Olli Dürr Gesell. Entwicklungen Einstellung zur Religion hat sich in Deutschland verändert

Einstellung zur Religion hat sich in Deutschland verändert

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Die Einstellung der Menschen in Deutschland zur Religion und vor allem anderen Religionen hat sich in den vergangenen 10 Jahren verändert. Weniger glauben an Gott, viele wollen Kirche verlassen und immer mehr sehen einen Sinn in einer „individuellen Spiritualität“.

Katholisches Magazin stellt „Angst“ voran

Die sogenannte „German Angst“, meistens aus der Rhetorik-Kiste gekramt, um in der Regel berechtigte Zweifeln an gesellschafts-politischen Veränderungen zu diskreditieren und die dahinter stehenden kritischen Menschen ins Lächerliche zu ziehen, ist wieder einmal bemüht worden. Nun haben viele Menschen in Deutschland gemäß einer vom katholischen Internetportal dargestellten Studie „Angst“ vor einer religiösen Vielfalt im Land.

Details zum Religionsmonitor 2023

Die Bertelsmann-Stiftung beauftragte im Rahmen des „Religionsmonitors 2023“ eine Infas-Umfrage über die Einstellung der Menschen zu Religionen.

Religionsvielfalt als „Bedrohung“

Finstere Wolken

Religionsvielfalt werde von immer mehr als Bedrohung empfunden

Demnach bezeichnen 34 Prozent der Befragten die Vielfältigkeit der Glaubensbekenntnisse als eine „Bedrohung“. Nur ein etwas kleinerer Anteil (29 Prozent) halten die Pluralisierung als eine „Bereicherung“. Der sog. „Rest“ mit der relativen Mehrheit von 37 Prozent legte sich für keine der Beiden Wahlmöglichkeiten fest.

Löst man das Umfrageergebnis nach eigener Religionszugehörigkeit des Befragten auf, zeigt sich ein Anteil von 34 Prozent der Angehörigen einer christlichen Gemeinde, die eine Religionsvielfalt in Deutschland als bedrohlich empfindet. Bei den Muslimen liegt der Anteil bei 20 Prozent. 61 Prozent sind es bei Hindus. Befragte ohne Religionszugehörigkeit waren anteilig zu 38 Prozent der gleichen Ansicht.

Nebenbei erwähnt: Etwas als „bedrohlich“ zu bezeichnen ist nicht gleich „Angst“.

Noch offen für Religionen

Gegenüber der Umfrage im Jahr 2013 hat sich die Einstellung der Menschen sichtlich geändert. Vor 10 Jahren waren noch 89 Prozent der Befragten der Ansicht, man solle gegenüber sämtlichen Religionen offen sein. In der aktuellen Umfrage waren nur noch 80 Prozent dieser Meinung. Vor 10 Jahren stimmten 72 Prozent der befragten Menschen zu, dass eine jegliche Religion einen wahren Kern besitze. Bei der Umfrage zum „Religionsmonitor 2023“ lag der Anteil bei 59 Prozent.

Obwohl das Verhältnis der Meinungen zwischen „Bedrohung“, „Bereicherung“ und Neutralität jeweils grob ein Drittel einnimmt, schätzen 93 Prozent der Befragten die Religionsfreiheit als sehr hoch ein.

Etwas mehr als die Mehrheit (59 Prozent) der Befragten halten gemäß der Umfrage jegliche Religion für nicht mehr in unsere Zeit passend.

Rund 50 % sind Christen

Im Bundesgebiet leben nach Auswertung der Studie 50 Prozent Christen und fast 36 Prozent gehören keiner Religionsgemeinschaft an. Die Muslimen nehmen demnach einen Anteil von 8,5 Prozent ein. Hinzu kommen jeweils kleinere Gruppen von Buddhisten, Juden und Hindus (0,3 Prozent). Unter den sich als Christen bekennenden Menschen in größeren Kirchen waren 34,7 Prozent evangelisch, 44,6 Prozent katholisch und 3,7 Prozent orthodox in den jeweilig unterschiedlichen Gruppierungen. Zu den Pfingstlern und evangelikalen kleinen Gemeinden (Freikirchen) zählten unter den Christen 2,3 Prozent.

Skepsis bei konkreter Konfrontation

Solange es sich um „abstrakte Prinzipien des Glaubensbekenntnisses, der Bekenntnisfreiheit und der Freiheit zur Religionsausübung handelt, ist die Zustimmung für Religionsfreiheit sehr hoch. „Der gesellschaftliche Konsens löst sich auf, wenn es um die Haltung gegenüber unterschiedlichen religiösen Wahrheiten als auch um die Einschätzung der Relevanz von Religionen für die Moderne geht“, so die Studien-Autorin Yasemin El-Menouar.

Hohe Bereitschaft für Kirchenaustritt

Kirche von innen

Immer mehr Christen wollen ihre Kirche verlassen

Das was das katholische Internetportal in ihrem Bericht nicht erwähnte, ist die hohe Bereitschaft der Menschen, ihre Kirche zu verlassen. Die Bindung der Menschen an die Kirchen nehme ab, so ein Resümee dieser Studie. Ganz besonders ausgeprägt sei dies bei der katholischen Kirche. Rund ein Viertel aller Befragten denkt darüber nach, der Kirche den Rücken zu kehren. Bei den Katholiken 66 Prozent und bei den Evangelikalen 33 Prozent.

Weniger Vertrauen in die Kirchen

Kirchen verlieren an gesellschaftlicher Relevanz, so eine Feststellung der Studie. Dies habe mehrere Gründe. Einmal liege eine zunehmende Individualisierung vor, „durch die traditionelle kirchliche Formen der Religiosität durch privatere Formen der Spiritualität ersetzt werden“, so El-Menouar. Ein weiterer Grund sei die ansteigende Vielfalt der Menschen nach ihrem kulturellen Hintergrund infolge der Einwanderung. Hinzu komme auch die zunehmende kritische Sicht zahlreicher Mitglieder auf die Kirche.

Spiritualität

Kirchenersatz durch ‚individuelle Spiritualität‘

Rund 80 Prozent der Kirchenmitglieder, die einen Kirchenaustritt planen, sagten, dass sie in religiöse Institutionen das Vertrauen verloren haben. In der katholischen Kirche liegt hier vermutlich der Hauptgrund bei den Missbrauchsskandalen und die geringe Bereitschaft für Reformen der römischen Kurie vor.

Zu hohe gesellschaftliche Dominanz der Kirchen

Die meisten Kirchenmitglieder mit Austrittsabsichten kritisierten zudem eine zu hohe gesellschaftliche Dominanz ihrer Kirche. 71 Prozent in dieser Gruppe sind der Ansicht, die Kirchen besäßen zu viel Macht. 68 Prozent bezeichnen kirchliche Privilegien in einer multireligiösen Gesellschaft als ungerecht.

Der Austritt aus der Kirche ist jedoch nur im Ausnahmefall auch mit einem Ablassen von der Religiosität verbunden. 92 Prozent der Austrittswilligen stimmten der Aussage zu, dass „man auch ohne Kirche Christ sein“ könne. Dieser Meinung schlossen sich auch 84 Prozent derjenigen an, die (noch) keinen Kirchenaustritt planen.

Weniger Menschen glauben überhaupt an Gott

Auch der deutliche Rückgang bei der Anzahl der Menschen, die überhaupt noch an einen Gott glauben, ist im Bericht des katholischen Portals nicht angesprochen. Demnach wagten vor 10 Jahren noch fast die Hälft aus, sehr oder „ziemlich stark“ an Gott zu glauben. Bei der aktuellen Umfrage lag der Anteil bei nur noch 38 Prozent. Rund jeder Vierte glaubt überhaupt nicht an Gott. Die Säkularisierung in Deutschland schreite gesamtgesellschaftlich fort.

Unwillkommen ist diese Entwicklung nicht

Unterm Strich verbinden immer weniger Menschen das Christentum automatisch mit der Kirche. Gleichzeitig verbinden immer mehr Menschen die Religiosität nicht automatisch mit dem Christentum. Der Kommentar der Studien-Autorin, die kirchliche Religiosität werde mit individuellen Formen der Spiritualität ersetzt, hat es genauer auf den Punkt gebracht, als sie es womöglich dachte.

Spiritualität bereitet mit Natur-Religion

Diese individuelle, aber dennoch sehr flexible Spiritualität lässt sich wunderbar verbinden mit den bereits in Hochgeschwindigkeit laufenden Bestrebungen, die Natur und deren Schutzbedürftigkeit ins Spiel zu bringen. Der Naturschutz als „heilige Pflicht der Menschheit“ für die Bewahrung der Schöpfung. Der Tenor hierfür ist nicht mehr zu überhören und zu übersehen. Der Schwenk der Kirchen in diese Richtung, insbesondere die der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD), ist längst vollzogen und es geht mit Vollgas voraus.

Es läuft wohl doch alles nach Plan

Naturschutz-Religion

Die ’neue Religion für alle‘ wird eine Art anbetungswürdige Natur sein

Vom Regen in die Traufe. Wie auch immer dieser Pantheismus oder auch Panentheismus gestaltet sein wird, mit Gottes Satzungen gemäß des Evangeliums hat dies alles nichts mehr zu tun. Eine ungefähre Vision wurde der Menschheit bereits mit der Verfilmung von „Laudato si'“ bereits vorgestellt. „Die Frau reitet auf dem Tier“, so in Offenbarung 17, und die Könige der Erde werden ihr willig zu Füßen liegen, ebenso wie die große Mehrheit der Menschen „verwundert“ nachläuft (Offenbarung 13,3).

So wie sich die Dinge zur Religiosität der Menschen und deren Einstellung dazu entwickeln, läuft aus der Sicht dieser „Frau“ alles nach Plan.

„Und die Frau war gekleidet in Purpur und Scharlach und übergoldet mit Gold und Edelsteinen und Perlen; und sie hatte einen goldenen Becher in ihrer Hand, voll von Greueln und der Unreinheit ihrer Unzucht“
Offenbarung 17,4

Bibelverse aus Schlachter 2000

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