhnlich aufbewahrt wird, am Schabbat hinausträgt, ist man ein Sündopfer schuldig. Wenn es sich aber zum Aufbewahren nicht eignet, oder in der Quantität nicht aufbewahrt wird, so ist nur derjenige schuldig, der es aufbewahrt

Katholisches Magazin im luftleeren Raum

Rom Wolf Skulptur

Römische Sagen und Legenden

Jesus Christus hat mit dem Zupfen der Ähren den Sabbat definitiv nicht gebrochen. Er hat lediglich eines der Regeln der Pharisäer ignoriert (mehr Infos).

Daher erübrigt sich auch die seltsame Interpretation des katholischen Magazins, denn sie basiert auf Luft und läuft dadurch völlig ins Leere. Da hilft auch nicht der im Beitrag angesetzte Bezug zum römisch-katholischen Katechismus. Im Gegenteil. Dies macht diese furchtbare Argumentationskette nur noch schlimmer, denn dieses Werk enthält auch die Lehren der Schlange als offizielle Doktrin (Info).

Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes, das er von seinem Sohn abgelegt hat.
1. Johannes 5,9

Bibelverse aus Schlachter 2000

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