Iran könnte mit Raketen Europa treffen – Die Systemmedien outen sich

Das offensichtliche Schüren von Angst klingt beinahe schon peinlich

„Irans Raketen können europäische Städte treffen“, so titelte Welt-Online am 09.11.2011 als Einleitung zum Bericht über das „beunruhigende“ iranische Atomprogramm. Obwohl auch europäische Metropolen bedroht seien, wären „Sanktionen unwahrscheinlich“. Das klingt schon beinahe nach einem Ausdruck des Bedauerns.

Diese Schlagzeile stellt so manchen Leser vor einem „Déjà Vu“. War da nicht einst die Behauptung, der Irak könne mit seinen „Milzbrand-Verseuchten“ Raketen die Städte Europas treffen? Tatsächlich titelte ebenfalls Welt-Online am 18.12.1998 „Irak-Raketen könnten uns bedrohen, Schröder und BND warnen vor Gefahren für Deutschland durch Saddams neue Waffen“. Der zu diesem Zeitpunkt neue Chef der BND, August Hanning, warnte eindringlich, „Auch unser Land ist betroffen, und zwar sehr direkt…Es besteht eine sehr reale Gefahr, daß auch Deutschland eher früher als später in die Reichweite dieser Waffen gerät.“ Die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen würden von Saddam Hussein vorangetrieben werden. Nachdem der Irak in einem neuzeitlichen „Blitzkrieg“ mehr oder weniger überrannt worden ist, dauerte die (verzweifelte) Suche nach den besagten „Massenvernichtungs-Raketen“ um so länger. Schon nach dem ersten Feldzug gegen den Irak, „die Mutter aller Kriege“ unter Papa Bush, hatten die offiziellen Abgesandten der US-Regierung, erhebliche Probleme, die vorweg aufgestellten Thesen gegen den Irak zu bekräftigen. Dafür wurden jedoch die Einsätze gegen die aufblasbaren Panzer-Attrappen der irakischen Armee als „tapfer und heroisch“ gefeiert.

Irankonflikt

5 vor Zwölf im Nahost
Bild: Thomas Blenkers / pixelio.de

Die tatsächlichen Absichten gegen den Irak, als auch gegen den Iran, wurden so offensichtlich, dass sogar Russlands Präsident Wladimir Putin die Gepflogenheiten der Diplomatie verließ und im Februar 2007 auf der Sicherheitskonferenz in München klare Worte aussprach. Die amerikansiche Außenpolitik sei „sehr gefährlich“ wegen ihrer „ungezügelten und übermäßigen Anwendung von Gewalt in den internationalen Beziehungen – Gewalt, durch welche die Welt in den Abgrund immer neuer Konflikte gestürzt wird…..der amerikanische Imperialismus habe seine nationalen Grenzen in fast allen Bereichen überschritten.“ Putin fügte hinzu, „Wir werden Zeugen zunehmender Missachtung der Prinzipien des internationalen Rechts“. Im indirekten Bezug auf das offensichtlich ins Visir geratene Iran, stellte Putin fest, „Niemand fühlt sich heute mehr sicher, da niemand mehr hinter dem internationalen Recht Schutz suchen kann. Dies wird zum Nährboden eines Wettrüstens und des Verlangens einiger Länder nach Atomwaffen.“

Bild.de setzt wieder einen drauf – Angst vor iranischen Atomangriffen
Als eine Propaganda gegen den Iran kann auch der Artikel von „bild.de“ verstanden werden. Die Schlagzeile „Können die Atom-Raketen der Mullahs auch uns treffen?“ läßt durch die Fragestellung wenigstens noch andere Möglichkeiten offen. Die Aussage wird aber durch das Schüren von Angst wieder in eine deutliche Richtung gedrängt. „Es geht um Angst. Atom-Angst, die von Iran aus die ganze Welt anzustecken droht.“. Lt. „Bild.de“ sei der Bericht der Atomenergie-Behörde IAEA mit klaren Worten versehen. „Ja, Iran arbeitet an der Atombombe oder hat das zumindest bis zum vergangenen Jahr getan“. Der Iran wäre hauptsächlich in Besitz von „Scud-Raketen“ aus Nordkorea“ – ein weiteres „Déjà Vu“, das die Thesen über Irak vor Augen hält. Konkret wird Bild.de mit der Darstellung der Schahab 5- und 6-Raketen. Diese hätten Reichweiten ab 3000 und 5000 Kilometern. „Tatsächlich könnten diese bis Europa reichen, vielleich sogar bis München und Berlin“. Immerhin wird in diesem Artikel auch erwähnt, dass der Iran diese Raketen noch gar nicht besäße, aber an deren Entwicklung arbeitete.

Obwohl die Aussage eines regimekritischen Journalisten in Teheran auf die innenpolitischen Probleme Irans bezogen ist, „Wer würde bei einem israelischen Angriff dann noch von einem Bankenskandal reden?“, könnte diese These auch für die gesamte westliche Welt Geltung finden. Die Politiker innerhalb der Euro-Zone und die der USA würden ein Ablenken von der finanziellen Katastrophe sehr begrüßen wollen. Dennoch halten führende Politiker und auch „Experten“ einen israelischen Angriff auf den Iran für unwahrscheinlich. Bild.de scheut wiederum nicht davor zurück, die bereits schon abgedroschen verfälschte These Ahmadinedschads zu gebrauchen: „Die Drohungen aus Teheran gegen den jüdischen Staat sind bekannt: Die Mullahs wollen ihn (den jüdischen Staat) von der Landkarte tilgen…“.

Israelische Kriegsdrohungen werden zum iranischen Angriff umgemünzt
Die Krönung im Bild-Artikel findet mit dem eigenen Widerspruch in sich statt. „Sollte Israel sich verteidigen, drohen die irren Mullahs mit Konsequenzen von „apokalyptischem Ausmaß“, so Bild.de und zitiert daruf einen ausländischen Diplomaten in Teheran: „Die heroische Rhetorik im Land sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei einem eventuellen israelischen Angriff und einem Gegenangriff alle Israel unterstützen und helfen würden, dem Iran aber keiner.” – Es ist offensichtlich, dass der von Israel angedrohte Angriff auf den Iran ins Gegenteil verdreht wird. Israel befindet sich in der offenbar mutwillig verzerrten Darstellung plötzlich in einer „verteidigenden“ Position wieder.

Propaganda gegen den Iran auf der ganzen Linie
Es ist ganz offensichtlich. Das „Säbelrasseln im Nahost“ findet eigentlich in den breiten Medien statt. Die Stimmung gegen den Iran wird massiv eingeheizt, „koste es was es wolle“, die Wahrheit wurde schon längst zu einer „billigen Ware“ reduziert, um sich die eigenen Interessen günstig zu erkaufen. Der Westen, allen voran die USA, streckt seine Faust dem Iran entgegen, den Fuß schon zwischen Tür und Angel geklemmt. Obama beabsichtigt seine Truppen aus dem noch besetzten Irak abzuziehen. Hat er auch gesagt dass sie „nach hause“ geschickt werden würden, wohin wohl könnte er seine Soldaten sonst noch hinschicken?!



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Quelle: wsws.org

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