Was haben Reis, Schachbrett und Zinsen gemeinsam?

Ein einfacher Bauer erklärt der Welt die Exponentialfunktion


Die kurze Auffrischung kleiner Mathematik. Eine Exponentialfunktion hört sich furchtbar kompliziert an, aber dahinter steckt eine ganz einfache mathematische Gesetzmäßigkeit, die bereits in den Hauptschulen den Schülern als Lernstoff vorgesetzt wird.
Die Exponentialfunktion besteht aus „Basis und Exponent“, oder einfacher ausgedrückt, eine „Zahl mit Hochzahl“, z.B. 102, allgemein dargestellt als xy. So weit, so gut.

Der dumme Bauer und sein Wunsch nach einfachem Reis

Es gibt eine Geschichte über einen armen Bauern, der durch seine Großtat vom König des Landes belohnt werden soll. Der König gibt dem Bauern die freie Wahl, sich seine Belohnung selbst zu wünschen. Der Bauer bat um ein Schachbrett mit seinen üblichen 64 Feldern. Auf das erste Feld solle ein Reiskorn gelegt werden. Auf das zweiteFeld zwei Reiskörner, auf das dritte Schachbrettfeld vier Reiskörner, auf das vierte Feld acht Reiskörner, usw, bis zum 64-ten Feld. Der Bauer wünschte sich lediglich die Gesamtzahl der Reiskörner bis zum letzten Schachbrett-Feld. Der König lachte den Bauern aus, gewährte seinen Wunsch und hielt ihn für dumm und dämlich bis geht nicht mehr. Als jedoch die Hofmathematiker die Anzahl der Reiskörner berechneten, war das Lachen des Königs sehr schnell verstummt.

Keiner soll jetzt auf die Idee kommen, ein Schachbrett und ein oder zwei Packungen Reis zu kaufen, um es auszuprobieren. Nicht weil es zu umständlich wäre, nein, der Reis in allen Geschäften der Stadt, im Landkreis, im Bundesland, ja nicht mal in ganz Deutschland würde reichen, um dem Bauern seinen Wunsch zu erfüllen!

Die Berechnung geht ganz schnell, einfach im Taschenrechner 264 eintippen, fertig.
Das Ergebnis: 18.446.744.073.709.552.000. In Worten: 18 Trillionen 446 Billiarden 744 Billionen 73 Milliarden 709 Millionen 552 Tausend Reiskörner. Für 1 kg werden rund 50.000 Reiskörner benötigt. Daraus resultieren ca. 368 Milliarden 934 Millionen 881 Tausend 4 Hundert 80 Tonnen benötigte Reiskörner. Die jährliche Welt-Reisproduktion liegt bei ca. 520 Millionen Tonnen. Der König hat dem „bescheuerten“ Bauern lachend die weltweite Reisproduktion der nächsten gut 700 Jahre zugesprochen!

Zinseszinssystem

Einfache Mathematik
Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

Ich gebe zu, damals als ich die Geschichte hörte, konnte ich es kaum glauben, rechnete aber nach. Es liegt in der Natur des Menschen, sich eine Exponentialfunktion nicht vorstellen zu können. In der Natur kommen diese mathematischen Gesetzmäßigkeiten in wenigen Fällen vor. Wer gerade eine schwere Erkältung auszustehen hat, der ist höchstwahrscheinlich zu einem Opfer dieser mathematischen Funktion geworden. Von Jemanden „angehustet“ worden, eine Bakterie eingefangen und diese hat sich durch Teilung vermehrt, mit dem mathematischen Prinzip des Reis‘ auf dem Schachbrett. Aber im allgemeinen bringt eine Exponentialfunktion in der Natur immer irgendwelche zerstörerische Folgen mit sich. Denn grafisch dargestellt ist die Exponentialfunktion eine steigende, immer steiler werdende, aber ins Unendliche gehende Linie. „Unendlich“ gibt es nicht, zumindest nicht was im Allgemeinverständlichen als „irdisch“ bezeichnet wird. Mit der „Unendlichkeit“ steht oder fällt sogar jede aufgestellte astrophysikalische Theorie.

Warum dieser „Blödsinn“ mit Exp.-Funktion und Reiskörner?

Weil das weltweite Geldsystem mit seinem Zinseszins exakt diese mathematische Gesetzmäßigkeit folgt. Es basiert exakt auf die Exponentialfunktion. Die Geldvermehrung durch Kreditaufnahmen und der Gelderschaffung aus dem Nichts über den Zinseszins basieren exakt genau auf diese Exponentialfunktion. Darum sind die Länder auch gezwungen, den steigenden Zinsen durch steigende Schulden mit immer größerem Wachstum zu begegnen. Aber Wachstum kann im besten Falle für eine Zeit lang der Exponentialfunktion folgen, aber ganz gewiß nur für kurze Zeit, denn ein unendliches Wachstum ist völlig ausgeschlossen.

Der Schuldenberg mancher Länder ist inzwischen schon so weit angestiegen, dass selbst „nur“ für die Zinsen erneute Kreditaufnahmen getätigt werden müssen. Eigentlich eine totale Bankrott-Erklärung, falls nicht immer der EFSF-Rettungsschirm dazwischen geworfen werden würde. Deutschland kann noch seine Zinsen abzahlen, noch. Eine Deflation, sprich Rezession ist Gift für das vorherrschende Geldsystem. Für das Jahr 2012 wird sogar eine zumindest leichte Rezession befürchtet.
Eine Inflation wird bisher meist als ein richtiges „Übel“ angesehen. Eine gemäßigte Inflation im kleineren Prozentbereich ist sogar erwünscht und bringt im kranken Geldsystem sogar Vorteile. Steigende Preise und Geldentwertung treten den Schulden entgegen. Die Grenzen sind mit einer galoppierenden Inflation oder gar Hyper-Inflation weit überschritten. „Ein Glas Rotwein pro Tag ist gesund, alles was darüber hinaus geht, macht krank“.
Eine Deflation hingegen ist wie Benzin ins Feuer schütten. Nur der allererste Blick scheint durch die fallenden Preise ein Vorteil für Endkunden darzustellen. Was im Hintergrund aber durch eine Deflation ausgelöst wird, kommt einer bösen Kettenreaktion gleich. Sinkende Preise für den Endkunden bedeuten für Verkäufer, Zwischenhändler und Hersteller niedrigere Einkommen. Der Zwang zum (ewigen) Wachstum braucht jedoch das Gegenteil, mehr Einnahmen, weniger Ausgaben, höhere Produktivität. Weniger Gewinne aber bedeuten meist Entlassungen von Personal. Arbeitslose besitzen eine geringere Kaufkraft. Damit überhaupt Irgendwer noch was kauft, müssen die Preise noch weiter runter. Im Sozialstaat Deutschland müssen ARGE und Hartz IV bezahlt werden, Deutschland hat überhaupt kein Geld mehr, also müssen weitere Kredite erbettelt werden, denn die Steuereinnahmen sind durch hohe Arbeitslosigkeit und Firmeninsolvenzen inzwischen in den Keller gerauscht…… Eine Abwärtsspirale, die durch eine Deflation in Bewegung gesetzt werden würde.

Gäbe es selbst keine Deflation, würde es das ein Zerreissen des Geldsystems auch nicht verhindern, sondern nur verzögern. Die Bundesregierung steht mit geschwellter Brust vor den schon Beinahe-EU-Pleite-Staaten und stimmt mit aller Großzügigkeit einem Hilfspaket nach dem anderen zu. Es wird immer leichtsinnig darüber hinweg-geschwiegen, dass auch ein „bisschen“ Schulden, trotzdem immer mehr Schulden sind, dass ein ausgeglichener Haushalt noch lange keine Tilgung der bisherigen Schulden bedeutet.

Den Weg zum tatsächlichen Schuldenabbau wird der Bundeshaushalt nie und nimmer mehr eingehen können. Dafür ist der Zug spätestens durch den EFSF schon längst abgefahren. Der „EU-Großsegler“ geht bereits unter, selbst wenn die Segel noch nicht gestrichen worden sind. So wird auch Deutschland, mit der Position an der Spitze des Hauptmastes, am Ende die Wasseroberfläche unterschreiten.



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4 thoughts on “Was haben Reis, Schachbrett und Zinsen gemeinsam?

  • Hallo,

    2^63 müsste man in diesem Zusammenhang in den Taschenrechner eintippen (64 Felder, aber auf Feld 1 ist 1 Reiskorn und Feld 2 schließlich zwei Reiskörner mit 2^1).
    Dadurch ist die Zahl „nur“ halb so groß 😉

  • Sorry, ich hatte nicht beachtet, dass man diese danach summiert, was schließlich (fast, da -1) zu 2^64 führt.

    Grüße S.

  • Warum löschen? Ich habe die Kommentare „anonymisiert“. Vielleicht eine Denk-Stütze, „warum es halt so ist“… 😉

Kommentare sind geschlossen.

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