Eines der Lieblingsvorstellungen ist eine unsterbliche Seele und hierzu sucht man sich einzelne Verse heraus, die den Wunschgedanken zu bestätigen scheinen. So auch eine einfache Aussage von Paulus in 2. Korinther 5,8. “Der Beweis”.
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Rosinenpickerei als Belege

Der Mensch gehe nach seinem irdischen Ableben direkt in den Himmel oder in die Hölle. Die römisch-katholische Kirche sieht einen zusätzlichen alternativen Platz vor, das Fegefeuer. Gemeinsam haben diese Hypothesen zumindest, dass sich irgendwie eine Seele vom Körper abtrenne und weiterhin eine lebendige Existenz führe. Einerseits dient hierfür zu den “schlagenden Beweisen” das als Beschreibung deklarierte Gleichnis von Jesus Christi über Lazarus und Abrahams Schoss (Lukas 16,18-31) und ein einziger Vers in 2. Korinther 5,8:
“Wir sind aber getrost und wünschen vielmehr, aus dem Leib auszuwandern und daheim zu sein bei dem Herrn.“
Das Gleichnis wird hierfür einfach als Tatsachenbericht deklariert, obwohl es sich, wie gehabt, um ein Gleichnis, eingebettet in weiteren Gleichnissen handelt. Aber so handhabt es die Kirche Roms auch mit der “leibhaftigen Anwesenheit” Jesu während der Messe. Da Jesus Christus am letzten Abendmahl ein Stück Brot abbrach und sagte, das “ist mein Leib”, wird es einfach als buchstäblich aufgefasst, weil’s eben so passt. Wenn aber der gleiche Jesus Christus auch sagt, er ist das vom Himmel herabgekommene “lebendige Brot”, dann müsse dies natürlich als ein Symbol verstanden werden, denn dann könnte man direkt darüber spekulieren, in welcher Art des Brotes Jesus auf die Erde plumpste.
Hineininterpretiert

Ebenso als Tatsachenbeschreibung fassen es katholische wie auch protestantische Kirchen auf, was in 2. Korinther 2,8 zu lesen ist. “Aus dem Leib auswandern” ist halt einfach zu ideal, um es für den “Beleg” einer unsterblichen Seele zu ignorieren. Es gibt sie aber nicht, die unsterbliche Seele, welche sich nach dem Tod vom Körper trennt und irgendwas unternimmt (Info).
So liefert 2. Korinther 5,8 ebenfalls ein gutes Beispiel, wie man schlicht isolierte Verse verwenden kann, um ein eigenes Bild zu basteln, ohne die Berücksichtigung des Kontexts. Dabei würden schon die zwei vorangegangenen Verse einen ersten Hinweis darauf geben, was Paulus tatsächlich damit meinte, 2. Korinther 5,6-7:
“Darum sind wir allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leib daheim sind, sind wir nicht daheim bei dem Herrn. Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“
Während Vers 6 noch das Potenzial hätte, die Aussage in Vers 9 zu bestätigen, gibt es in Vers 8 eine Relativierung, da die Begründung am Unterschied zwischen Glauben und Schauen gemacht wird, obwohl dies eigentlich unerheblich wäre, da dies nichts an der Natur der Seele änderte. Lediglich die “Richtung” hänge davon ab, wohin die Seele nach dem Ableben wandert.
Es ergäben sich Widersprüche
Nähme man die Aussage wörtlich, dann ergäbe sich schon einmal ein Problem bezüglich der Kollision einer anderen Aussage. Paulus sagte auch im Hebräer 9,27:
“Und so gewiß es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht,“
Gericht und nicht die liebevolle Obhut durch Gott unmittelbar nach dem Sterben. Wer geneigt ist, Hebräer 9,27 als einen unmittelbaren Schritt nach dem Tod zu verstehen, wäre damit gut beraten, einfach zu berücksichtigen, dass diese Aussage aus diesem Vers tatsächlich nicht hervorgeht. Die Frage des Zeitpunktraumes zwischen Sterben und Gericht bliebe noch offen. Es muss aber nicht explizit sofort sein. Das wäre nach eigenem Ermessen (Wünschen) einfach nur hineininterpretiert. Es gäbe dann nur noch die Alternative, dass sich Paulus widerspräche.
Etwas über den Tellerrand hinaus

Um das tatsächlich richtig einzuordnen, wäre halt “nur” das umfangreichere Studium des Evangeliums notwendig und nicht nur das Herauspicken von erwünschten Narrativen vermeintlich bestätigenden Einzelverse. Richtungsweisende Hinweise gäben z.B. Daniel 12,2 und Johannes 5,29.
“Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen; die einen zum ewigen Leben, die anderen zur ewigen Schmach und Schande.” (Daniel 12,2)
“und sie werden hervorgehen: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens; die aber das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.” (Johannes 5,29)
Aber schon das Verbleiben in 2. Korinther 5 und das Lesen des Kapitels von Anfang an, würde für deutlich mehr Klarheit sorgen. Verse 1 bis 4:
2. Korinther 5,1-4
“Denn wir wissen: Wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen wird, haben wir im Himmel einen Bau von Gott, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist. Denn in diesem [Zelt] seufzen wir vor Sehnsucht danach, mit unserer Behausung, die vom Himmel ist, überkleidet zu werden – sofern wir bekleidet und nicht unbekleidet erfunden werden. Denn wir, die wir in dem [Leibes-]Zelt sind, seufzen und sind beschwert, weil wir lieber nicht entkleidet, sondern überkleidet werden möchten, so daß das Sterbliche verschlungen wird vom Leben.“
Der eigentlich die offene Frage bereits beantwortende Kern dieser Aussage ist, dass der Mensch zwar ein unsterbliches Leben verliehen bekommen wird, aber dies pauschal nicht ist. Nicht jetzt und die Seele selbst wird es niemals sein, denn die einfache Formel lautet, dass der lebendige Mensch die Seele IST und keine separate besitzt, schon gar nicht naturgemäß eine unsterbliche (Beispielverse).
Mehr Klarheit

Klartext schreibt Paulus in 1. Korinther 15,51-54:
“Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune; denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden.
Denn dieses Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muß Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: »Der Tod ist verschlungen in Sieg!“
Nur Gott hat das Leben in sich selbst, denn Er ist das Leben. Gott verleiht dem Menschen Unsterblichkeit in einem verherrlichten Körper.
Die Legende um eine unsterbliche Seele stammt aus den “hellenistischen Weisheiten” und der Urheber dieser Lüge ist Satan selbst, in Form der Schlange, als ein Bestandteil seiner 3-fach-Lüge im Garten Eden (Info).
Was Paulus wirklich sagte

Paulus drückt mit 2. Korinther 5,8 nichts anderes aus, als sich nach dem Zustand der (verliehenen) Unsterblichkeit zu sehnen, welcher für die Erretteten eintreten wird. Es bleibt aber dabei, der Mensch, das geschaffene Wesen, wird niemals eine separate Seele besitzen, so wie diese im kirchlichen Narrativ gemäß schlaue Leute wie Platon und Aristoteles definiert ist, sondern als ewig lebendiger Mensch im Gesamten die unsterbliche Seele SEIN.
Körper (Staub & Erde) + Lebensodem Gottes = Seele
Wie und in welchem zeitlichen Rahmen diese erste und zweite Auferstehung vonstattengeht, was den Leuten widerfährt, welche erst mit der zweiten Auferstehung (Gericht, ewige Schmach und Schande) aus ihren Gräbern hervorgehen werden, beschreibt Offenbarung 20. Nicht zum Verstehen Einzelverse, sondern das ganze Kapitel lesen.
Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!
1. Korinther 15,56-57
Bibelverse aus Schlachter 2000







