Wie Kauder eine ungewollte Brücke zu Kissinger schlägt

Volker Kauder legt seine Finger in eine offen gehaltene Wunde Europas


Das Verhältnis zwichen Deutschland und Großbritannien scheint nach der Rede Kauders vor dem CDU-Parteitag schwer in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, wenn man die Argumentationen der Medien Folge leisten würde. Die gleichzeitige Verleihung der Goldenen Victoria vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger an Henry Kissinger, lässt so manche Erinnerungen wach werden.

Henry Kissinger

Henry Kissinger

Henry Kissinger, eine noch immer schillernde Figur der Politik, erhielt die Goldene Victoria vom VDZ, der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, für sein Lebenswerk überreicht und fand dabei noch Worte, die EU zu kritisieren. Für den ehemaligen US-Außenminister „fehlte der EU das gefühlsmäßige Bekenntnis der europäischen Völker“ und käme einem „technischen Appart“ gleich. Gleichzeitig warnte Henry Kissinger vor den wachsenden politischen Spannungen angesichts der internationalen Finanzkrise. Das gesamte Wirtschaftssystem laufe Gefahr durch die Globalisierung unberechenbar zu werden und die Politik vor schweren Aufgaben zu stellen. Bundespräsident Christian Wulff fand für Kissinger in seiner Laudatio lobende Worte. Kissinger hat „tragfähige Brücken zwischen Amerika und Europa gebaut und so maßgeblich zu einem tieferen Verständnis zwischen Europa und Amerika beigetragen“.

Eine weitere tragfähige Brücke zwischen Deutschland und Großbritannien wird wohl nach der Rede vom Unions-Fraktionschef Volker Kauder geschlagen werden müssen. Einige Sätze seines Vortrages auf dem CDU-Parteitag lassen Politiker beider Länder die Hände vors Gesicht schlagen und liefern vor allem den englischen Medien eine Steilvorlage. Von „Selbstgerechtigkeit und Arroganz“ in einer „unerträglichen“ Sprache wird in den britischen Medien berichtet. Auf einen Satz Kauders wird besonderes Gewicht gelegt: „Nur den eigenen Vorteil suchen zu wollen und nicht bereit sein, sich auch einzubringen – das kann nicht die Botschaft sein, die wir den Briten durchgehen lassen.“ – Zugegeben, in Anbetracht der (historisch begründeten) Rolle Deutschlands innerhalb der EU, ist diese Aussage wie Benzin ins stetig am Lodern gehaltene Feuer zu gießen. Würden z.B. Politiker aus Frankreich, Italien oder gar Großbritannien diese Wortwahl benutzen, wäre diese Argumentation lediglich ein Ausdruck der „naturgegebenen“ Interessenswahrung.

Dass ausgerechnet Deutschland innerhalb Europas eine „Führungsrolle“ übernimmt, dürfte bei einigen Ländern Kopfzerbrechen und saures Aufstossen verursachen. Sarkozys Vergleich mit der Rolle Deutschlands innerhalb der EU als „Versailles ohne Krieg“, geht nahtlos über zu einem Zitat Henry Kissingers zur Kriegsschuldfrage: „Letztendlich wurden zwei Weltkriege geführt, um eben das, eine dominante Rolle Deutschlands, zu verhindern.“ („Welt am Sonntag“, 23.10.94)



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Quelle: welt.de
Bild: swiss-image.ch/Norbert Schiller

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