Innerhalb der evangelikalen Welt gab es unübersehbar eine Wandlung. Von einst gelehrten verbindlichen Gesetzen Gottes, hin zu heute überwiegend als unverbindlich, ja sogar als abgeschafft erklärte Gebote. Dabei reichte es aus, in die Hinterlassenschaften ihrer eigenen Kirchen-Pioniere und Galionsfiguren zu blicken, um wenigstens das Grübeln anzufangen. Deren Sicht auf das Evangelium, insbesondere auf Gottes Gesetz, war eine ganz andere.
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Evangelikale Prediger Dwight L. Moody
Dwight L. Moody (1837 – 1899) ist alles andere als ein unbedeutender evangelikaler Prediger, an den sich hier und da noch erinnert wird. Noch heute ist sein Name verewigt durch die von ihm gegründete Illinois Street Church in Chicago, die extra nach ihm in Moody Church umbenannte Avenue Church, ebenfalls in Chicago, und das Moody Bible Institute. Die Mutter von Eisenhower nahm sich Moody zum Vorbild und nannte ihren Sohn ebenfalls Dwight. Dieser wiederum sah es sicher mit Wohlwollen, dass die Marine während des 2. Weltkrieges ein Schiff mit dem Namen SS Dwight L. Moody auf den Gewässern touren ließ.
Moody war aktiv zur Zeit der sogenannten Erweckungsbewegung. Sogar in Schweden war der evangelikale Prediger weit mehr als nur willkommen. Er war also alles andere als eine “No-Name-Eintagsfliege”. Der Prediger war auch Autor einiger Bücher und eines davon trägt den schlichten Titel “Die Zehn Gebote” (1896). Das Werk ist auch bekannt unter dem Titel “Weighed and Wanting”. Wie vermutet, gibt Moody den 10 Geboten Gottes einen zentralen Stellenwert.
10 Gebote vollumfänglich gültig
In den Seiten 16 und 17 findet sich eine bemerkenswerte Aussage:
“Die Gebote Gottes, die Mose auf dem Berg Horeb empfing, sind heute genauso verbindlich wie damals, als sie dem Volk verkündet wurden. Die Juden sagten, das Gesetz sei nicht in Palästina (das zu Israel gehörte) gegeben worden, sondern in der Wüste, weil es für alle Völker gelte.“
Moralgesetze und Zeremonialgesetze
Das steht dem weit verbreiteten Narrativ, das Gesetz sei mit der Kreuzigung Jesu aufgehoben worden, völlig entgegen. Moody, und das muss man heute direkt betonen, überrascht sogar damit, zwischen den 10 Geboten Gottes und den Gesetzen Mose klar zu unterscheiden. Moses, der in einer Zeit der allgemeinen Barbarei lebte, kam mit einem Gesetzeswerk auf, das einzigartig war. Moody betont, dass weder die Griechen noch die Römer, allesamt Heiden, jemals ein derartiges Regelwerk der Moral auf die Beine stellten. Also, woher bekam Moses dieses Gesetz? (Seite 16)
“Es kam vom Himmel herab. Es hat mich von der Wahrheit der biblischen Religion überzeugt. Der ehemalige Ungläubige blieb bis zu seinem Tod ein fester Anhänger des Christentums. Wir nennen es das „mosaische“ Gesetz, aber es wurde treffend gesagt, dass die Gebote nicht von Mose stammen und auch nicht abgeschafft wurden, als das mosaische Gesetz in Christus seine Erfüllung fand und viele seiner Zeremonien und Vorschriften aufgehoben wurden. […] Gott selbst schrieb die Gebote auf Steintafeln.“
Der Evangelikale erinnert an dieser Stelle an die Aussage von Jesus Christus gemäß Matthäus 5,17-18.
“Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist.“
10 Gebote heute voll gültig
Besonders interessant ist, was Moody über das Vierte Gebot, das Gebot, sich an den Siebenten-Tag-Sabbat zu erinnern und diesen auch zu beachten. Wenn es darum geht, neben der simplen fiktiven Aufhebung des ganzen Gesetzes Gottes, ein spezielles Gesetz anzugreifen, dann ist es das Vierte Gebot. Hierzu der Evangelikale auf den Seiten 47 und 48:
“Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Gebot heute genauso verbindlich ist wie eh und je. Ich habe mit Männern gesprochen, die behaupteten, es sei aufgehoben worden, aber sie konnten mir keine Stelle in der Bibel nennen, an der Gott es für ungültig erklärt hätte. Als Christus auf Erden lebte, tat er nichts, um es außer Kraft zu setzen.“
Sabbat gilt seit Eden
Aber dann gilt dies doch erst ab dem Berg Sinai, an dem Gott Seinem Knecht Moses die beiden Steintafeln überreichte, oder? Hierzu hält Moody fest, auf Seite 48:
“Der Sabbat war im Garten Eden bindend und gilt seither. Das vierte Gebot beginnt mit dem Wort „Gedenke“, was zeigt, dass der Sabbat bereits existierte, als Gott dieses Gesetz auf die Steintafeln am Sinai schrieb. Wie können Menschen behaupten, dieses eine Gebot sei aufgehoben, wenn sie zugeben, dass die anderen neun weiterhin gelten?“
“Ich glaube, die Sabbatfrage ist heute für das ganze Land von entscheidender Bedeutung. Sie ist die brennende Frage unserer Zeit. Wenn man den Sabbat nicht mehr heiligt, leidet die Kirche; wenn man die Kirche nicht mehr heiligt, leidet das Zuhause; und wenn das Zuhause leidet, leidet die Nation. […] Die Kirche Gottes verliert an Kraft, weil so viele Menschen den Sabbat nicht mehr heiligen und ihn missbrauchen, um ihren Egoismus zu fördern.“
Und doch erstaunt Moody
Dann, und das ist einerseits nicht überraschend, aber andererseits immer wieder erstaunlich, bezieht Moody den Sabbat auf den Sonntag, wie selbstverständlich, z.B. Seite 50:
“Ich glaube, wir brechen Gottes Gesetz, indem wir die Autos am Sonntag benutzen und damit Schaffner und andere ihres Sabbats berauben.“
und auf den Seiten 53-54:
“Als ich ein Junge war, dauerte der Sabbat von Sonnenuntergang am Samstag bis Sonnenuntergang am Sonntag, und ich erinnere mich daran, wie wir Jungen immer jubelten, wenn er vorbei war.“
Alles erkannt, dennoch Tag 1 statt 7?!

Moody stellt klar fest, dass das Gesetz, das Vierte Gebot wie auch alle anderen neun Gebote, nicht erst seit Sinai feststehen, sondern seit dem Garten Eden, also unmittelbar nach der Schöpfung Gottes (Info). Darüber hinaus weiß der Evangelikale deutlich darauf hinzuweisen, dass das Gesetz Gottes mitnichten aufgehoben wurde und bis heute uneingeschränkt seine Gültigkeit besitzt. Moody unterscheidet auch zwischen den Geboten Gottes (10 Gebote) und den Geboten Mose (Zeremonialgesetze – Info). Alles “überraschend” richtig. Aber er sieht es als selbstverständlich gegeben, dass es sich mit dem Sabbat um den Sonntag handelte. Der erste Tag der Woche, nicht der siebente Tag der Woche.
Dabei steht dies ebenso unmissverständlich in Verbindung mit der Schöpfung wie die Schöpfung selbst und die Abfolge von 6 Schöpfungstagen und dem unmittelbar darauf folgenden siebenten Tag der von Gott selig gesprochene und geheiligte Sabbat ist. 1. Moses 2,1-3:
“So wurden der Himmel und die Erde vollendet samt ihrem ganzen Heer. Und Gott hatte am siebten Tag sein Werk vollendet, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von seinem ganzen Werk, das Gott schuf, als er es machte.“
Keine Formelsammlung notwendig

Eins-Zwei-Drei-Vier-Fünf-Sechs-Sieben – Eins-Zwei-Drei-Vier-Fünf-Sechs-Sieben – etc.
So lautet die seit der Schöpfung gültige Zählweise der Wochentage. Eine einfache “Formel”. Gott ruhte am Tag Sieben und nicht am Tag Eins. Anhand dieser Formel ist auch zu erkennen, dass es völlig egal ist, wer, wann, wie irgendeinen Kalender kreiert, 10 Tage herausschneidet und dies im Anschluss als verbindlich zu deklarieren. Sei es der gregorianische Kalender, der Vorläufer julianischer Kalender, oder die temporäre 10-Tage-Woche in Ägypten. Egal, denn: Eins-Zwei-Drei-Vier-Fünf-Sechs-Sieben. Dass der erste Tag den Namen “Sonntag” erhielt und der siebte Tag die Bezeichnung “Samstag” sei geschenkt, diese hätten x-beliebig heißen können.
Für die Unterscheidung der Tage dient die Sonne und für die Monate und Jahre der Mond (1. Moses 1,14). Neumond ist gleich ein neuer Monat. Gott legte kurz vor dem Auszug Israels aus Ägypten in der Abfolge den ersten Monat fest (2. Mose 12,2 – Passah – Nisan – Info)
Das Motiv, den ersten Tag als “Sonntag” zu bezeichnen, lag in der heidnischen Verehrung eines fiktiven “Sonnen-Gottes”, eben jene Gottheit, welcher über die verschiedensten Kulturen über Epochen hinweg vom Heidentum fast einheitlich verehrt wurde, und deshalb naturgemäß auch von der römisch-katholischen Kirche (Info). Behauptungen, der “Samstag” sei nirgends in der Bibel erwähnt und daher könne der Sabbat nicht wirklich sicher dieser Tag sein, ist lediglich das Verwirrspiel von Verwirrten und im Grunde auch ziemlich dumm. Der gregorianische Kalender wurde in 1582 von Papst Gregor XIII eingeführt (Bulle “Inter gravissimas”), jener Pontifex, dessen Wappen von einem roten Drachen verziert war.
Wer sagt: »Ich habe ihn erkannt«, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht;
1. Johannes 2,4
Bibelverse aus Schlachter 2000
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