Der Untergang Schlecker als Spiegelbild der EU-Krise

Führungsstil, Untergang und Zeitpunkt passen sehr gut mit den Vorgängen innerhalb der EU-Finanzkrise zusammen. Entwicklungen die eigentlich nicht für Überraschungen sorgen sollten.

Das unrühmliche (vorläufige?) Ende des Familienunternehmens Anton Schlecker wird die Medien noch eine Zeit lang beschäftigen. Bereits am 23. Januar 2012 einen „3-fachen“ Insovlenzantrag gestellt (Schlecker e.K., Schlecker Home Shopping GmbH und Schlecker XL GmbH), der zum Ende März 2012 auch eröffnet wurde. Der vorerst letzte große Akt wurde mit dem Entschluss, die Marktkette zu zerschlagen, am 01. Juni 2012 abgeschlossen.

Ein Drogeriemarkt Imperium als Einzelunternehmen

Gegenüber beinahe allen bisherigen Insovlenzverfahren in dieser Größenordnung, gibt es einen sehr wichtigen Unterschied. Die Geschäftsform des Schlecker Konzerns ist in dieser Dimension vollkommen unüblich. Weder GmbH noch AG, sondern ein Einzelunternehmens des Anton Schlecker. Gegründet und bis zum „Showdown“ geführt als eingetragener Kaufmann (e.K.).

Die Konsequenz ist ein unbeschränkte Haftung des Hrn. Schleckers mit seinem gesamten Privatvermögen. Die Beweggründe, warum für den Hauptzweig des Unternehmens keine GmbH gegründet wurde, sind offenbar nicht geklärt. An 25.000 oder 50.000,- Euro Einlage sollte der Schritt jedoch nicht gescheitert sein.

Es liegt auf der Hand, dass die Insolvenzverwaltung hinreichend damit beschäftigt ist, sämtliche Unterlagen auf „interne Überschreibungen“ zu überprüfen. Eine reine formelle Angelegenheit, die es schlicht zu beachten gilt.

Das Familienvermögen schrumpft

Läuft alles seinen geregelten Weg, werden Gläubiger und Insolvenzverwalter beim Hrn. Schlecker mehrfach vor der Haustüre stehen und offene Forderungen buchstäblich einfordern. Das Privatvermögen des Hrn. Schleckers, bzw. der Familie Schlecker soll nach einschlägigen Medien von einem Milliardenbetrag bereits auf eine „mickrige“ 2-stellige Millionensumme geschrumpft sein.
Bereits vor dem Insolvenzantrag sollen viele Millionen Euro zur Restrukturierung des Unternehmens aus dem Privatvermögen Verwendung gefunden haben..

Werden zweierlei Maß angesetzt?

Euroschirmchen

Mit Privatvermögen in die Insolvenz

Am Ende müsste Hr. Anton Schlecker Privatinsolvenz beantragen. Die Haftung der gesamten Familie für ein Einzelunternehmen (personenbezogen) ist (noch) nicht vorgesehen, bzw. zulässig. Ein Insolvenzgericht prüft die Forderungen, stellt die zur Verfügung stehenden Mittel auf und „ruft“ öffentlich ggfs. unwissende Gläubiger auf, um Titel einzureichen. Wird der Weg einer Privatinsolvenz zugelassen, stündem den ehem. Milliardär 6 Jahre Leben „in Askese“ bevor.

Nach Ablauf der Zeit ist der Antrag auf Schuldenerlass fällig. Das Insolvenzgericht überprüft abschließend Hrn. Schlecker auf „Lebens- und Führungsstil“ der letzten Jahre. Nach „guter Führung“ erfolgt die Restschuldbefreiung.
Soviel zur vereinfacht dargestellten Theorie.

Soweit der Familienzusammenhalt in Ordnung ist, würde Hr. Schlecker ein durchaus angenehmeres Dasein fristen als seine „normalsterblichen“ Zeitgenossen. Zu einem friedlicheren Leben gehören bereits die fehlenden Harz IV Anträge und das Verschonen vor dem (oft unverschämten) Treiben der Arbeitsagentur.

Interessant wäre in der Praxis lediglich, ob im Fall einer echten Privatinsolvenz die gleichen Maßstäbe angesetzt werden würden, als wenn ein Arbeitnehmer die 20.000,- Euro nicht mehr aufbringen könnte.

Die Medien haben sich noch nicht eingeschossen

Auf der einen Seite stehen natürlich die vielen Schlecker Mitarbeiter. Ungewisse Zukunft nach Insolvenz, Zerschlagung und finale Kündigung. Auf der anderen Seite befindet sich Familie Schlecker mit Anton Schlecker an der Front. Durch direkte Abhängigkeiten stehen jetzt weitere Unternehmen vor dem Aus. Die Schlecker Kinder erscheinen derzeit in den Medien offenbar besorgt um die Zukunft des Unternehmens und die der Mitarbeiter. Letztendlich zählen aber die Resultate.

Für traditionelle Schwierigkeiten scheint das etwas eigenwillige Verhalten des schwäbischen Unternehmers gesorgt zu haben. Ein „geiziger Sturschädel“ käme der Beschreibung am Besten gleich. Offensichtlich führte er seine Drogerie-Kette mit der Flexibilität eines großen Felsbrockens im Fluss. Die beständigen Veränderungen der Märkte und die Bedürfnisse der Kunden wurden ignoriert. Der Fels ist jetzt „blank“ geschliffen.

Reine Spekulation

Wer nicht dabei war und sich nur auf die Aussagen und Meinungen Dritter verlassen kann, sollte stets skeptisch bleiben. Das gilt auch für die Darstellungen eines Anton Schleckers in den Medien. Sollten die Beschreibungen über Person und Charakter zutreffend sein, erscheint das die Geschäftsform „Einzelunternehmer“ als beinahe logisch.

Die Einzelperson als Verantwortlicher für eine Firma behält sämtliche Fäden in der Hand. Alle Entscheidungen entspringen aus einem einzigen Fokus. Eine GmbH zu gründen „degradiert“ den Inhaber zu einem (inhabenden) Geschäftsführer. Nach Außen müssen Türe geöffnet werden, die eine Kontrollen zulassen. Das hätte dem Führungsstil eines Anton Schleckers widersprochen. Die „AG“ wäre ein Albtraum gewesen.

Schlecker Insolvenz passt in den Zeitgeist der EU-Finanzkrise

Nach Quelle kommt jetzt eben Schlecker. Die ehemaligen Giganten gingen als Sprösslinge der Konjunktur-Lokomotiven des letzten Jahrhunderts hervor. Die Endstation haben beide Unternehmen bereits erreicht und werden zum alten Eisen geworfen. Es werden noch weitere vermeintliche Riesen folgen.

Die teils sture Führungshaltung und der nicht mehr aufzuhaltende Untergang der Schlecker Kette finden in der deutschen Politik ein Spiegebild. Mit Finanzspritzen aus anderweitig zugeteilten Ressourcen soll das Zerbrechen der Euro-Zone aufgehalten werden. „Restrukturierungen“ einer maroden EU-Firma mithilfe des ESM, werden die Endstation aber um keinen Millimeter nach hinten versetzen.

Forderungen der Gläubiger werden bis zu den Privatvermögen der Bürger durchgereicht werden.







Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

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