Der Euro stürzt auf ein „Tiefststand“ – Ja und?

Viel Geschrei um nichts Besonderes – Euro rauf und wieder runter


Kursschwankungen der Währungen sind auf einem sich bewegenden Kapitalmarkt völlig normal. Statische Märkte würden statische Währungen ergeben, stürmische Finanzmärkte lassen Währungen um so mehr schwanken. Jetzt ist der Euro tatsächlich auf einen Tiefstand gerutscht, der so manchen Menschen den Schrecken in die Knochen fahren lässt.

Ein Euro auf Talfahrt sollte doch eigentlich niemanden mehr aus dem „Dornröschenschlaf“ wecken. Die Medien haben die Bürger schon derart mit Eurokrise, Staatsschuldenkrise und Euroschwächen zugeschüttet, dass ein Kursrutsch auf den niedrigsten Stand seit September 2010 eigentlich überhaupt keine Sensation mehr sein sollte. Eine derartige Aufarbeitung des Themas hat die neue Euro-Situation gar nicht verdient. Es ist jedoch sehr aufschlussreich zu lesen, dass der Eurokurs am 06.09.2010 bei 1,2679 Dollar lag. Heute sank die Eurowährung bis auf sage und schreibe 1,2862 Dollar. Dem Normalsterblichen dürften die 3. und 4. Stelle hinter dem Komma relativ egal sein und wenn man ebenso spitzfindig sein möchte, dann muss man feststellen, der Eurokurs war am 06.09.2010 sogar miserabler als der heutige Tiefstand. Deshalb sollte (haarspalterisch) die Aussage „tiefsten Stand seit September 2010“ noch einmal überprüft werden.

Euroverfall

Eurosturz zum Ende 2011
Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Die sog. Experten und Händler wollen die Schuld einmal in den Währungssicherungsgeschäften, sowie in der anhaltenden Schuldenkrise in der Euro-Zone ausmachen. Zweiteres sollte gleich überhaupt keine Überraschung sein, für diese Feststellung bedarf es kein vorheriges Studium, dank der Medien. Welt-Online hat die Zahlen und „Fakten“ zum Kursrutsch des Euros sehr schön dargestellt. US-Unternehmen hätten ihre letzte Möglichkeit des Jahres genutzt, um die sog. Währungssicherungsgeschäfte gegen einen fallenden Euro über die Bühne zu bringen. Viele Firmen hätten von diesen Hedgegeschäften vor dem „Hintergrund der Euro-Schuldenkrise regen Gebrauch“ gemacht. – Das erklärt natürlich alles…man wird einfach nicht das Gefühl los, als wenn hinter dem Artikel ein tiefes schwarzes Loch voll Ahnungslosigkeit steckt, aber es liest sich „toll“. Der bittere Beigeschmack, dass hinter der ganzen Geschichte das raffgierige fleddern von Halbtoten steckt, bleibt jedoch haften.

Nebenbei wurde die italienische Regierung durch Nichterfüllung von Hoffnungen enttäuscht. Die Auktion der langfristigen Schuldpapiere verfehlte das Ziel von 8,5 Milliarden Euro und spülte in die italienischen Staatskasse lediglich 7 Milliarden Euro hinein. Der große Aufschrei wie beim verfehlten Verkauf der dt. Anleihen blieb jedoch aus. Mag auch sein, dass um die für Italien „wundersam gefallenen“ Zinsen kein allzu großer Wind gemacht werden will. Da soll ja klammheimlich EZB und FED ein Deal miteinander ausgeheckt haben, um die Kreditzinsen Italiens mächtig zu drücken. Schwamm drüber, nur kleine Bausteinchen des großen Ganzen….

Wie auch immer der Euro gegenüber dem Dollar morgen, oder auch am Neujahrestag 2012 stehen mag, der Vergleich wird immer etwas hinken. Zwei Währungen miteinander zu vergleichen, die sich nebeneinander im freien Fall befinden, kann keine sonderlich aussagekräftige Resultate liefern. Die US-Regierung will / muss die Schuldengrenze abermal anheben. Schon eine Woche vor der angekündigten Überschreitung der ersten diesjährigen Schuldengrenze waren die Medien voll von Untergangsszenarien. Offen entfachter Streit zwischen den Demokraten und den Republikanern in den USA. Widerstand und Blockade, Kompromisse und Zugeständnisse. Die Welt „hing an einem seidenen Faden“, kann Obama das Ruder noch herumreissen? Letztendlich konnte er zum Abschluss des „Thrillers“ die Schuldengrenze um ein paar Billionen Dollar nach oben drücken. Inzwischen ist diese neue Obergrenze schon wieder erreicht und es scheint sich dieses Mal weder Mann und Maus in Gefahr zu befinden. Die nächste Anhebung dürfte ein Abwinken der US-Regierung sein und der Rest so trivial wie die Budgetanhebung für den Bürokaffee.
Wehe einem europäischen Staat widerfährt so ein Dilemma. Die beißwütigen US-Ratingagenturen würden von der Kette gelassen werden.

Trotz der beständigen „zermürbend mahlenden“ Berichterstattungen über die Eurokrise, Fiskalunionen und Staatsschulden, Bankenrettungen, EFSF, ESM, etc., sollte auf keinen Fall die Aufmerksamkeit zu diesen Themen verloren gehen, auch wenn die Themen (beabsichtigt?) das nerven beginnen. Nicht das was deutlich zu lesen ist, entspricht unbedingt der Wahrheit, sondern dass, was zwischen den Zeilen steht. Die eigene Bequemlichkeit überwinden und einfach das zu hinterfragen, was aufgetischt wird, würde viele (Schein-) Kartenhäuser einfach zusammenfallen lassen.






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