Deutschland überrascht mit Wachstum in der Euro-Krise

Starke Wirtschaft Deutschlands nur im Vergleich zu den Euro-Ländern

Das Ende eines jeden Quartals ist der „Tag der Abrechnung“. Das gilt für Firmen und Konzerne ebenso, wie für die Wirtschaft der einzelnen Länder. „Man möchte wissen wo man steht“. Aktionäre interessieren die Bilanzen und die Bürger sollten erfahren, welchen Kurs die Wirtschaft eingegangen ist. So sorgen jetzt in Deutschland die Zahlen zum dritten Quartal 2011 für etwas Überraschung.

Ein Wachstum der Wirtschaft ist nicht nur erfreulich, sondern in dem gegenwärtigen Geld- und Zinssystem sogar dringend erforderlich. Steigende Zinszahlungen erfordern auf der anderen Seite auch steigende Einnahmen, um die Verbindlichkeiten erfüllen zu können. Je kräftiger der Aufschwung, mit desto mehr „Geldsprudel“ kann der Fiskus rechnen. Mit den Ergebnissen zum dritten Quartal hat sich die deutsche Wirtschaft sogar besser entwickelt als „erwartet“. Trotz der Schuldenkrise in Europa hat das Bruttoinlandsprodukt von Juli bis Septemer 2011 um 0,5 Prozent zugelegt, so von Welt-Online veröffentlicht, nach Schätzungen des Statistischen Bundesamts. „Dazu trugen insbesondere die gestiegenen privaten Konsumausgaben bei“, erklärte ein Statistiker.

Wurden gestern noch die Privatvermögenden indirekt als die Schuldigen der Finanzkrise bezeichnet, so sind die Konsumenten wenigsten durch die neueste Erkenntnis wieder etwas „rehabilitiert“.

Das Wachstum im vergangenen Frühjahr sei sogar stärker ausgefallen, als bislang angenommen wurde. Die erstmalige Berechnung wurde vom Bundesamt von 0,1 auf 0,3 Prozent nach oben korrigiert. Zu verdanken wäre diese Entwicklung u.a. den Unternehmen, die wieder damit anfingen, mehr in Fahrzeuge, Maschinen und weitere Ausrüstungen zu investieren. Eine noch bessere Entwicklung des Wirtschaftswachstums wurde offenbar durch den seit Jahresbeginn zu verzeichnenden Rückgang der Bauausgaben verhindert. Der Außenhandel konnte den Aufschwung nicht messbar beeinflussen, das Verhältnis von Export und Import hielt sich in der Waage. Die deutsche Wirtschaft „nach wie vor in guter Verfassung“ sieht dagegen der Wirtschaftsminister Phillipp Rösler (FDP). Er sehe das Vorkrisenniveau sogar als überschritten an.

In den folgenden Monaten sei aber mit einer Verlangsamung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu rechnen. Die „Turbulenzen auf den Finanzmärkten“ würden zur Verunsicherungen von Unternehmen und Konsumenten beitragen. Ferdinand Fichtner, Konjunkturchef am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), verdeutlicht dazu: „Zu Konjunkturoptimismus besteht kein Anlass, denn die Industrie hat vor allem vom Auftragspolster der vorangegangenen Monate gezehrt“. Die anhaltende Euro-Krise wird das vierte Quartal eher mager ausfallen lassen.

Als der Wachstumsmotor der deutschen Konjunktur gilt derzeit der Einzelhandel. Die weltweite Abkühlung der Konjunktur schlägt sich bereits auf die exportabhängige Industrie nieder.
Im europäischen Vergleich steht jedoch Deutschland wirtschaftlich „sehr gut“ da. Gerade noch ein Plus von 0,4 Prozent schaffte Frankreich. Portugals Wirtschaft schrumpfte dagegen um Minus 0,4 Prozent. Spaniens Wirtschaft erlitt im vergangenen Sommer ebenfalls bereits Einbußen.
Wirtschaftsweise, die Bundesregierung und Forschungsinstitute gehen mit einer Jahresbilanz 2011 von rund 3 Prozent aus. Für 2012 werden lediglich noch ca. 1 Prozent erwartet.

Euro-Krise

Die Zeit läuft dem Euro davon
Bild: Peter Freitag / pixelio.de

Die exportierende Wirtschaft Deutschlands werde durch die Schuldenkrise in Italien und Frankreich noch erhebliche Einschnitte erleben müssen. Nach Angaben der Statistikbehörde ist die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal vor allem der ca. 41,2 Millionen Erwerbstätigen im Inland zu verdanken. Im Gegensatz zum Vorjahr seien das 495.000 Beschäftigte mehr (plus 1,2%).

Frankreichs Schuldenkrise wird so schnell keinen Ausweg finden

Sogar hinter Irland und Spanien soll sich der wirtschaftliche Zustand Frankreichs befinden. Die als zweitgrößte Wirtschaftsmacht innerhalb der EU gerät mit einer neuen Studio in ein „schattiges Licht“. Lt. einer Experten-Studie ist die Reformfähigkeit Frankreichs äußerst schwach. In der Rangliste der „wirtschaftlichen Gesundheit“ landet Frankreich gerade mal auf Platz 13 (von 17). Das Wachstumspotenzial, die Beschäftigungsrate und der Konsum landen im Rating gerade im unteren Drittel. Frankreichs Top-Rating eines Triple-A ist bereits gefährdet. Im Vergleich der Euro-Zonen Länder mit jeweils einem „AAA“, steht Frankreich in dieser Kategorie mit Abstand auf unterster Position. Frankreichs Top-Bewertung steht auf der Kippe. Die Märkte können wie bereits Italien, Griechenland, Spanien und Irland auch Frankreich unter erheblichen Druck setzen. Als Folge wäre eine bedrohliche Erhöhung der Finanzierungskosten (Zinsen Anleihen) zu befürchten.

Die gemeinsam zwischen Deutschland und Frankreich „geschmiedeten“ Pläne für einen erweiterten Rettungsschirm, könnten bei einer Abstufung Frankreichs ad acta gelegt werden. Nur bei einem Trippel-A und vertretbaren Finanzierungkosten, würden die finanziellen Rettungsmaßnahmen noch funktionieren. Deutschland als Exportnation hat schon mit einem geschwächten Frankreich, neben Italien und Spanien, erhebliche Probleme um Abnehmer für die Industrieprodukte zu finden. Rund 40 Prozent der Exporte bleiben innerhalb des EU-Raumes. Fällt Frankreich unterhalb die Top-Bewertungsrate, steht Deutschland mit der Verantwortung zum EFSF ganz alleine da. Diese Last zu schultern, ist selbst für Deutschland als „stärkste Wirtschaft“ Europas, völlig ausgeschlossen.



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