Nach Italien-Schock folgt Börsenrutsch – EU-Rezession befürchtet

Eine Kette von unvorhersehbaren Ereignissen?

Wall Street und Co. stehen „geschockt“ in einem Tal des Jammers, nachdem sich die italienische Regierungskrise ausweitete und „urplötzlich“ die hohe Verschuldung des Landes erneut an die Öffentlichkeit getragen wurde. Der weltweite Aktienmarkt hat empfindlich reagiert und die Hiobsbotschaften mit „heftigen Abrutschen“ der Aktienkurse quittiert.

„Schuldendesaster in Italien schockt die Anleger“, so die Schlagzeile von focus.de in der heutigen Ausgabe. Die zunehmende Unsicherheit um Italien habe den deutschen Aktienmarkt auch am Donnerstag belastet. Der Dax begann den Handelstag mit einem Minus von 1,80% gegenüber dem Vortag. Der MDax fiel (sage und schreibe) um 1,04% und der TecDAX rutschte gleich um 1,65% auf nur noch mehr 680 Punkte ab. Nimmt man von den drei „rabenschwarzen“ Beispielen den übelsten Wert, so hätte ein Anleger mit Dax-Papieren im Wert von 1.000,- Euro am 09.11.11 auf den heutigen Tag ganze 18 Euro verloren. Die Börsenwelt steht angesichts solcher „kontinentalen“ Erdrutsche in der Schockstarre, wie dünn muß die Anleger-Haut eigentlich sein?

Euro-Pleite

Die Euro-Grundlagen
schwimmen davon
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Außerdem sorgt das Argument „Überraschung aus Italien“ höchstens für ein mitleidiges Lächeln, denn von Überraschung kann überhaupt keine Rede sein. Rund 1,8 Billionen italienische Staatsschulden haben sich nicht von gestern auf heute entwickelt, sondern liegen schon seit Monaten völlig klar und offen auf dem Tisch. Das Bekenntnis der Chefin des italienischen Industrieverbandes Confindustria, Emma Marcegaglia, „Wir können die Wahrheit nicht mehr verheimlichen: Das Land steht am Abgrund. Entweder handeln wir jetzt oder wir enden wie Griechenland.“, zeugt von Ehrlichkeit, aber sollte dennoch kein Schlag „aus heiterem Himmel“ darstellen. Die Schulden in Form von Staatsanleihen kommen zwar nicht auf einen Schlag, aber die EU-Politiker „hämmern“ schon seit Wochen auf den zögerlichen Reformwillen Berlusconis herum. Auch das Anheben der Zinsen für die 10-jährigen Staatsanleihen, ist nur eine logische Konsequenz der bisherigen Entwicklung. Wer als Anleger von der Situation Italiens überrascht worden sein sollte, müsste sich Gedanken machen, ob die persönliche Gier zur Abwechslung etwas dem Verstand weichen sollte.

Sinnfreie Argumente bringen immerhin Material zum Drucken

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerst sich zur aktuellen Lage in Italien gewohnt präzise: „Italien muss seine Sparanstrengungen verstärken – und das weiß auch die italienische Regierung. Sie hat einen Plan vorgelegt, der jetzt umgesetzt werden muss.“ Als schon einen „direkten Lösungsvoschlag“ kann Merkels Aussage „Kein Staat kann zurzeit von sich behaupten, er sei am Ende des Reformweges, wir alle werden immer wieder über Anpassungen nachdenken müssen. Aber für Italien kann man sagen, dass das Land sich bereits viel vorgenommen hat.“, bezeichnet werden.
Sinn und Inhalt spiegeln ziemlich genau die „punktgenauen Strategien“ der Bundesregierung wieder, die eine „gemeinschaftliche Bewältigung“ der Euro-Finanzkrise schaffen soll.

Der nächste „Schock“ – Rezession in der Eurozone erwartet

Nur noch ein Plus von 0,5 Prozentpunkte wird für das Wirtschaftswachstum 2012 erwartet. Das gleicht einem Stillstand des Wachstums und sei „deutlich niedriger als erwartet“. Dazu käme die drohende Schuldenexplosion in Griechenland. – Wiederum eine ganze Reihe von „Überraschungen“.
Deutschland würde ab dem Jahr 2012 die Rolle als Konjunkturlokomotive verlieren. EU-Währungskommissar Olli Rehn sieht ab dem kommenden Jahr für den deutschen Wachstum eine Steigerung von nur noch 0,8 Prozent.
Sogar „besorgniserregend“ seien die Nachrichten aus Griechenland. Innerhalb der nächsten zwei Jahren dürften die Schulden Griechenlands massiv ansteigen. In den Jahren 2012 und 2013 werde die Gesamtverschuldung des Landes knapp 200 Prozent des Bruttoinladsprodukts erreichen. Schätzungen gingen davon aus, dass bis Ende 2011 die griechische Verschuldung auf fast 163 Prozent steigen werden. Die EU-Regelung zieht (eigentlich) einen Schlußstrich bei der Höchstgrenze von 60 Prozent bezogen zur Wirtschaftsleistung.
Um es abzukürzen. Die EU-Länder, die sich noch deutlich unterhalb der Verschuldungs-Höchstgrenze befinden, lauten: Luxemburg, Litauen, Rumänien, Bulgarien und Estland. Alle anderen EU-Länder weisen entweder deutlich überschrittene Werte vor, bzw. sind auf dem „besten Wege“, die 60-er Marke zu erreichen.
Nicht umsonst wurden die ursprünglich bei Überschreitung angesetzten Sanktionen schon darauf reduziert, diese erst einzusetzen, wenn ein deutlicher „Wille zum Sparen“ ausbleiben sollte.
So drohte die EU-Kommission die Länder Belgien, Malta, Polen, Ungarn und Zypern mit Sanktionsverfahren, weil sie ihre zu hohe Staatsverschuldung nicht zügig genug abbauen. Finanzkommissar Rehn gab den Ländern bis Mitte Dezember Zeit, Pläne zum Schuldenabbau vorzulegen. Andererseits werde er die schärferen Regeln des Stabilitätspaktes nutzen. „Halbautomatische Sanktionsverfahren würden als Mittel Verwendung finden.“

Die Phase der EU-Zersplitterung findet wohl seinen Anfang

Wurden die Zweifler an der EU und der „Gemeinschaftswährung“ Euro als Miesmacher und Populisten verschrien, so freunden sich inzwischen sogar die „Heißmacher“ unter den sog. Journalisten den Richtungswechsel der politischen Meinungen an. Ehemalige „Tabus“ werden nun als gegebene und „alternativlose“ Notwendigkeiten beteuert. Dazu gehören u.a. die Möglichkeiten für Länderaustritte aus der EU, die Teilung der Euro-Zone in eine „Nord- und Südliga“, sowie die ehem. verrufene Währungsreform. Es werden noch viele schon heute bekannte Tatsachen als „völlig neue Überraschungen“ folgen, um die Aussichtslosigkeit am Ende mit „Zeitmangel“ erklären zu können.

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