Gutes Sonntagsfrühstück mit 4,3 Mio. Ausgeschlossenen


Gutes Essen in hoher Qualität hat seinen Preis. Da darf es auch schon mal ein extravagantes Sonntagsfrühstück sein. „Zeit Magazin“ stellte ein „Breakfast Bun“ vor, das „müde Menschen gut in den Tag bringen“ soll. Das gilt aber nicht für alle. Rund 4,3 Millionen Menschen in der Bundesrepublik sind ausgeschlossen und müssen sich mit dem Lesen des Rezepts sowie ihrer Vorstellungskraft begnügen.

Gutes Sonntagsfrühstück für rund 18 Euro – Warum nicht?

Schnittlauchbrot

Ein einfaches Frühstück darf's nicht sein

Bei einer von Zeit Online in Facebook präsentierten Einkaufsliste für „3 Leckere Breakfast Buns“ fielen mir sofort der „Guryère Hartkäse“ und der „Bresaola Rinderschinken“ ins Auge. Das weckte meine Neugier. Was mögen denn diese Zutaten kosten? Über drei Brötchen, drei Eier und etwas Schnittlauch habe ich einen relativ guten Überblick.

Das von „Zeit Magazin“ vorgestellte Sonntagsfrühstück nach dem Motto „Einfach gute Rezepte“ besteht aus und kostet rund:

  • 3 Brötchen für rund 0,90 Euro
  • 1 Bund Schnittlauch für rund 0,90 Euro
  • 200g Gruyère für rund 3,90 Euro
  • 3 Eier („Freiland“) für rund 1,30 Euro
  • 200g Bresaola für rund 11,- Euro
  • Zusammen: ca. 18,- Euro
  • 18,- Euro, ein happiger Spaß für ein „einfach gutes Frühstück“. Das zählt aber nicht, denn „auf das Innere kommt es an“, so die Devise.

    Mit diesem Rezept spricht „Die Zeit“ offenbar ihr noch übrig gebliebenes Klientel an und rund 4,3 Millionen Menschen zählen nicht dazu. Diese beziehen Hartz-IV. Es sei denn, die von Hartz-IV Abhängigen und Drangsalierten finden sich in einer Gruppe aus 5 Personen zusammen und „bilden einen Haushalt“. Dann klappt das auch mit dem vorgestellten Sonntagsfrühstück.

    4,3 Mio. Einzelpersonen von „Zeit Magazin“ Frühstück ausgeschlossen

    Der Regelsatz bei Hartz-IV sieht für eine erwachsene Personen für Lebensmittel (inkl. Tabak, inkl. alkoholfreie Getränke!) rund 139 Euro vor. Das sind pro Tag gerade mal ca. 4,65 Euro und nicht nur für das Frühstück, sondern auch für das Mittagessen und das Abendessen. Eine Hartz-IV-Position für „Snacks für Zwischendurch“ gibt es nicht.

    Leben im gleichen Haushalt zwei Kinder im Alter von irgendwo zwischen 6 und 13 Jahren, kämen pro Tag knapp 7 Euro dazu. Das macht zusammen 13,65 Euro, reicht also noch nicht für ein Sonntagsfrühstück „à la Die Zeit“.

    Nehmen wir ein weiteres Kind im Alter von höchsten 5 Jahren dazu. Das stockt den Hartz-IV Nahrungsmittel-Tages-Etat um weitere gut 2,85 Euro auf. Also zusammen 16,5 Euro. Nun sind es schon 4 Personen im Haushalt und es reicht immer noch nicht.

    Nun tauschen wir das höchsten fünfjährige Kind mit einem höchstens 13-jährigen aus. Schon erhöht sich der gesamte Tagessatz auf rund 17,15 Euro. Sowas?! Reicht immer noch nicht.

    Also nehmen wir das jüngere Kind wieder mit rein und stocken den Tagessatz um weitere 2,5 Euro auf. BINGO! 19,65 Euro. Da bleibt sogar noch was übrig. Der Überschuss von 1,65 Euro kann zum ausgiebigen Sonntags-Frühstück für 1 Erwachsenen, 3 Jugendliche und 1 Kind für ein nicht dem Wasserhahn entnommenes Getränk beisteuern. Schließlich steht dieses „Extra-Getränk“ lt. Hartz-IV Regelsatz auch zu!

    3 Brötchen für 5 Personen, aber dafür den ganzen restlichen Sonntag nichts mehr. Wohl bekommt’s.

    In den Kommentaren zum Rezept warf eine „Reza Rosenbaum“ ein, dass diese „Breakfast Buns“ zusammen rund 2400kCal lieferten und somit den Tagesbedarf eines Erwachsenen deckten. Bei 5 Personen fielen jedoch pro Schlemmermund nur 480 kCal ab, für den gesamten Tag versteht sich. Ist also eine hervorragende Diät.


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