Ein Stromspargerät für den Haushalt und die Industrie – Erheiterung

Die Gattung Kristallkugel-Leser und Wahrsager stirbt nicht aus

Der Tag ist noch jung, der erst morgentliche Kaffee, ein wenig im Deutschland-Twitter herumgestöbert und bin auf ein Post bezüglich eines „Stromspargeräts“ gestolpert. Da mich dies auch aus beruflichem Hintergrund interessiert hatte, ging ich der Sache gleich mal etwas nach. Noch völlig unbefangen bin ich auf der Hersteller-Seite gelandet und fand schon bald die technische Erklärung der Wirkungsweise dieses Stromspargerätes.
Schon der erste Satz ließ mich aufhorchen:
„Erkenntnisse aus der Quantenphysik“ war da zu lesen. Soso, da war ich jetzt aber richtig gespannt…
Es wurden Forschungen im Rahmen der russischen Raumfahrt durchgeführt, unter Anleitung russischer und ukrainischer Wissenschaftler.
– Aha, musste ich einfach mal so hinnehmen, spricht noch nichts dagegen.
Diese wollen nachgewiesen haben, dass die gesamten Informationen aller Materie im Elektron der Atome abgespeichert sei.
– Jetzt wurde es schon etwas „haarig“, das erste Grinsen hatte ich schon.
Diese Materie-Information sei als Eigenspin (Drehung) entweder im Uhrzeiger- oder im Gegenuhrzeigersinn unterscheidbar
– Bing, das haut nicht hin. Der sog. Eigenspin wird gerne als Drehung verstanden, ist aber in der Quantenphysik alles Andere als eine eigentliche räumliche Drehung zu verstehen (nachlesbar).

– Jetzt kommt schon rein sinngemäß der erste Lapsus:
Im „Normalfall“ sollen Elektronen sowohl biologisch negative als auch positive Informationen mit sich führen, welche rein durch die Drehung im Uhrzeiger- oder Gegenuhrzeigersinn verursacht werden.
– Ich frage mich rein logisch, was ist der „Nicht-Normalfall?“ – hier gibt es keine Erklärung.
Zumindest sollen Elektronen in elektrischen Strömen überwiegend die negativen Informationen mit sich führen und somit den „schädlichen Elektrosmog“ auslösen.
– Wenn da mal nicht die schon lange vereinten Elementarkräfte elektrischer Strom und Magnetismus, sprich Elektromagnetismus, wieder auseinander gerupft werden…

– Jetzt werden sogar Namen genannt:
Ein Prof. Andropow von der Akademie der Wissenschaften in Moskau (habe schon gegoogelt, außer Seiten zu diesem Produkt und eine Biographie keine Ergebnisse) behauptet dass diese Elektronen einen Eigenspin von 32-facher Lichtgeschwindigkeit erreichen können.
– Jetzt werden die relativistischen Gesetze ausgehebelt…

So wie ich lt. Erklärung zu diesem Produkt verstanden habe, läßt sich der Grad, bzw. die Geschwindigkeit des Elektron-Eigenspin direkt auf seine Wertigkeit zum Negativen oder Positiven hin ableiten. Je schneller es sich z.B. im Uhrzeigersinn dreht, desto negativer ist die biologischen Energie.
Das Gerät vermag es, diese Elektronen in seiner Drehrichtung dahingehend zu beeinflussen, um ein Spin gegen den Uhrzeigersinn, also gen positive Energie zu erreichen.
Diese erreichten Eigenschaften hätten spürbare, sogar beweisbare positive Wirkungen auf die Umwelt. Der Elektrosmog würde aufgehoben werden und die Menschen würden sich viel wohler fühlen, die Gesundheit sogar gefördert.
– Schon starker Tobak, gut dass ich meinen Kaffee zur Hand hatte.

So jetzt kommt der „Stromspar-Effekt“.
Die Effizienz der Leistung (elektrische Leistung) würde alleine durch den erhöhten Eigenspin der Elektronen erhöht werden. Selbst ohne Beeinflussung von Spannung und Stromstärke würde pro Elektron mehr Leistung abgegeben.
– Ohoh, das hebelt P = U x I (Leistung = Spannung mal Stromstärke) komplett aus. Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass die sog. klassischen Gesetze in vielen Bereichen der ganz, wirklich ganz kleinen Größenordnungen, also in den Gebieten der Quantenphysik ihre Regel verlieren, so widerspricht dies jedoch dem Energieerhaltungssatz. „Energie kommt und geht nicht einfach so“, sondern wird im Besten Fall von einer Energieart in eine andere umgewandelt. Energie kann auch nicht so einfach aus dem „Nirgendwo oder Irgendwo“ erzeugt werden, selbst die Nullpunkt-Energie (Vakuum) hat seinen Ursprung. Genauso wenig kann Energie „vernichtet“ werden. „Vernichtete Energie“ ist im Sprachgebrauch die Energie, die als Ergebnis nicht gewünscht war, bzw. für einen bestimmten Zweck nicht gebraucht werden kann.
Ich stelle mir jetzt einfach die Frage, woher soll die (wohl horrend benötigte) Energie kommen, um den einzelnen Elektronen massenhaft einen anderen „Drehimpuls“ zu verpassen?

Die Produktbilder auf der besagten Seite zeigen lediglich den groben Aufbau der „Stromspargeräte“. Keinerlei weiteren Details zum technischen Aufbau, bzw. zu den verwendeten Materialien. Rein äußerlich scheinen es reine „Passiv-Geräte“ zu sein, welche keinen eigenen „Stromverbrauch“ haben. Aktiv-Geräte würden den Gesamt-Wirkungsgrad (es werden Einsparungen von bis zu 25% versprochen) wohl erheblich drücken. Passiv-Geräte unterliegen wie alles Andere (beim elektrischen Strom) auch dem Ohmschen Gesetz. Da wird dem Stromfluss ein Widerstand entgegengesetzt, der in aller Regel als Wärme abgegeben wird. In diesem Fall mit Sicherheit eine unerwünscht abgegebene Energie, die aber irgendwo herkommen muss.

Jetzt mal ganz hypothetisch:
Das „Stromspargerät“ hat einen inneren Widerstand von 0,5 Ohm
Der durchschnittliche Stromfluss beträgt 10A (Haushalt)
Lt. Ohmschen Gesetz ergibt das einen Spannungsabfall von 5 Volt am „Stromspargerät“
Ergo ein „Leistungsverlust“ von 50W, welches dem Haushalt nicht mehr zur Verfügung steht.
Bezogen auf 1-phasen-Netz (230V) ergeben 10 A eine Haushalts-Leistungsaufnahme von 2300W.
Das „Stromspargerät“ verspricht bis zu 25% Ersparnisse, also 575 Watt.
Zusammen mit dem Eigenverbrauch von 50 W also eine Leistung von insgesamt bis zu 625 Watt.
Die theoretisch benötigte Energie, um den Elektronen einen „verbesserten Eigenspin“ zu verpassen, lasse ich mal außen vor, das ist ein Thema für Physiker und vor allem Philosophen.

Sollte ein besserer Vorschlag vorhanden sein, dann bitte, ich bin dankbar für jede Aufklärung.

Ach ja, das Thema zu diesem Stromspargerät ist schon heiß diskutiert worden – hier

Zur Belustigung in der Früh war dies genau das richtige Thema für mich.
Wenn so ein „Stromspargerät“ für 2.000,- Euro an den Mann gebracht werden kann, ok, wer soviel übrig hat und nichts damit anzufangen weiß, der kann sich ja gerne ausrechnen, wie lange es dauern würde, bis die Stromkosten-Einsparungen die Rechnung wieder wett gemacht haben…sollte das Gerät sein Wunderwerk auch wirklich vollbringen…

Eines muss ich allerdings sagen, der Verkaufstext zum „Stromspargerät“ ist nicht schlecht. Alles mit drinnen. Schlüssige (vermeintliche) Erklärungen, Darlegungen, eine Portion Angst und viele Vorteile….

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