„Schande“ überkommt die Medien


Ein Satzfragment aus drei Wörtern bringt derzeit die Medien heftig in Wallung. „Denkmal der Schande“ lautet die vom AfD-Politiker Björn Höcke wohl unbeabsichtigt kreierte Angriffs-Losung.

Wenn Formulierungen interpretiert werden

A-B-C

Die deutsche Sprache ist sehr exakt
Das Potenzial sollte genutzt werden

Die Wortzusammenstellung „Denkmal der Schande“ kreist derzeit durch alle großen Print-, TV- und Online-Medien. AfD-Politiker Höcke sprach diese Formulierung aus und die Medien schleudern deren Interpretationen mit aller Wucht zurück.

Völlig losgelöst von den jeweiligen Hintergründen nun die Frage, worin liegt in den beiden folgenden Sätzen der Unterschied?

„Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

Denkmäler der Schande und der Trauer, des Stolzes und der Freude sind notwendige Grundsteine des neuen Deutschland und der neuen Bundeshauptstadt“.

Der erste Satz wurde vom Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke formuliert und der zweite Satz vom Deutschen Bundestag (Drucksache 14/3126) am 06.04.2000.

In der Tat, die jeweiligen Formulierungen in Bezug auf „Schande“ lassen Spielraum für Interpretationen. So sind die einschlägigen Medien durchgehend der gleichen Meinung, dass Höcke die Denkmäler an sich als eine Schande bezeichnete und die F.A.Z. macht auch gar keinen Hehl daraus: „AfD-Politiker Höcke nennt Holocaust-Mahnmal eine Schande“, so der Titel am 18.01.17.

Auf die Variante im Sinne von „Denkmäler an die damalige Schande“ scheinen die bis an die Grenzen empörten Medien gar nicht erst zu kommen.

Ebenso viel Spielraum ließe allerdings auch die Formulierung „Denkmäler der Schande“ des Deutschen Bundestages zu. Damals glaubten die Medien offenbar auch, die Bedeutung richtig interpretiert zu haben und es blieb Still in der Landschaft.

Schließt man einen Gesinnungswechsel der Medien aus, scheint das Geheimnis wohl nur im Unterschied zwischen Singular und Plural zu liegen.


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