„3 Tage der Dunkelheit“ – Irlmaier – Padre Pio – Taigi – Hoax-Meldung

Dunkelheit Kerzen

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Sensationelle Berichte über apokalyptische Zustände kursieren im Internet, bei denen nur Katholiken eine Rettung erfahren könnten. Als prophetische Galionsfiguren für „3 Tage der Dunkelheit“ dienen Alois Irlmaier, Padre Pio und Anna Maria Taigi. Doch von derlei Märchen weiß nicht mal die katholische Kirche selbst etwas.

Pseudo-Prophetie über 3 Tage Dunkelheit

In den Weiten des Internets, insbesondere in den Sozialen Medien kursieren innerhalb katholischer Kreise offensichtlich schon derart viele Hoax-Meldungen über eine „prophezeite Finsternis für 3 Tage und 3 Nächte“, dass sogar das große katholische US-Magazin „catholic.com“ eine Stellung zu diesen Umtrieben einnahm (Quelle). Unter den immer wieder angeführten „Propheten“ gehört „Padre Pio“, dem nachgesagt wird, er habe die „3-tägige Finsternis“ vorhergesagt. Als Mittel zum Überleben eines jeden „wahren Katholiken“ werden geweihte Kerzen und ein reihen-weises Beten des Rosenkranzes angegeben („Ihr sollt nicht plappern wie die Heiden“ – Info).

Die Erzählung „Drei Tage der Dunkelheit“

Dunkelheit Kerzen
Die Erzählung über eine 3-tägige Dunkelheit

Drei Tage der Dunkelheit“ werde über die Menschheit kommen, so die offensichtlich ungeprüft übernommene Verlautbarung der „Finsternis-Apologeten“. Eine vorangestellte Figur für derlei Thesen ist die Mystikerin Anna Maria Taigi. Sie lebte zwischen 1768 und 1837. Ihre Vorhersage wird zitiert mit:

Über die ganze Erde wird eine tiefe Finsternis kommen und wird für drei Tage und drei Nächte andauern. Alles werde im Stockfinstern sein, und die Luft ist verpestet. Diese Pest wird diejenigen befallen, die Feinde der [katholischen] Religion sind. Ohne gesegnete Kerzen wird es unmöglich sein, in diese Finsternis ein künstliches Licht hineinzubringen. Alle werden auf der Stelle tot umfallen, wer aus Neugier das Fenster öffnet, oder das Haus verlässt. Während dieser drei Tage sollten die Menschen in ihren Häusern bleiben, den Rosenkranz beten und Gott um Gnade bitten. Alle Feinde der Kirche, ob bekannt oder unbekannt, werden während dieser universellen Dunkelheit auf der ganzen Erde zugrunde gehen, mit Ausnahme einiger weniger, die Gott bald bekehren wird. In allen möglichen scheußlichen Erscheinungsformen werden die Dämonen die Luft verseuchen.

Alois Irlmaier sprang ins gleiche Boot

Wem der „Seher“ Alois Irlmaier (1894-1959) und seine „Vorhersagen“ ein Begriff ist, dem werden die „Weissagungen“ von Taigi sehr bekannt vorkommen. Es scheint, als wenn der Wünschelrutengänger Irlmaier die Schriften von Anna Maria Taigi für seine eigenen „Prophetien“ zur Grundlage hatte. Wer sich wirklich für Irlmaier interessiert, wird einige Erzählungen über ihn finden. Seine Vorhersagen decken sich nicht nur mit den Ausführungen der Anna Maria Taigi, sondern auch mit den in der Bibel angekündigten Ereignissen.

Eine weitere Mystikerin war Marie-Julie Jahenny (1850-1941), eine Zeitgenossin von Irlmaier. Sie verbreitete die These, es hälfen nur Kerzen aus 100 Prozent Wachs. Eine Folge daraus war das große Geschäft mit dem Verkauf von Bienenwachs-Kerzen an katholische Haushalte.

Was sagt die katholische Kirche dazu?

Galileo Inquisition
Was hätte die Inquisition zu derlei ‚Lehren‘ gesagt?

Das katholische Magazin stellt die Frage, was an diesen Vorhersagen dran sein könnte und wie glaubwürdig sie seien. Vor allem, was sagt die Kirche dazu? Zur letzten Frage lautet die Antwort kurz und bündig: „nichts“. Der Begriff bzw. der Zusammenhang mit „drei Tage der Dunkelheit“ taucht demnach auf den Webseiten des Vatikans nirgend auf. Diese „drei Tage der Dunkelheit“ sind kein Gegenstand der katholischen Lehre.

Die Apologeten berufen sich teils auch auf die Aussage in 2. Moses 10,21-29, in der von der neunten Plage über Ägypten berichtet wird. Doch mit dieser dreitägigen Finsternis handelt es sich um ein längst geschehenes Ereignis und nicht um eine Vorhersage in der Zukunft. Ein weiterer Hinweis der Bibel sei das sechste Siegel und die fünfte Schale gemäß dem Buch der Offenbarung.

Es wird zwar in den beiden Bibelstellen auf eine Dunkelheit hingewiesen, aber nicht auf die Dauer von 3 Tagen. Außerdem, und hier verirrt sich das katholische Magazin selbst, behandelten die beiden Ereignisse in der Offenbarung „höchstwahrscheinlich“ Ereignisse, die zu Beginn der Kirchengeschichte passierten. Das ist ein „höchst-katholischer Irrtum“, aber ein anderes Thema (Info).

Weder die Bibel, noch die Doktrin der römisch-katholischen Kirche beschreiben etwas über eine Finsternis für 3 Tage.

Auf der Suche nach den Ursprüngen

Woher kommt nun diese Hoax-Meldung? Ein nachzulesender Erklärungsversuch lautete:
Der Ursprung der Prophezeiung ist unklar, sie wurde jedoch im Laufe der Geschichte einer Reihe von Heiligen und Mystikern zugeschrieben. Einige glauben, dass es von der heiligen Hildegard von Bingen stammt, während andere es dem heiligen Patrick oder der heiligen Teresa von Avila zuschreiben.
Doch in den Schriften dieser genannten „Heiligen“ ist nichts von einer Vorhersage über „drei Tage der Dunkelheit“ zu finden. Offenbar, so das Magazin, versuchte man dieser Erzählung einen Hauch von Antike zu verleihen. Denn Patrick lebte im 4. Jahrhundert, Hildegard lebte im 11. Jahrhundert und Teresa lebte im 16. Jahrhundert. Die Idee „drei Tage der Dunkelheit“ scheint eine jüngere Idee zu sein.

Padre Pio – Ein Apologeten-Galionsfigur

Padre Pio
Padre Pio – Kapuzinermönch

Neben Alois Irlmaier wurde von den Befürwortern dieser Hoax-Meldung auch der „heilige“ Pio von Pietrelcina (Padre Pio, 1887-1968) zu einer Galionsfigur. Padre Pio habe die „3-tägige Dunkelheit“ prophezeit, so die Apologeten. Oft zitiert, aber nie mit einer nachvollziehbaren Quelle. Der Kapuzinerorden, dem Pio angehörte, hat bestritten, dass Pio jemals eine derartige Vorhersage abgab, so catholic.com. Hier hat wohl jemanden versucht, diese Vorhersage eine Glaubwürdigkeit zu geben, indem dieser einem „Heiligen“ diese in den Mund gelegt hat, so der Autor der Stellungnahme.

Der Autor in catholic.com hat bezüglich Padre Pio etwas genauer recherchiert. Er stieß auf Desmond Birch, Autor von „Trial, Tribulation, & Triumph“. Es handelt sich um ein 600-seitiges Buch über prophetische Ideen. Birch forschte nach der Urheberschaft und Authentizität von Vorhersagen. Er schreibt in seinem Buch auf der Seite 283:
1. Pater Pio hat nicht drei Tage der Dunkelheit vorhergesagt [Im Original hervorgehoben]“
„Es gibt gedruckte Materialien mit Prophezeiungen über drei Tage der Dunkelheit, die eine solche Prophezeiung Padre Pio zuschreiben. Aber der Autor [dh Birch] verfügt über eidesstattliche Dokumente des Kapuzinerordens, aus denen hervorgeht, dass keine solche Prophezeiung jemals von Pater Pio stammte. Alle Versuche des Autors, eine authentische Quelle von Padre Pio aufzuspüren, haben zu dem Schluss geführt, dass; [sic] Einige Personen haben entweder versehentlich oder absichtlich diese Zuschreibungen einer solchen Prophezeiung an Pater Pio vorgenommen.

Taigi-Meldung auf Sand gebaut

Was die Mystikerin Anna Maria Taigi betrifft, so werden ihre Worte einem Buch mit dem Titel „Private Prophecy“ (1863) zugeschrieben. Es gibt aber ein Problem bei der Überprüfung. Weder Google Books, noch Archive.org ist dieses Buch bekannt. Das gilt für den Titel „Private Prophecy“ ebenso wie in der abgewandelten Pluralform „Private Prophecies“. Eine andere Variante lautet „Profezie Private“ (italienisch). Doch auch hier nur Fehlanzeige. Diese Titel existieren nicht.

Verbissenheit der Heimatlosen

Geschrei
Viel Unsinn mit großer Lautstärke

In Betracht so mancher Auftritte in den Sozialen Medien ist dennoch überraschend, mit welchem Eifer manche Menschen derartige Märchen nicht nur für bare Münze nehmen, sondern diese auch noch mit aller Verbissenheit verteidigten. Ja sogar Kritik verteufeln und jeglichen Widerspruch mit „Gift und Galle“ beantworten.

Die finale, auf noch eine bewohnte Erde eintreffende Dunkelheit, welche in der Bibel vorhergesagt ist, entspricht der fünften Plage (Info). Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine weltumspannende Finsternis, sondern beschrieben als die Finsternis über das „Reich des Tieres“.

Doch in diesem Fall ist es völlig zwecklos, die Rosenkränze und Wachskerzen auszupacken. Denn es ist viel zu spät, um noch irgendetwas an der eigenen Situation zu ändern, geschweige dem „Tier“ vor seinem Schicksal zu bewahren (Info).

Die Wahrheit erfährt man ausschließlich, wenn man die Bibel selbst in die Hand nimmt und daraus das liest, wie es darin geschrieben steht. Und nicht derartigen Marktschrei-artigen Apologeten nachfolgt, sondern sie einfach ignoriert. Etwas Mitleid darf man jedoch üben, denn sie bezeichnen sich als Katholiken, haben aber selbst in dieser gefallenen Institution kein wirkliches Zuhause und sind somit heimatlos. Besser wäre es sie, aus diesem Umfeld herauszukommen und den Willen Gottes zu tun.

Und ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel, die sprach: Geht hinaus aus ihr, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!
Offenbarung 18,4

Bibelverse aus Schlachter 2000

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