Olli Dürr Gesell. Entwicklungen Ehe auf dem Prüfstand – Ethiker versuchts mit Theologie

Ehe auf dem Prüfstand – Ethiker versuchts mit Theologie

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Die Ehe soll auf den Prüfstand. Eine bekennende Feministin fordert die Abschaffung der klassischen Ehe zwischen Mann und Frau. Die Ehe fördere lediglich die Benachteiligung von Frauen. Ein evangelischer Ethiker versucht, zu diesem Thema seine Weltanschauung und auch biblische Antworten unterzubringen.

Ein evangelischer Ethiker erklärt

Die evangelische Kirche macht sich den Kopf über die inzwischen in der Diskussion stehende Ehe. Soll die Ehe in ihrer offiziellen Form abgeschafft oder beibehalten werden? Gäbe es vielleicht einen zufriedenstellenden Kompromiss? An diese Frage arbeitete sich der evangelische Ethik-Kolumnist Alexander Maßmann ab. Gemäß Beschreibung promovierte Maßmann an der Universität Heidelberg im Gebiet der evangelischen Ethik und Dogmatik. Er publizierte in den Gebieten theologische Ethik, Theologie und Naturwissenschaften.

In einer Kolumne für das Online-Magazin evangelisch.de stellte der Ethiker die möglichen Antworten für die Zukunft der Ehe gegenüber und versuchte, die ethischen Aspekte mit den Vorgaben des Evangeliums aufzuwiegen. Die Steilvorlage kam von der Politikwissenschaftlerin und Feministin Emilia Roig, die mit ihrem neuen Buch „Das Ende der Ehe“ für Aufsehen sorgte. Darin fordert die Autorin die Abschaffung sämtlicher Pflichten und Vorrechte, welche nach der Unterzeichnung der Heiratsurkunde zum Tragen kommen. Nach ihrer Ansicht sei die rechtliche Form der Ehe eine „Säule des Patriarchats“.

Ehefrauen müssen viele Nachteile erdulden

Feminismus

Den Feministen ist die klassische Ehe ein Gräuel

Maßmann zählt zu den daraus abgeleiteten konkreten Auswirkungen die Einkommenslücke, bei der verheiratete Frauen weniger verdienten als Männer und daher öfters von Altersarmut betroffen seien. Hinzu kämen noch mehr Fürsorge-Aufgaben und ganz besonders das Leid unter gewalttätigen Partnern. Die Ehe sei für viele Frauen eine Belastung.
Doch es gebe mit der „guten alten Familie“ keine andere Lebensform, die so sehr mit einem christlichen Leben verbunden sei. Aus traditioneller Sicht sei die Ehe auch ein Instrument um eine spätere Altersarmut möglichst zu vermeiden.
Setzen wir hier einfach mal voraus, dass der Ethiker die Lohnlücke meint, welche bei gleicher Arbeit, gleicher Qualifikation und gleicher Erwerbshistorie offen steht und nicht die von Populisten bereits abgenutzte „Wald-und-Wiesen-“ Lohnlücke über das undifferenzierte Gesamtbild hinweg. Eine Altersarmut, so zeigt es die Realität, ließe sich kaum mehr verhindern, egal ob verheiratet oder als Single. Gäbe es nicht die Grundsicherung im Alter, würden längst wieder die Kinder als Versorger ins Spiel kommen. Das ist auch sichtbar, wenn es um die Übernahme der Pflegekosten geht. Hier klopft das Sozialamt zuallererst bei den Kindern an.

Prävention Altersarmut beibehalten

Der Ethiker hinterfragt, ob es „aus ethischer Sicht“ nicht besser wäre, bei Beibehaltung der Verlässlichkeit und Treue nicht mehr rechtliche und kulturelle Regeln hoch zu halten, um damit einen wichtigen Faktor abzuschaffen, der „Gewalt und Altersarmut begünstig“.

Heute sei für Frauen die Erwerbstätigkeit eine sehr viel klarere Option als noch vor 50 Jahren, „als ihre Angewiesenheit auf den Mann weniger hinterfragt wurde“, so der Ethiker.

An diesem Punkt fragt man sich, in welcher Zeit und in welcher Gesellschaft der evangelische Ethiker eigentlich lebt. Es reicht lediglich der Blick auf die Entwicklung der Gehalts- und Preisentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte, um zu erkennen, dass es ein „klassischer“ Ehepartner-Haushalt schon fast nicht mehr über die Runden kommen kann, wenn es lediglich einen Erwerbstätigen im Haushalt gibt. Die klassische Familie aus einem erwerbstätigen Familienvater, die den Haushalt organisierende Mutter sowie zwei Kinder, womöglich noch in einem mit einer Hypothek belasteten Eigenheim ist schlicht und einfach nicht mehr möglich. Die Kampagnen rund um den Feminismus stehen ohnehin unter Verdacht, einen Deckmantel für die tatsächliche Generierung von mehr wertschöpfenden und auch gleich steuerzahlenden Individuen darzustellen.

Flexible Ehe im zementierten Umfeld?

„Weil die traditionelle Versorger-Ehe steuerlich begünstigt wird, sind Frauen wirtschaftlich und psychologisch mit einer höheren Hürde konfrontiert, wenn sie aus einem solchen Ehe-Gefängnis ausbrechen wollen. Als Gesellschaft geben wir dem Mann zu viel Macht über die Partnerin“, so der evangelisch Ethiker.
Warum wird eigentlich die Ehe in Frage gestellt und nicht das vom Staat geschaffene Umfeld für eine Ehe? Seien es Steuermodelle, Pflichten oder Privilegien. Diese scheinen in der Argumentation rund um die Ehe als zementiert zu gelten. Dabei sind derlei Regelung viel einfach zu modifizieren, als die seit Jahrtausenden geführte Ehe.

Der christliche Aspekt zur Ehe

Maßmann nahm auch die Bibel zur Hand, um daraus die Begründung einer Ehe abzuleiten. Diese Ehe sei aus Tradition wegen der Vermeidung von Altersarmut geschlossen worden. Die Kinder sind gemäß der Bibel und dem Fünften Gebot für die Versorgung der Eltern verantwortlich. Im Schöpfungsbericht in der Stelle 1. Mose 1 und 2 erschafft Gott den Menschen, „idealtypisch als Mann und Frau“, so der Ethiker. Im Schöpfungsbericht sei zwar nicht ausdrücklich die Rede von der Ehe, da es ohnehin kein „bibelhebräisches“ Wort für Ehe gebe, doch es erscheine selbstverständlich, dass Mann und Frau eine dauerhafte Bindung eingehen. Maßmann zitiert 1. Mose 2,24, indem der Mann seine Elter verlassen und sich dem Haushalt der Frau anschließen soll. Der Ehemann solle daher bei den Schwiegereltern einziehen.

Hier liegt der evangelische Ethiker doch etwas daneben. So lautet 1. Mose 2,24:
„Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein.“
Klar geht hervor, dass der Ehemann sein Elternhaus verlassen wird, um seiner Ehefrau anzuhängen. Wo steht hier etwas vom Haushalt samt Schwiegereltern? Dazu unmissverständlich und auch in der Bibel hervorgehoben, sie werden EIN Fleisch sein. Diese Aussage ist schon weit mehr als nur eine Annahme auf eine dauerhafte Bindung!

„Hebräische Bibel“ ein alter Hut?

Hochzeit

Die Ehe hat im Evangelium auch wichtigen geistlichen Aspekt

Der Ethiker setzt fort: „Demgegenüber setzt die Hebräische Bibel andernorts voraus, dass ein wohlhabender Mann auch mehrere Frauen haben kann, aber nicht umgekehrt. Für die Ehe mit Kindern spricht außerdem, dass man die Arbeitskraft der Kinder benötigt. Die Kindersterblichkeit ist allerdings hoch, und so werden Ehe und Familie rechtlich besonders geschützt.“
Eine Betonung liegt offensichtlich auf „Hebräische Bibel“, als wenn es auch andere Varianten gäbe. Oder will Maßmann damit andeuten, dass das Alte Testament für die heutige Christenheit lediglich ein historisches Nachschlagewerk für gelegentliche Impulse durch Rosinenpickerei bestimmter Verse und ohne Relevanz sei?
Es gäbe noch viele weitere „andernorts“ in der „Hebräischen Bibel“, die aufzeigen, dass die Viel-Ehe reicher Männer spätestens mit den 10 Steintafeln am Berg Sinai für das Volk Israel beendet wurde. Angezeigt durch das Siebte Gebot (Du sollst nicht ehebrechen!).

Evangelium nur bruchteilhaft berücksichtigt

Ein wirklich positiver Aspekt dieser Kolumne ist die Begrenzung der Geschlechter auf Mann und Frau. Doch deutlich geht hervor, Alexander Maßmann ist weitaus mehr Ethiker als Theologe. Das Prädikat „evangelisch“ ist dabei nur Kosmetik. Die Ehe hat neben der fleischlichen Beziehung zwischen Mann und Frau einen weitaus tiefgründigeren Hintergrund. Hier muss sich die evangelische Kirche eigentlich selbst kräftig an die Nase fassen.

Geistlichen Aspekt der Ehe völlig ignoriert

Ebenso wie Jesus Christus mit dem Neubau Seines Tempels in nur 3 Tagen einen geistlichen Tempel meinte, in dem Er selbst der Eckstein und das Volk Gottes die Bausteine sind, hat auch die Ehe einen derartig geistlichen Hintergrund.

Jesus Christus bezeichnet Sein Volk auch als Seine Braut und Er ist der Bräutigam. Derartige Aussagen sind bereits in der „Hebräischen“ Bibel zu lesen, so in Jesaja 62,5:

„Denn wie ein junger Mann sich mit einer Jungfrau vermählt, so werden deine Söhne sich mit dir vermählen; und wie sich ein Bräutigam an seiner Braut freut, so wird dein Gott sich an dir freuen.“

Jesus Christus erzählte gemäß Matthäus 25 ein Gleichnis, in dem 10 Jungfrauen auf den Bräutigam warten. Der Bräutigam ist Jesus Christus selbst und die Jungfrauen sind das Volk Gottes. Ein Teil davon hat genug Öl (Heiliger Geist, festen Glauben) und ein anderer Teil eben nicht.
Damit kündigte Jesus Christus die Situation nach Seiner Wiederkehr an, verdeutlicht in Offenbarung 21,9:

„Komm, ich will dir die Frau, die Braut des Lammes, zeigen!“

Paulus verdeutlichte den geistlichen Hintergrund der Ehe zwischen Mann und Frau in Epheser 5,31-32:

„»Deshalb wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein«.
Dieses Geheimnis ist groß; ich aber deute es auf Christus und auf die Gemeinde.“

Damit ist es klar. Paulus bediente sich dem Vers aus dem Schöpfungsbericht der „Hebräischen“ Bibel und bezog dies unmissverständlich im geistlichen Sinne auf Jesus Christus und Sein Volk.

EV-Kirchen sollten ihre Position mal wahrnehmen

Treue Gott gegenüber, oder eben „fremdgehen“ mit anderen Göttern oder Götzen. Im geistlichen Sinne Ehebruch und auch Hurerei. Genau an diesem Punkt sollte die evangelische Kirche einmal etwas Abstand nehmen, um so zu erkennen, an welcher Position sie sich eigentlich befindet.

Neutralität? Fehlanzeige!

Das Online-Magazin sah sich zu dieser Kolumne gleich dazu veranlasst, zum Thema Beibehaltung oder Abschaffung der Ehe eine Leserumfrage zu starten. Die Auswahlmöglichkeiten lauteten folgend:

  • Ja – das würde endlich eine echte Gleichberechtigung der Geschlechter bedeuten.
  • Kompromiss – einzelne Regeln müssen reformiert werden; die Institution Ehe selbst bleibt bestehen.
  • Nein – ohne Ehegatten-Splitting oder Witwenrente stünden viele Frauen klar schlechter da.

Die Fragestellung hierzu ist eine Selbst-Disqualifikation. Die Absicht, das Umfrageergebnis aus einer neutralen Position zu ermitteln, ist hier absolut nicht erkennbar.

Bibelverse aus Schlachter 2000

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