Deutsche Fussballfans entmündigt – Patriotismus & Nationalismus

Heute steht das Halbfinal-Spiel zur Europäischen Fussball EM 2012 Deutschland gegen Italien an. Eigentlich keinen Artikel wert und dies obendrein gleich mit dem ersten Satz als Hinweis einzuleiten. Wenn da nicht ein Artikel in der Online-Variante einer großen süddeutschen Zeitung (Leistungsschutzrecht läßt grüssen) gestanden hätte, würde ich es mit einer Kenntnisnahme zum Spielergebnis belassen.

Die sonst relativ besonnene Zeitung überließ sog. Sozialwissenschaftlern mit der heutigen Ausgabe eine Plattform, um ihre „geistigen Ergüsse“ zum Thema Fussball, Fahnen schwenken, Patriotismus und Nationalismus, pünktlich abladen zu können.

Sozialwissenschaftler widersprechen Politiker

BRD Farben

Reiner Nationalismus?
Die Farben der BRD

Die weltweit auffällige Zurückhaltung der deutschen Fussballfans nach gewonnenen Spielen internationaler Begegnungen fand mit der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ein Ende. Seitdem sind die Kommunen sogar darum bemüht, dem Schwarz-Rot-Goldenem Treiben wenigstens noch bei den Vorrundenpsielen Einhalt zu gebieten. Ruhestörung und Mißachtung der StVo werden hier in den Vordergrund gestellt.

Bis dato waren sich die politischen Lager sogar einig. Fussballfans in Kleidung oder Kleidungsstücken mit den Farben Schwarz-Rot-Gold, dazu noch die Nationalfarben als Flaggen bei den Autokorsos schwenken, sind ein „positives Zeichen“ und drücken „harmlosen, weltoffenen und gutgelaunten“ Patriotismus aus. Zu dieser Meinung kam sogar Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Von den Grünen ist man schon ganz andere Zitate bezüglich dem „deutschen Nationalgedanken“ gewohnt.

Über die weiteren fussballerischen Großereignisse hinweg wurde der Anblick von deutschen Fahnen an den Fassaden der Gebäude und Vorgärten bereits zur Selbstverständlichkeit. Bis auf die „möchtegern-Nachwuchs-Grünlinge“ aus dem Bundesverband der Grünen Jugend waren sich die Parteien durchwegs einig und sprachen sich für die Ausdrucksweise der Fussballergemeinde aus.

Bestätigte „Unverkrampftheit“ bei gleichzeitiger Entmündigung

Was tragen nun die o.g. Sozialwissenschaftler bei? Die „Wissenschaftler“ halten den Patriotismus in Deutschland für bedenklich. Würde sich doch nach deren Ansicht die Gefahr einer Verwechslung zwischen „Patriotismus“ und „Nationalismus“ in Deutschland besonders hartnäckig halten.

In den letzten Jahren sei eine deutliche Lockerung zu der gewöhnlich verkrampften Einstellung zum Patriotismus bemerkbar, aber die Wissenschaftler „bestätigen“ dem deutschen Bürger eine unbewusste Neigung zum schleichenden Übergang in den Nationalismus.

Der definierte Unterschied
Mit dem gemeinsamen Kern, den Bezug und die Identifikation zum eigenen Land, wäre der Schritt zwischen Patriotismus und Nationalismus nur sehr klein. Der grundlegende Unterschied liegt darin, dass der Patriot stolz auf die errungene Demokratie und das soziale Gefüge im eigenen Land ist. Der Nationalist sieht sein Land als Bezug im Vergleich zu anderen Ländern.

Mitläufer und Party-Patrioten

Dem Bericht zufolge besitzen deutsche Fussballfans bei ihren freudigen Umzügen eine gehörige Portion Nationalstolz und Vaterlandsliebe. Ein Bezug auf Demokratie und soziale Errungenschaften ließen die Fans jedoch vermissen. Mitläufer aus Lust auf Spass und Party, gepaart mit dem Ausdruck der Nationalität durch Fahnen, ist für die Wissenschaftler nichts anderes als Nationalismus.

Bezug auf genetische Festlegungen

Deutsche Fussballfans unterscheiden sich offenbar deutlich von den Fans in Großbritannien, in Frankreich, in den USA, oder sonst einem anderen Land. Die Wissenschaftler kommen zum Schluss, dass das „Selbstverständnis von Staatsbürgerschaft“ unterschiedlich ausgeprägt sei. Deutsche bezögen diese Selbstverständnis auf die Abstammung. Die Bürger anderer Länder hingegen sehen in ihrem Geburtsort den Bezug auf den Patriotismus.

Das Resume: „Das alltägliche Staatsverständnis ist in Deutschland von genetischer Abstammung geprägt. Der Nationalismus wirkt sich aus diesem Grund negativer aus!“

Überflüssiger kanns nicht sein

Ich bin der Meinung, dass genau solche „wissenschaftliche Abhandlungen“ zu dieser „Verkrampftheit“ führten. Mit Argumenten zu hantieren, die in einem anderen Kontext zu juristischen Aburteilungen führen würden, ist bereits starker Tobak.

Der zeitlich punktierte Bericht unterstreicht wiederholt die Absichten, mit unterschwelliger Suggerierung, in eine bestimmte Richtung zu lenken. Heute ist es die „offensichtliche Unmündigkeit des deutschen Bürgers“, gestern noch war es Sarrazin mit dem Stopfen eines Sommerlochs und der Ablenkung vom europäischen Polittreibens.

Die im Bericht kritisierte WM-Kampagne 2006 „Du bist Deutschland“ diente in erster Linie der Kommerzialisierung. Als wenn Deutschland jemals einen Kinofilm gebraucht hätte, zog es die Menschen scharenweise an die Kinokassen.

Auch ohne dem Treiben des Fussball-Kommerz: Ich „bin lieber Deutscher“ als „Papst“!





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