Das Buch des Henoch wird immer mehr als ein “eigentlicher” Bestandteil der Bibel gehandelt. Man habe es entfernt, um so die “Wahrheit zu unterdrücken” und den Menschen in Unwissenheit zu belassen. Es gibt nur einen Haken. Das Henochbuch war nie im Kanon der Bibel. Zudem enthält es Erzählungen, die, so wie es scheint, schon indirekt verfilmt wurden.
Inhalt / Content
Das Henochbuch – Mysteriöse Entwicklung
Wenn ein der Bibel zugerechnetes Buch immer mehr an Bedeutung gewinnt, dann ist es das ominöse “Buch des Henoch”, bzw. das “Henochbuch”. Dieses vermeintlich von Henoch hinterlassene Werk wiederum verhalf der sogenannten Äthiopischen Bibel zu einer höheren Bekanntheit. Denn die vollständige Äthiopische Bibel enthält nicht nur das Buch des Henoch, sondern insgesamt 125 Bücher, während die protestantische Bibel 66 und die römisch-katholische Bibel 73 Bücher enthält (Info).
Fünf Abschnitte bzw. fünf Bände
Das Buch des Henoch ist, je nach Ausgabe, als ein gesamtes Werk zu fünf Abschnitten verfügbar, oder in einzelnen 5 Bänden. Die Bezeichnungen der Bände suggerieren etwas Geheimnisvolles, Mystisches.
– Band 1: Das Buch der Wächter
– Band 2: Das Buch der Gleichnisse
– Band 3: Das Buch der Astronomie
– Band 4: Das Buch der Träume
– Band 5: Der Brief des Henoch
Die Entstehung des ersten Bandes des Henochbuches wird überwiegend in den Bereich des 2ten Jahrhunderts vor Christus gesehen. Der zweite Band sei im Laufe des 1ten Jahrhunderts vor Christus geschrieben worden. Die Entstehung des dritten Buches des Henochs wird wiederum im 2ten Jahrhundert vor Christus gesehen, ebenso wie das vierte Buch. Das fünfte Henochbuch sei wie Band 2 im 1ten Jahrhundert vor Christus entstanden.
Damit folgt das Buch des Henochs keiner Chronologie zu den Entstehungszeitpunkten der einzelnen Bänder, sondern wurde zu einem späteren Zeitpunkt in der heute üblichen Reihenfolge festgelegt.
“Unterdrückte Wahrheiten endlich offengelegt”

Interessant ist ganz besonders die Darstellung, dass die “ursprüngliche Bibel” viel mehr Bücher enthielt als die heutigen Bibelversionen und die fehlenden Bücher nur entnommen worden seien, weil den Menschen “wichtige Informationen” vorenthalten werden sollten. Hierbei werden diese Apologeten aber nie konkret, sondern belassen es dabei, dass “sie” oder “jene” die Bücher einfach entfernten. Aber wer sind “sie” oder “jene”? Aber egal, in den Kreisen, wo viel von “Erweckung” die Rede ist, werden solche Botschaften förmlich aufgesaugt, da man schließlich einer solchen “Verschwörung” auf die Schliche gekommen sei. Diese neue “Erkenntnis” wird sogleich völlig ungefiltert als die “entdeckte Wahrheit” gleichgesetzt.
In der Tat wurden einige Bücher aus dem Kanon entfernt. Konkret von den Reformatoren, welche die damals geläufige, aber den Klerikern vorbehaltenen römisch-katholischen Bibel nach Schlüssigkeit, Entstehungsgeschichte der einzelnen Bücher und auftuenden Widersprüchen durchforsten. So hatte “sogar” die erste King James Bibel (1611) noch Bücher enthalten, welche als Pseudoschriften bzw. Apokryphen gelten. Die Äthiopische Bibel, mit 125 Büchern, kann durchaus auch als ein Sammelsurium bezeichnet werden, das alle Bücher enthält, die “irgendwie, irgendwann und irgendwo” im Umlauf gewesen sind, bzw. aufgefunden wurden.
Das Buch des Henochs war jedoch zu keinem Zeitpunkt im Kanon enthalten, nicht einmal in der römisch-katholischen Variante. Somit kann der Vorwurf, das Henochbuch wurde von “jenen” einfach entfernt, gar nicht zutreffen. Es war schlicht und einfach nie dabei.
Die “Wiederentdeckung” des Henochbuches
Für viele Jahrhunderte war das Buch des Henoch überhaupt kein Thema. Das vollständige Buch, in 5 Bänden, gab es lange nicht. Erst nach gründlicher Vorarbeit, das Einsammeln einzelner Schriften und die jeweilige Zuordnung, war von einem “Buch Henoch” erst im Jahr 1773 die Rede. Der Schotte James Bruce nahm diese Schriftensammlung von einer Reise nach Äthiopien (damals Abessinien) mit nach Europa. Eine Ausführung landete in der Universität Oxford, ein weiteres Exemplar in der Nationalbibliothek Frankreich und das dritte Exemplar im Jahr 1773 in den Händen von Papst Clemens XIV. Jener Papst, der im selben Jahr den Jesuitenorden auflöste und in 1774 starb.
Im Jahr 1821 lag das Buch des Henoch in englischer Sprache vor, übersetzt von Richard Laurence, ein Engländer, jüdischer Herkunft. Auch das Buch des Henoch war nicht gefeit vor der Begutachtung durch historisch-kritische Bibelwissenschaftler, schaffte es aber durch das Wirken von Robert Henry Charles im Jahr 1906 auf den Rang einer “alttestamentlichen Apokryphe”. Damit war aber noch nicht Schluss. Weitere und vorgeblich genauere Übersetzungen kamen im Jahr 1981 (Italienisch) und im Jahr 1983 (Englisch) in den Umlauf. (Erst) seit dem Jahr 2011 gibt es eine umfangreiche Ausgabe mit entsprechenden Kommentaren.
Beispiele aus dem Buch des Henoch
Das Buch Henoch ist somit ein brandaktuelles Thema, erfährt eine zunehmende Promotion und damit leider auch einer anwachsenden Beliebtheit. Schließlich diene das Buch des Henoch der “Aufdeckung des bisher verborgenen und unter Verschluss gehaltenen Geheimnissen”. Grund genug, ein paar Aussagen des Henochbuches hervorzuheben.
Nephilim zeugende Engel

Buch des Henoch 6,1-2:
“Und als die Menschenkinder zahlreich geworden waren, da wurden ihnen in jenen Tagen schöne und liebliche Töchter geboren. Und es sahen sie die Engel, die Söhne der Himmel, und sie begehrten ihrer und sprachen untereinander: »Wohlan, wir wollen uns Weiber auswählen aus den Menschenkindern und uns Kinder erzeugen!«“
Buch des Henoch 7,1:
“(Diese) und die übrigen alle mit ihnen [und sie] nahmen sich Weiber, und ein jeder wählte sich eine aus, und sie fingen an zu ihnen hineinzugehen, und sie vermischten sich mit ihnen und lehrten sie Zaubermittel und Beschwörungen und zeigten ihnen das Schneiden der Wurzeln und Hölzer.“
Mit Kapitel 6,1-2 und 7,1 ist auch schon die Legende über die Nephilim bei der Hand. Vermeintliche Riesen, welche gemäß Erzählungen das Produkt aus Engeln und menschlichen Frauen darstellten. Die Bibel beschreibt durchaus die Existenz von Riesen (z.B. Goliath) und enthält auch das Wort Nephilim. Doch die umlaufende Definition, dass es sich um Mischwesen handeln solle, ist eine menschliche Idee. Himmlische Engel sind von Gott geschaffene Geisteswesen, nicht fleischlich.
Sie sind der Zeugung mit menschlichen Frauen gar nicht in der Lage. Außerdem erklärte Jesus Christus selbst, Matthäus 22,29-30:
“Aber Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irrt, weil ihr weder die Schriften noch die Kraft Gottes kennt. Denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie die Engel Gottes im Himmel.“
Verdrehung Ursprung der Sünde
Buch des Henoch 8,1:
“Und Azazel lehrte die Menschen Schwerter und Messer, Schilde und Brustpanzer verfertigen, und er zeigte ihnen was hinter ihnen war (r. die Metalle) und ihre Bearbeitung, und Armspangen und Schmucksachen, und die Kunst die Augen zu schwärzen und die Verschönerung der Augenbrauen, und das allerkostbarste und auserlesenste Gestein und allerlei Farbtinkturen und die Tauschmittel der Welt (?).“
Buch des Henoch 10,8:
“Und die ganze Erde ist verderbt worden durch die Lehre der Werke Azazels, Und ihm schreibe alle Sünde zu.“
Mit den Auszügen Kapitel 8,1 und 10,8 des Henochbuches handelt es sich um eine Verdrehung des Ursprungs der Sünde. Demnach war nicht der Mensch in Sünde gefallen und hat den Tod in dieser Welt verursacht, sondern ein Azazel. Dieser wird im Henochbuch vorgestellt als ein gefallener Engel (die sogenannten Wächter). Hinzu kommt der auf Evolution basierende Gedanke. Denn gemäß Henochbuch waren die Menschen noch in ihrer Entwicklungsphase, nicht in der Lage, einfachste Techniken zu entwickeln und auch anzuwenden, ja nicht einmal dazu fähig, die eigenen Gesichter zu bemalen, sondern diese seien vom “Lehrer” Azazel geschult worden. Die Menschen erhielten somit das “verbotene Wissen”.
Henoch-Version der gefallenen Engel

Insgesamt seien gemäß Buch des Henochs 200 Engel gefallen und auf der Erde angekommen (Kapitel 6,6-7) und die Namen deren Obersten werden folgend genannt:
“Semjaza, ihr Oberster, Arakib, Aramiel, Kokabiel, Tamiel, Ramiel, Daniel, Ezeqiel, Baraqiel, Asael, Armaros, Batariel, Ananiel, Zaqile, Sampsiel, Satariel, Turiel, Jomiel, Araziel.“
Die Bibel gibt hier aber ganz andere “Quantitäten” an. In Offenbarung 12,4 ist von einem Drittel aller Engel die Rede. Dieses Drittel wurde letztendlich zusammen mit Satan aus dem Himmel entfernt und auf die Erde geworfen (Offenbarung 12,9). Eine genaue Anzahl gibt die Bibel nicht preis, aber eine Veranschaulichung der Anzahl der Gott treu gebliebenen Engel, z.B. in Offenbarung 5,11:
“Und ich sah, und ich hörte eine Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die lebendigen Wesen und die Ältesten; und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend;“
Sicher eine symbolische Zahl, aber ebenso sicher weitaus mehr als 400, die zusammen mit den vermeintlich nur 200 gefallenen Engeln lediglich insgesamt 600 Engel ergäben. Denn wie könnte Jesus Christus von ganzen Legionen an Engeln sprechen, wenn doch nur noch 400 zur Verfügung stünden? Matthäus 26,53:
“Oder meinst du, ich könnte nicht jetzt meinen Vater bitten, und er würde mir mehr als zwölf Legionen Engel schicken?“
Gebundene, handlungsunfähige Dämonen
Buch des Henoch 10,4;12:
“Und weiter sprach der Herr zu Rafael (gewendet): »Binde den Azazel an Händen und Füssen und wirf ihn in die Finsternis und öffne die Wüste, die in Dudael ist, und werfe ihn hinein.“
“Und wenn all ihre Söhne sich gegenseitig erschlagen, und sie den Untergang ihrer Lieblinge gesehen haben werden, so binde sie für siebzig Geschlechter unter die Hügel der Erde bis auf den Tag ihres Gerichts und ihrer Vollendung, bis das Gericht für alle Ewigkeit vollzogen werden wird.“
Während das Buch Henoch von gebundenen und damit handlungsunfähigen gefallenen Engeln spricht, erklärt dagegen die Bibel, dass die gefallenen Engel (Dämonen) sehr wohl ihr unseliges, zerstörerisches Werk fortsetzen können, bis an den Tag, wo Jesus Christus wiederkommt. Dies auch noch in einer ungleich höheren Anzahl als es das Buch von Henoch suggeriert.
In Offenbarung 18, das Gericht über Babylon, ist davon die Rede, dass Babylon ein “Haus der Dämonen” geworden ist und voll “unreiner Geister und unreinen sowie verhassten Vögel”. Kapitel 16, mit den angekündigten Plagen, beschreibt die letzten Geschehnisse vor Jesu Wiederkunft. Zur 6ten Plage ziehen “unreine Geister” aus den Mäulern des Drachens, des Tieres und des falschen Propheten, welche die “Könige der ganzen Erde verführen” werden. Also hochaktive gefallene Engel bis zum “bitteren Ende”.
Rafael und “Baum der Weisheit”
Buch des Henoch 32,6:
“Und es antwortete mir der heilige Engel Rafael, der bei mir war, und sprach zu mir: »Das ist der Baum der Weisheit, von dem dein Urahn und deine Ältermutter, die vor dir waren, gegessen haben, und sie wurden der Weisheit kundig, und ihre Augen wurden aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren, und wurden aus dem Garten vertrieben.«“
Der “heilige Engel Rafael” existiert in der Bibel nicht. Nun, in der römisch-katholischen Version der Bibel wird Rafael in der Apokryphe “Buch des Tobit” erwähnt und dies sogar als ein Erzengel. Aber eine solche Figur ist gemäß dem Bericht in Genesis im Garten Eden nicht erschienen. Weiterer Knackpunkt ist die Bezeichnung des “verbotenen Baumes”. Während die Bibel vom “Baum der Erkenntnis” (zwischen Gut und Böse) spricht, redet das Buch des Henoch von einem “Baum der Weisheit”. Dies wiederum deutet auf ein weiteres, nur in der römisch-katholischen Bibelversion enthaltenes “Buch der Weisheit” hin. Ein Sammelwerk gnostischer Philosophien.
War Tolkien ein Henochbuch-Leser?

Diese wenigen Auszüge aus dem Buch des Henochs reichen bereits aus, dass dieses Werk es mit Berechtigung nie in den Kanon der Bibel schaffte. Es ist schlicht und einfach eine Fantasiegeschichte, die allerdings deutliche Anzeichen hat, das Gute ins Böse und das Böse ins Gute zu verdrehen.
So manche Erzählweise im Buch des Henochs könnte direkt zum Gedanken führen, ein einstiger Professor der Sprachwissenschaft an der Oxford Universität, wo schließlich eine Ausgabe des Buches des Henochs vorrätig war, könnte diese Henoch-Story gelesen und daraus eigene Idee entwickelt haben. John Ronald Reuen Tolkien (1892 bis 1973) wurde weltberühmt durch seine Geschichte “Herr der Ringe”, eine Fantasiegeschichte, welche auch den Kinos Rekordeinnahmen bescherte.
Die in “Herr der Ringe” vorkommenden Namen der Hauptfiguren lesen sich so “flüssig” wie die im Henochbuch vorgestellten “Obersten” der gefallenen Engel. Isildur, Saruman, Mordor, Legolas, Galadriel, Gandalf und Sauron, um einige wenige zu nennen. Eindrucksvoll auch die finale Schlacht um die Stadt, wobei die “Bösen” innerhalb der Stadt waren und die “Guten” außerhalb. Natürlich siegte das “Gute” über das “Böse”.
In diesem Sinne stellt “Herr der Ringe” eine exakte Umkehrung der Szene dar, welche in Offenbarung 20 beschrieben ist. Darin ist aufgezeigt, dass es eine finale Schlacht um Jerusalem geben wird, doch Jesus Christus und die von Ihm erlösten Menschen, also die Guten, innerhalb der Stadt, und die Bösen ziehen hinauf und umlagern die Stadt. Ein vom Himmel fallendes Feuer verzehrt die Belagerer.
Henochbuch ist Fantasie & gefährlich
Alleine der früheste Entstehungszeitpunkt des Buches des Henochs schließt völlig aus, dass Henoch irgendetwas mit diesem Werk zu tun gehabt haben könnte. Hierzu stellte sich ohnehin die Frage, welcher Henoch überhaupt gemeint ist. Die Bibel berichtet von zwei unterschiedlichen Henochs. Einmal der Henoch, welcher von Gott empor geholt wurde, also der 7te nach Adam. Und der andere ist der Sohn von Kain, und somit ein völlig anders gearteter Zweig. Beide Henochs haben das Buch nicht hinterlassen, aber welcher Geist steckt in den darin enthaltenen Stories?

Alice im Wunderland, Harry Potter, Herr der Ringe, und ähnliche Fantasie-Stories, haben zumindest einen Dienst geleistet. Ohnehin schon nicht mehr gänzlich in der Lage, Fiktion von Wirklichkeit zu unterscheiden, sind Millionen Menschen von diesen Geschichten tief geprägt. Leider wohl auch derart konditioniert, um antike Fantasiegeschichten als bare Münze anzunehmen.
Das Buch des Henochs erfüllt zumindest alle Kriterien, welche das riesige Problem für die Menschheit in der Endzeit darstellt. Der Spiritismus, welcher bereits erfüllt ist, wenn man an eine unsterbliche Seele glaubt, sich damit Gott gleich setzt, verbunden mit absonderlichen, mystischen Erzählungen. Dies auch noch bei der falsch vermittelten Botschaft, die gefallenen Engel seien aufgrund ihrer Gebundenheit gar nicht in der Lage, die Menschheit zu irrigen Lehren und Vorstellungen zu verführen.
Hierzu sind besonders die längst auf offizieller Ebene geführten Diskussionen und Anhörungen in den USA auffällig, welche die “außergewöhnlichen Erscheinungen” in den letzten Monaten und Jahren behandeln. Der geführte Konsens über “nichtmenschliche Phänomene und Intelligenzen” ist keine Fantasie-Story, sondern Realität. Ein Schelm, wer sich ausmalte, es könnte schon bald Ereignisse geben, welche mindestens Auszüge des Buches des Henochs quasi bestätigen könnten.
Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt acht, daß euch niemand verführt!
Matthäus 24,4
Bibelverse aus Schlachter 2000







