Beweist 6. Siegel die Trübsalzeit nach Vorentrückung?

Baukasten-Bibel

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Das 6. Siegel gemäß Offenbarung 6 sei der beschreibende Beleg für die Zeit der Drangsal nach der Vorentrückung der christlichen Gemeinde. So lautet die These. Wer diese Prophetie-Version einfach so übernimmt, hat es versäumt, sich selbst um die Wahrheit zu kümmern.

Baukasten-Evangelium

Die Gerüchteküche rund um eine sogenannte Vorentrückung nährt sich von einzelnen Passagen in der Bibel. In Verbindung der Vorentrückung, bei der die christlichen Gläubigen vorzeitig von der Erde geholt und in Sicherheit gebracht würden, steht eine anschließend kommende 7-jährige Trübsalzeit, bzw. Drangsalzeit. Alle Menschen, welche nicht entrückt wurden, müssen durch diese Zeit hindurch, während die Geretteten sich in himmlischen Gefilden in Sicherheit befänden. Diese Zeit der Drangsal ist auch die Stunde des “kommenden Antichrist”, welcher mit vielen einen Bund eingehen werde, die Speise- und Trankopfer im Tempel beenden und für allerlei Probleme sorgen werde.

Puzzle-Box
Eigenes Evangelium basteln

Für diese Version dient insbesondere die doch sehr eigenwillige Interpretation des Verses Daniel 9,27:
Und er wird mit den Vielen einen festen Bund schließen eine Woche lang; und in der Mitte der Woche wird er Schlacht- und Speisopfer aufhören lassen, und neben dem Flügel werden Greuel der Verwüstung aufgestellt, und zwar bis die fest beschlossene Vernichtung sich über den Verwüster ergießt.

Der Vers sagte es aus. Der “Antichrist” werde sein Ende finden und dann breche die Zeit der 1000-jährigen Friedenszeit auf Erden ein, in der alle Menschen Gelegenheit hätten, dem Beispiel des Volkes Israel zu folgen, welches schließlich nach Läuterung wieder die Gesetze Gottes einhielte und ein gerechtes Leben führte. Heiden hätten die Chance, sich zu bekehren.

Das 6. Siegel beschreibe Trübsalzeit

Die Apologeten dieser Vorentrückungs-Story finden in den Aussagen des 6. Siegels eine Bestätigung ihrer Thesen. Diese beschreibe die Periode der 7-jährigen Trübsalzeit. Offenbarung 6,12-17:

Und ich sah, als es das sechste Siegel öffnete, und siehe, ein großes Erdbeben entstand, und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der Mond wurde wie Blut; und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine unreifen Früchte abwirft, wenn er von einem starken Wind geschüttelt wird. Und der Himmel entwich wie eine Buchrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden von ihrem Ort weggerückt.

Und die Könige der Erde und die Großen und die Reichen und die Heerführer und die Mächtigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und in den Felsen der Berge, und sie sprachen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn der große Tag seines Zorns ist gekommen, und wer kann bestehen?

Einer Jesuiten-Mär aufgesessen

So funktioniert das eben. Ein Vers von hier, ein Ausschnitt von da, und mit den einzelnen Bausteinen bastelt man sich eine ganz neue Geschichte zusammen. Pionier dieser Vorentrückungs- und künftiger Antichrist-Story ist allerdings nicht einer von den Apostels, sondern der Jesuit Franziskus Ribera (1537–1591), mit freundlicher Unterstützung seines Stallkollegen Robert Kardinal Bellarmine (1542-1621), der “Verteidiger der Kirche” und Chef-Ankläger gegen Galileo Galilei, ebenfalls Jesuit. Ribera kreierte den künftigen Antichrist, Bellarmine sorgte für diverse Feinheiten und zu einem späteren Zeitpunkt fügte Manuel Lacunza (1731-1801) dem Paket noch eine (geheime) Vorentrückung hinzu.

Welche Überraschung, Manuel Lacunza war Jesuit

Damit war das heute vor allem bei den Evangelikalen in den USA sehr beliebte “Rettungsprogramm” Futurismus und Dispensationalismus geboren. Künftiger Antichrist und vorher eine rettende Vorentrückung der gläubigen Christen.

Warum das ganze? Denn immerhin war Riberas “Kommentar” zum Buch der Offenbarung rund 500 Seiten stark, also deutlich mehr als ein Band von “Herr der Ringe”. Das riecht direkt nach einer ganz neuen Geschichte. Der Jesuitenorden machte nichts anderes, als ihre ureigenste Aufgabe zu erledigen. Die Vernichtung des Protestantismus und die Wiederherstellung der ursprünglichen, uneingeschränkten Macht der römischen Kirche.

Rom aus Schusslinie holen

“Dummerweise” haben durchgehend (fast) alle Protestanten durch das Selbststudium der Bibel den darin beschriebenen großen Widersacher identifizieren können. Der “Gesetzlose, Sohn des Verderbens, Gräuel der Erde, Mensch der Sünde und die Hure Babylons” war nichts und niemand anderes als das Papsttum mit ihrer Kirche und dem Staat (Beispiele).

Die schlichte Idee war, einen künftigen Antichristen zu kreieren, denn dann sei es nicht mehr möglich, dass dieser Gesetzlose auch nur im Ansatz die Kirche Roms sein könne. Willfährige Protestanten, darunter Edward Irving, John Nelson Darby und Cyrus I. Scofield übernahmen die Jesuiten-Mär und machten sie weltweit in den Reihen des Protestantismus bekannt und populär (Info).

Ökumene-tauglich

Ökumene
Vereint in Ökumene

Wenn man sich lediglich damit begnügt, das Erzählte rund um die Vorentrückungsgeschichte ungeprüft zu übernehmen, denn immerhin stehen ja auch zahlreiche Gemeinden geschlossen hinter dieser These, dann braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn es nicht nur ein wenig, sondern völlig anderes kommt als erwartet. Das Gefährliche an dieser Geschichte ist, dass sie äußerst Ökumene-kompatibel ist. Einen zukünftigen, rettenden Messias erwartet auch das Judentum, der Islam hofft auf den Imam Mahdi und sogar Fernost sieht einen “Siddharta Gautama 2.0” (Gründer Buddhismus) erscheinen, in der Form eines Maitreya. Alle sind sich darin einig, dass dieser auf Erden wandeln und für weltweiten Frieden sorgen werde. Also könne man gar nicht falsch liegen. Wie fatal.

Daniel 9,27 wurde willkürlich in der Auslegung in die ferne Zukunft gelegt, wobei die vorherigen Verse durchaus als eine Handlung in der Vergangenheit anerkannt bleiben. Das ist dann halt einfach so, Basta! Dass Vers 9,27 tatsächlich das irdische Wirken Jesu Christi beschreibt (Taufe, Wirken, Kreuzigung), hat eine besondere Würze, da mit der fantasiereichen Neuauslegung Jesus Christus de facto zum Antichrist erklärt wird. Es handelt sich allerdings um ein zeitliches Gesamtpaket mit einem Umfang von 490 Jahren, welches mit der Kreuzigung und 3,5 Jahre später mit der Steinigung des Apostels Stephanus seinen Abschluss fand (Info).

6. Siegel passt so nicht

So dient auch das 6. Siegel in Form einer völlig neuen Interpretation als vermeintlicher Beleg für die Geschehnisse im Zeitraum zwischen Vorentrückung der Christen und dem Erscheinen des rettenden Messias. Vor dem sechsten Siegel gehen aber 5 Siegel voran und danach folgt noch ein 7. Siegel. Wobei das letzte Siegel die prophetischen Sichten der 7 Posaunen einleitet.

Es scheitert bereits an der Erkenntnis, dass es kein 1000-jähriges Friedensreich auf Erden geben wird, denn es folgt eine gründliche Auslöschung alles Lebenden. Wobei die Geretteten nicht anhand einer Vorentrückung in Sicherheit gebracht werden, sondern durch das finale Erscheinen Jesu Christi. Dieser wird aber Seinen Fuß nicht auf die (unreine) Erde setzen. Die Erlösten werden abgeholt (Info).

Widersprüche gäbe es zu Genüge

Vatican inferno
Etwas anderes als alles friedlich

Auch die ganze Reihe an genaueren Beschreibungen über das Aussehen, der Ablauf der Wiederkunft Jesu Christi schließen Seine irdische Friedensstiftung völlig aus (Info). Diese offenkundigen Widersprüche zur Vorentrückungs-Story scheinen entweder überhaupt nicht zu stören, oder man ist völlig unbekümmert, sieht überhaupt keinen Anlass dafür, diese Version anhand eigener Nachforschung in der Schrift auf ihre Plausibilität zu prüfen. “Sie werden verloren gehen, weil sie die Wahrheit nicht liebten“, so in 2. Thessalonicher 2,10.

Die Erde wird zerstört werden und dieser verwüstete Zustand für 1000 Jahre anhalten. Im Anschluss geht es samt neuem Jerusalem zurück auf die Erde. Die Verlorenen werden aus ihren Gräbern hervorkommen und es folgt das exekutive Endgericht. Deren endgültige Auslöschung in die Nicht-Existenz (Offenbarung 20). Dann erst wird Jesus Christus einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Ein quasi Reset und Wiederherstellung der ursprünglich sehr guten Schöpfung (Offenbarung 21).

6. Siegel = 7. Plage

Nein, das 6. Siegel ist nicht die Trübsalzeit, sondern entspricht den gleichen Beschreibungen wie die 7. Plage gemäß Offenbarung 16,17-21:

Und der siebte Engel goß seine Schale aus in die Luft; und es ging eine laute Stimme aus vom Tempel des Himmels, vom Thron her, die sprach: Es ist geschehen! Und es geschahen Stimmen und Donner und Blitze, und ein großes Erdbeben geschah, wie es dergleichen noch nie gegeben hat, seit es Menschen gab auf Erden, ein solch gewaltiges und großes Erdbeben.

Und die große Stadt wurde in drei Teile [zerrissen], und die Städte der Heidenvölker fielen, und Babylon, der Großen, wurde vor Gott gedacht, damit er ihr den Becher des Glutweines seines Zornes gebe. Und jede Insel entfloh, und es waren keine Berge mehr zu finden. Und ein großer Hagel mit zentnerschweren Steinen kam aus dem Himmel auf die Menschen herab, und die Menschen lästerten Gott wegen der Plage des Hagels, weil seine Plage sehr groß war.

Gewaltige Täuschung – Gewaltiges Entsetzen

Riesenschock
Zu späte Erkenntnis

Aus und vorbei. Zu diesem Zeitpunkt, zur letzten Plage, werden die Erlösten nicht mehr auf der Erde sein. Der “große Tag des Herrn” (“Tag des Herrn” ist NICHT Sonntag!) bringt die Vernichtung. Das große Entsetzen breitet sich aus, weil nach der eingetroffenen Finsternis (5. Plage) die tatsächliche Wiederkunft Jesu Christi für alle Menschen sichtbar wird. Auch die Entrückung der Erlösten, die allesamt einen neuen Körper haben werden und leuchten wie der Glanz der Himmelsausdehnung oder die Sterne des Himmels (Daniel 12,3), wird für alle Menschen, die zurückbleiben, mit Entsetzen beobachtet werden können.

Sie wurden alle getäuscht, verfolgten die, welche am Gesetz Gottes festhielten und das Zeugnis Jesu trugen (Offenbarung 14,12). Das sogar im irrigen Glauben, mit der Verfolgung der Treuen für Gott einen Gefallen zu tun. Doch es ist zu spät, vorbei, der Zug ist längst abgefahren. Daher ist diese Art der Täuschung eines der gefährlichsten Dinge in unserer Zeit (Info).

Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, um Krieg zu führen mit den übrigen von ihrem Samen, welche die Gebote Gottes befolgen und das Zeugnis Jesu Christi haben.” (Offenbarung 12,17)

Aber auch…

Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch jegliches böse Wort gegen euch reden um meinetwillen!
Matthäus 5,11

Bibelverse aus Schlachter 2000

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