Die erste Flugreise – Erinnerungen Club-Urlaub Türkei

Urlaubserinnerungen – 1. Flug überhaupt – Türkei, Antalya, Mai 2003

Am Abreisetag bin ich eigentlich wie üblich sehr früh aus den Federn gefallen, ungefähr um halb sieben. Nervosität bemerkte ich noch nicht, nur ein kleines Reisefieber. Um mich schon mal „seelisch“ auf das neue Klima einzustellen, versuchte ich mich gleich im Internet über das örtliche Wetter schlau zu machen. Da mir der n-tv Link als erster bei meinen IE-Favoriten über den Weg lief, klickte ich einfach mal drauf. Die erste Schlagzeile setzte mir den ersten Schrecken zu. Erdbeben in der Türkei in der vergangenen Nacht. Sollte es sich so fortsetzten, wie ich es mit dem Lauf der Dinge schon gewohnt bin? Nichts klappt von alleine? Bei weiterem Durchlesen des Berichts konnte ich mich dennoch wieder beruhigen. Das Epizentrum des Bebens war weit über tausend Kilometer entfernt, also östlich im kurdischen Grenzgebiet zu Irak. An meinem Urlaubsort wurde nichts weiter davon registriert.

Die folgenden Stunden ging ich x-mal im Kopf meine Pack-Liste durch, damit auch wirklich alles Nötige für die kommende Woche dabei ist. Ursprünglich stellte ich mir vor, dass zwei Badehosen und zwei Flaschen Sonnencreme eigentlich ausreichend sein müssten. Nachmittags um ungefähr vier Uhr klingelte endlich die Türglocke. Ich hatte mit meiner Schwester vereinbart, dass sie mich pünktlich zum Flughafen fahren wird. Pünktlich war sie, deshalb in aller Ruhe alle Lichter aus, Wasserhahn kontrolliert, Fenster zu und letztendlich alle Sicherungen raus, ausgenommen die der Küche.

Schon bei der Abreise im Münchener Flughafen bestätigte sich wieder einmal die These, dass es bei mir noch weit her ist, einen reibungslosen Ablauf der Dinge zu erleben. Dass mich nicht nur meine Schwester abholte, sondern mich auch meine Mutter und zwei ihrer Enkel begleiteten, hat mich erfreulich überrascht. Die Unterhaltung während der Fahrt war gesichert und noch mehr die Zuversicht, dass ich ohne Schwierigkeiten und Irrläufen meinen Sitzplatz im Flugzeug erreiche, schliesslich hat meine Verwandtschaft ausgiebige Flugreise-Erfahrung. Selbst die anhaltende Suche nach einem passenden Parkplatz brachte mich nicht ins Zweifeln, doch sehr bald mit einem Lachen im Gesicht die Gangway zu passieren. Wir fanden sogar eine Stelle, die sich sehr nahe an meinem Terminal befand.
Wir hatten vor, mich so schnell wie möglich einzuchecken, um die knapp 20 Kilo schwere Tasche los zu werden. Danach eine gemütliche Runde im Kaffee, bis es soweit war, ohne Hetze, ins Flugzeug zu steigen.
Zur gegebener Zeit standen wir alle, nach Wegweisung des Info-Standes, versammelt an der Absperrung vor den Anmeldeständen. Die Ratschläge und Hinweise meiner Mehrmals-Im-Jahr-Fliegenden Begleitung überschlugen sich förmlich. Also ging ich guter Dinge mit Reisetasche und Handgepäck, samt Ticket und Reisepass, durch die Absperrung und stellte mich brav hinter die Warteschlange. Mir fiel zu diesem Zeitpunkt gar nicht auf, dass ich der einzige Reisende war, dessen Reisetasche nicht mit einem gelben Band „verziert“ wurde. So kam es, wie es anscheinend kommen musste. Obwohl meine Schwester, bzw. meine Mutter keinen Meter vor dem Eingang der Absperrung standen, wiesen sie mich nicht darauf hin, mein Gepäck zum Durchleuchten auf das Laufband zu stellen. Bei mir kommt es sowieso öfters vor, dass ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe….

Irgendwie war es mir „gelungen“, unbeobachtet durch zugehen und bis zum Stand vorzudringen. Erst dort fiel es den Wachdienstherrschaften auf, dass ich den Sicherheits- Check wohl umgangen bin. Leider wurde die Situation nicht mit einer höflichen Bitte, meine Taschen durchleuchten zu lassen, bereinigt. Der Umstand, dass ich scheinbar unbehelligt und völlig unschuldig drein blickend, ungeröntgt im Sicherheitsbereich herum geisterte, schöpfte sofort Verdacht.
Es ist schließlich unmöglich, soweit vorzudringen, ohne dass trickreicher Vorsatz bestünde, da waren sich alle beteiligten Sicherheitsmänner einig. So kam ich in die Ehre, von zwei Uniformierten begleitet, den Weg wieder zurück zu gehen, damit diese Angelegenheit näher untersucht werden konnte. Neben eingehender Überprüfung meiner Personalien, meines Tickets und meiner mündlichen Aussagen über Ziel und Zweck meiner Reise, wurde meine fein säuberlich eingeräumte Reisetasche Stück für Stück inspiziert. Das Zerlegen meiner Handtasche tat mir nicht so weh, sie glich eh mehr einem Wühlbeutel. Gerne wäre ich bereit gewesen, für diese „Einlage“ noch wenigstens zwanzig Meter weiter zu gehen, um in einem separaten Raum „siziert“ zu werden. Aber so bekamen die Mitreisenden eine Show hingelegt, die sich gewaschen hat und ich fühlte mich mit hochrotem Kopf von mindestens hundert Augen von oben bis unten abgemustert. Ich empfinde es als ein Entgegenkommen der Wachhunde, dass sie meine 70-järige Mutter und meine Schwester samt ihren minderjährigen Kindern, die alles hilflos, gerade drei Armlängen weit weg, mit ansehen durften, nicht als Komplizen meines „Vergehens“ mit eingeschlossen hatten.
Letztendlich mussten die Gesetzeshüter doch einsehen, dass mein Reisemotiv aus reiner Erholungssuche bestand. Das ordentliche Einpacken meiner zerwühlten Sachen beschränkte sich lediglich auf die Hemden, alles andere fand -irgenwie- seinen Platz. Die Kaffeerunde war somit geplatzt, da das „boarding“ nicht mehr lange auf sich warten lies. Meine Stimmung dafür war obendrein „etwas“ unpassend. Dennoch hatte ich etwas Zeit innerhalb des „Sperrbereiches“ ein wenig in den Dutyfree-Läden herumzustöbern. Eine Stange West sollte eigentlich ausreichend sein für die kommende Woche. Für Uhren, Sonnenbrillen, Schmuck und Parfüms konnte ich mich nicht so begeistern, ausserdem gäbe es bei der Heimreise auch noch eine Möglichkeit, also warum jetzt kaufen und es den ganzen Urlaub mitschleppen. Endlich zeigte das Display an, dass das „boarding“ beginnen solle. Ich ließ mir allerdings Zeit, meine sieben Sachen zu packen, um mich hinten anzustellen. Die meisten Leute sind eh aufgesprungen, als wenn plötzlich kostenlose Präsente verteilt worden wären.
Endlich in meinen zugewiesenen Sitzplatz zu fallen, war fast eine Erlösung. Als einer der letzten Eintretenden konnte ich die begleitenden Blicke der anderen Passagiere so richtig genießen, mir schien, die haben wohl etwas von meinem „Auftritt“ beim Einchecken mitbekommen….

Mein Premiere-Flug lief glatt, problemlos und ohne Magenbeschwerden ab. Ich empfand es als ein tolles Gefühl, kurz nach dem Start eine steile Kurve zu fliegen, wie der Horizont nach oben bzw. nach unten steigt. Erst das leichte Hineingedrücktwerden in den Sitz um unvorbereitet plötzlich davon beinahe abzuheben, wenn man nicht angeschnallt wäre. Das alles im Blickfeld wie in einer aufsteigenden Röhre. Trotzdem will ich nicht verheimlichen, dass ich bei jedem Rütteln und Schütteln wärend des Fluges, besonderen Augenmerk auf die Flugbegleitung gelegt hatte, nur um zu sehen, wie sie darauf reagierten. Mein Kaugummi half mir nicht nur beim Druckausgleich in den Ohren….
Die fortwährend auf dem Monitor angezeigte Echtzeit-Position des Flugzeuges verriet mir, dass wir das Traunsteiner Land überflogen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir allerdings schon so an Höhe gewonnen, dass ich auf direkte Sicht nicht die weitere Flugroute erkennen konnte. Sinnbildlich gesprochen benötigte es nur ein paar Wimpernschläge mehr und wir befanden uns schon über Österreich.
Viel mehr gab es für mich von der Landschaft nicht zu sehen. Die Luft war dunstig, die Wolkengrenze bald überschritten und uhrzeitbedingt ging es fortan in die Dunkelheit, wobei der Übergang von Abenddämmerung im Westen zur schwarzen Nacht im Osten in gut 11km Höhe ein echtes Erlebnis ist. Eigentlich wollte ich ein Buch lesen, bemerkte aber schnell, dass ich viel zu unkonzentriert gewesen bin. Ausserdem hat es mich fasziniert, wie in der inzwischen wolkenlosen Dunkelheit immer wieder einzelne Lichtpunkte, leicht erhellte Flächen und mittelgrosse bis grössere Städte in Erscheinung getreten sind. Teilweise klebte meine Nase am Fenster und mit meinen Händen versuchte ich, die Spiegelung der Innenbeleuchtung etwas abzuschatten. Ich glaube, der Sitznachbar in der gegenüber liegenden Reihe war sich sicher, dass er es mit einem Grünschnabel zu tun hatte. Er dagegen lies sich durch nichts aus der Ruhe bringen und studierte fleissig seine Zeitung, als wenn es sich nur um eine kurze S-Bahn Verbindung handelte.

Zwischendurch wurde auch das Essen serviert, soweit ich es als eine vollwertige Mahlzeit bezeichnen will. Gegenüber meinen Gewohnheiten verbrauchte ich auch Milch und Zucker für meinen anschliessenden Kaffee, nachdem ich kurz daran genippt hatte. Dafür konnte ich mich so richtig austoben. Da ich meine Dreier-Sitzreihe für mich alleine hatte, nutzte ich fast selbstverständlich alle drei Klapptische, um den ganzen Verpackungs-Krimskram ein wenig von meinem Fuchteln fern zu halten.
Ich wurde aber durch den nächtlichen Anblick von Antalya mehr als entschädigt. Die glasklare Luft ermöglichte eine Sicht, die in unseren Breiten eher selten ist. Eine einzige Glitzerfläche aus Licht von Häusern, Platzbeleuchtungen, Autoscheinwerfern und Strassenleuchten. Ein Glück dass das Flugzeug beim Anflug auf den Flughafen eine Linkskurve flog, so erhaschte ich noch den besseren Blick auf Antalya. Mir fiel direkt auf, dass die Stadtplanung scheinbar strickte Weisungen gefolgt ist. Die Lichtfläche der Stadt endete plötzlich wie mit einem Messer durchschnitten ins Schwarze. Keine Ausfranzungen durch Licht einzelner Häuser und Strassen verunzierten die fast schon chirugisch scharfe Stadtgrenze. Erst nach einer weiteren Flugkurve erkannte ich das vermeintliche Geheimnis der Bauordnung. Das lichtlose Schwarz, dass an Antalya messerscharf grenzte, war schlicht und einfach das Meer. Ein Glück, dass niemand neben mir saß, ich hätte mit Sicherheit über diese Auffälligkeit gesprochen und mich wohl astrein blamiert.
Der Landeanflug war zugegebenermaßen eine kleine Nervenprobe für mich. Die Statistiken sprechen schliesslich für sich. Dennoch verlief alles nach Plan und wir landeten nach ein kurzen Poltern auf dem Rollfeld.

Die gut zweieinhalb Stunden vergingen buchstäblich wie im Fluge. Um kurz vor Mitternacht betrat ich also asiatischen Boden. Um nicht wieder unangenehm aufzufallen, tat ich es den Lemmingen gleich und folgte einfach den scheinbaren Reiseprofis. Zeit für die nächste Warteschlange, zur Passkontrolle. Diesesmal durfte ich, nachdem mir der offensichtlich müde und gelangweilte Grenzbeamte meinen taufrischen Pass mit einem Willkommensstempel „entjungferte“, ungehindert passieren. Sogar die Leute vom Zoll haben sich nicht für mich interessiert, obwohl ich wohl etwas dümmlich dreingekuckt hatte, weil ich nicht so genau wusste, was jetzt schon wieder kommt. Noch habe ich Anschluß an meine Leithammeln gefunden, da jeder an seinen Koffer kommen wollte. Nachdem auch ich meine Tasche gefunden hatte, löste sich die Menschenmenge in allen Himmelsrichtungen auf. Ein Glück, dass auch in Antalya die Beschilderungen und Richtungsweiser u.a. in Englisch gehalten sind. Zielgerecht folgte ich einfach dem „Exit“. Was Anderes blieb mir eh nicht übrig, da eigentlich für mich jede Richtung falsch oder richtig hätte sein können. Meine innere Spannung löste sich endlich, als ich einen uniformierten Mann am Hauptausgang des Flughafens entdeckte, der ein Schild, mit meinem Namen darauf, in der Hand hielt. Das war schonmal der erste „Schnickschnack“ meines Premiere-Hotel-Urlaubes, an den ich mich gewöhnen könnte. Er fuhr mich mit dem Dienstwagen über die Landstrasse nach Belek, ca. 35km weit, zum Hotel. Unsere Unterhaltung beschränkte sich auf´s Nötigste, besser gesagt, auf das, was wir gegenseitig sprachlich zusammen basteln konnten. Ich bat ihm eine Zigarette an und er fragte mich, ob ich nicht lieber deutsche Musik hören wolle. Allerdings wollte ich das wirklich nicht. „Jetzt bin ich in der Türkei und jetzt will ich auch türkische Musik hören“. Unterwegs traute ich meinen Augen nicht, als wir einen VW-Bus überholten, der ein Tölzer Kennzeichen trug. Die Welt kann sehr klein sein….

Um ungefähr viertel vor Eins stand ich in der Rezeption und „checkte“ mal wieder ein, aber diesesmal ohne Wartezeit. Jeder vernünftige Mensch erscheint schliesslich zu „christlichen“ Zeiten. Schlüsselbund mit Zimmerschlüssel, Tresorschlüssel und Strom-Freischalt-Stecker, dazu Handtuch-Karte und ab in mein Quartier. Dies war wieder mit einem kleinen Fußmarsch verbunden, der durch die halbe Anlage führte, vorbei an weiteren Unterkunftsgebäuden. Endlich habe ich das Gebäude mit dem Namen „K“ gefunden und zögerte nicht, die Treppen zum zweiten Obergeschoß zu erklimmen. Nur noch die richtige Zimmertür….Geschafft. Meinen Klamotten noch schnell die Plätze zugeordnet, mich mit den vielen Lichtschaltern vertraut gemacht und erstmal eine Spülung kaltes Wasser ins Gesicht. Es muss um die 2 Uhr gewesen sein, als ich ratzfatz eingeschlafen bin. Der erste Morgen barg schon die ersten weiteren Überraschungen. Natürlich waren weder Wecker noch Weckdienst aktiviert. Da das dem Bett gegenüberliegende Fenster gen Osten gerichtet ist, scheinte mir die Sonne direkt ins Gesicht. Deshalb kam mir der erste Gedanke, dass ich wohl das Frühstück verschlafen haben müsse, da die Sonne doch schon ziemlich hoch stand. Ein Blick auf die Uhr brachte mich ins Staunen. Es war gerade mal kurz nach acht Uhr, Ortszeit, also eine Stunde voraus. Die südliche Lage am Mittelmeer lässt die Sonne viel früher und anscheinend auch schneller über den Horizont aufgehen als in unseren Breiten. Aufstehen, Duschen, Eincremen, Anziehen und ran ans Buffet.

Morgenstunden ClubDie morgendliche Temperatur von 24°C hat mich fast erschlagen. Der Himmel wolkenlos. So hatte ich es mir vorgestellt. Zwischen Zimmer und Frühstückssaal durfte ich einen etwa zwei Minuten langen Fussmarsch in der freien Natur zurücklegen. Zum ersten Mal konnte ich bei Tageslicht meine neugierigen Blicke streifen lassen. Die ganze Anlage besteht nicht aus einem Gebäude, sondern aus vielen einzelnen Häusern, im eigenwilligen Stil, in denen die Gästezimmer, Bars, Essräume, Sport- und Fitnessgelegenheiten, Schwimmbäder, Sauna, Massageräume, Ruheräume, Hamam, Mini Club, Disko, Bühne für Shows, Läden für Schmuck und sonstigen Krimskrams und Personalräume untergebracht sind. Die Grünflächen dazwischen sind sehr schön mit Blumenbeeten, Kakteen, Palmen -deren Stämme wie überdimensional grosse Tannenzapfen aussehen-, Sträuchern, ebenen Rasen und weiteren, für mich undefinierbaren, Pflanzen angelegt. Die Wege und Verbindungsstrecken wurden durchweg mit Bodenfliesen in verschiedenen Farben gepflastert. Kulinarische Gelegenheiten gab es fast an jeder Ecke. Ob an der Pool Bar für einen Snack, oder der Hauptspeisesaal, der hochgeschossig über eine breite Treppe zu erreichen war, das Strand-Restaurant a la card, Beach Bar mit knapp 60 Tischen, Turkuaz Bar, Mega Cafe, Mini Bar oder Mega Bar. Vollpension, all inclusive, keine Zuzahlung. Die ausgewiesen Speisezeiten waren so breit gefächtert, dass ein fliessender Übergang von Essen zu Essen möglich gewesen wäre. Noch an diesem Tag bin ich in die Rezeption gegangen, um mich an dem Aushang und den Auslagen zu vergewissern, ob ich hier eigentlich richtig bin, dass kein Missverständniss besteht, nicht dass ich am Tag der Abrechnung eine gewaltige Überraschung erlebte. Aber alles korrekt. Also hemmungslos zurück ins Getummel. Die Auswahl am Buffet war für meine Erfahrungen schier überwältigend. Brot, Gemüse, Obst, Käse, Wurst, Pfannenkuchen, Eier -gekocht oder in der Pfanne gebraten-, Gewürze, Marmelade, Honig, Müsli, Kaffee (ungenießbar), Tee, Milch, Säfte, Wein, Bier, Gebäck, alles in vielfacher Variation und Menge. Soviel zum Frühstück. Die Angestellten, ungefähr 250 an der Zahl, in der gesamten Anlage, liefen förmlich wie die Ameisen umher. Immer bemüht, es den Gästen so angenehm wie möglich zu gestalten. Die Getränke wurden teilweise auf Bestellung gereicht. Ein Glas oder ein Teller geleert, bis drei gezählt, schon kam einer von ihnen angerannt und räumte es vom Tisch, mit der höflichen Frage, ob noch ein Wunsch offen stünde. Stets begleitet mit echtem Lächeln und, je nach Sprachkenntnis, mit Humor. Kleine Kinder wurden ausnahmslos von allen herzlich und spielerisch behandelt. Wehe sie hatten blondes Haar und blaue Augen…
Selbst wenn sich Gäste, egal welcher Nationalität, sehr daneben benahmen, wurden sie mit aller Höflichkeit und Geduld behandelt. Diese Kombination von all inclusive und Dasein als Kundenkönig veranlasste leider einige Urlauber dazu, sich schon beim Frühstück die Kalorien via Bier bzw. Wodka zuzuführen. Nichts desto trotz konnte ich beobachten, dass sogar inzwischen Gehunfähige mit einem Begleitservice Richtung Zimmer chauffiert worden sind.
Mein Urlaubs-Alltag pendelte sich sehr schnell in eine gewisse Regelmässigkeit ein. Noch vor dem Frühstück schlürfte ich zum Strand, um mich meiner Badesachen zu entledigen. Da waren Handtuch, Literatur, Creme und Kamera in der Tasche, die ich getrost beim vorbereiteten Liegestuhl stehen lassen konnte.

Strand-ClubDer Strand wurde durch abgestelltes Personal in Uniform bewacht. Somit gehörte ich wohl zu der Kategorie Liegestuhl-Besetzer, aber ich denke, wer dies schon um halb acht auf sich nimmt, der hat ein Zuckerl verdient. Nach erster Bauchvollschlagung gings über die Beach Bar, um mich mit einer Wasserflasche auszurüsten, wieder zum Strand zurück. Den Sonnenschirm ausgerichtet, schwer niederliegend und den Blick aufs Meer. Das mit der zurückgebrachten kräftigen Bräune wird schon durch die Verweildauer von nur einer Woche ausgeschlossen. Normal wären wohl drei Wochen nötig. In der ersten Woche Schatten, ab der zweiten Woche Fiftyfifty, damit die dritte Woche unter der prallen Sonne verbracht werden könnte. Da ich alles Andere als sonnenverwöhnt bin, muss
ich höllisch aufpassen, vor allem bei dieser intensiven Bestrahlung, dass da kein roter Krebs nachhause kommt. Dennoch kann ich getrost von einer, selbst für mich überraschenden, Verfärbung sprechen, mit der ich niemals gerechnet hätte.
Schon vor Mittag kletterte das Thermometer jeden Tag auf mindestens 34°C. Immer wieder fand ich mich an der Beach Bar und trank im Schatten eine Cola, Radler oder einfaches Mineralwasser. Mit dem Mittagessen hielt ich es wie mit meinen Samstags-Einkäufen. Lieber kurz vor Schluss in Gemütlichkeit und Ruhe, als sich ins Gewühle der sich anrempelnden Menschen stürzen, als wenn es die letzte Mahlzeit für lange Zeit wäre.

Den Nachmittag gestaltete ich ähnlich. Strand, Beach Bar, Strand, Beach Bar. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so richtig faul sein könnte, habe auch heute keine schlechtes Gewissen deswegen. Zu Folklore-Veranstaltungen wie, Wassergymnastik, Beach Volleyball, Darten, Pfeil und Bogen schiessen, Luftgewehr schiessen, Wasserball, Fussball, oder gar Aerobic habe ich mich nicht hinreissen lassen. In zwei Dingen bin ich allerdings schwach geworden. Einmal war es das sogenannte Hamam und einmal Massage. Den Rat, Hamam lieber am Anfang des Urlaubs über sich ergehen zu lassen, hatte ich befolgt.

Hamam beginnt mit einem Aufenthalt in einem geschlossenen Raum, der dort fast einer kleinen runden Halle ähnelt, in dem ein sehr warmes und feuchtes, fast subtropisches Klima herrscht. Ein mildes Dampfad würde es genauso gut beschreiben. Das Licht ist sehr gedämpft und die Luft ist von Dampf und Duftölen geschwängert. In Badehose, auf einem Handtuch sitzend, wartet man, bis die gerade behandelten Gäste abgefertigt sind. Inzwischen kann getrost dem Wassergeplätscher gelauscht und die Seele hängen gelassen werden. Allerdings wurde ich jäh wachgerüttelt als mir unverhofft eine Schale voll warmes Wasser über den Rücken gegossen wurde. Das scheint normal zu sein. Auf jeden Fall besser als kaltes Wasser. Die eigentliche „Hamam-Behandlung“ beginnt mit dem Hinlegen samt Handtuch auf eine Plattform, ob Rücken oder Bauch ist egal. Hier hatten immerhin drei Personen gleichzeitig Platz. Von nun an wird mit einer Art Handschuh begonnen, den gesamten Körper abzurubbeln und zwar kräftig. Auf Kommando wenden und weiter gehts.
Der nächste Schritt ist das buchstäbliche Überhäuftwerden von Seifenschaum. Ein sackförmiger dünner Stoff wird dazu in einen mit Seifenwasser gefülltem Behälter getaucht und danach durch geschicktes Herumwirbeln in der Luft förmlich wie ein Ballon aufgebläht. Mit zugehaltenem Ende streifen die Hamam-Künstler dieses Tuch wieder lang, dabei erzeugt die herausgepresste Luft durch den getränkten Stoff einen gewaltigen Berg aus Schaum. Dies wird so oft wiederholt, bis nichts mehr vom Körper zu sehen ist. Nun wird, mit leichter Massage verbunden, die Seife eingerieben. Letztendlich eine kräftige Abspülung mit angenehm temperiertem Wasser. Es kostete mich Überwindung, wieder in die aufrechte Gangart zurückzukehren. Wem das alles nicht genug ist, darf sich freiwillig melden, noch mit wabbeligen Knien, sich wieder auf eine Liege zu begeben, zugedeckt zu werden, um sich eine Schlamm-Maske verpassen zu lassen. Nach weiteren fünfzehn Minuten ist man dann endgültig von diesen Qualen erlöst. In meinem Fall war der Tipp, diese Behandlung zu Beginn der Sonnensaison durchführen zu lassen, Gold wert. Dieses Hamam ist soviel wie Ganzkörper-Peeling. Entsetzlich der Gedanke, eine Woche anstrengendens Sonnenbaden für Nicht-Blässe, um sich am letzten Tag wieder in den Januar zurück versetzen zu lassen.
Dagegen ließ ich mir am vorletzten Tag den Rücken durchkneten. Meine erste professionelle Rückenmassage überhaupt. Bis dato wusste ich gar nicht, wo, was für und welche Muskeln es eigentlich überall in meinem Rücken gibt. Das konnte ich noch lange nachvollziehen.
Mein Muskelkater hat mich bis nachhause begleitet.

Während der Woche besuchte ich einmal die nächtliche, ca. eine Stunde lang dauernde Show, die von Angestellten der Anlage dargeboten wurde. Sie stellten in kurzen Spielszenen ironisch überspitzt Eigenschaften und Verhalten der Leute unterschiedlicher Nationen dar. Die meisten Urlauber aus den entsprechenden Herkunftsländern, wie Russland, Holland und Deutschland haben ihr Fett abbekommen. Teilweise wurde vor Lachen gebrüllt.
In die Disko hat es mich ebenfalls nur einmal verirrt. Ein paar neugierige Blicke hineingeworfen, um festzustellen, dass das Gewühle mehr als lebhaft, die Musik sehr laut und die Mehrheit nicht mehr nüchtern war. Ganz nebenbei wollte ich nicht als Aufpasser der kleinen Küken gelten.
Jeder Abend endete an der Mega Bar, entweder an den Tresen mit netter Unterhaltung, oder gleich am Tisch, wo mir unter anderem Spiele, wie Uno oder Rummikub beigebracht worden sind. Ich hatte viel Zeit, verschiedene Mixgetränke zu probieren. Über Wodka-Lemmon, Blue Belek, Wiskey Cola, Sex on the beach und anderen Fantasie-Mischungen bin ich schliesslich bei Campari-Orange gelandet. Dies blieb mein Favorit. Der angebotene Wein konnte mich nicht überzeugen und Weissbier war nicht im Angebot enthalten. Über die Strenge hatte ich nie geschlagen, da mir die verlorenen Stunden am nächsten Morgen viel zu schade gewesen wären.

Für den Dienstag Vormittag nahm ich mir vor, zum wöchentlichen Markt in die nachbarschaftliche Ortschaft Katriya zu fahren. Der Reiz bestand schon alleine darin, wenigstens einmal den goldenen Käfig zu verlassen um die reale Umwelt mit ihren Menschen kennenzulernen. Jede halbe Stunde, plusminus 10 Minuten, je nach Lust, Laune und Wetter, hielt vor den Toren der Anlage ein Linienbus, der schnurstracks für 50 Cent nach Katriya fuhr. Die Fahrt dauerte keine viertel Stunde und ich stieg, wie es der natürlich pure Zufall wollte, unmittelbar vor den ersten Marktständen wieder aus. Ich blickte auf eine lange Strasse, in deren Mitte, in zwei Reihen fein angeordnet, die Stände aufgestellt waren. Das Angebot erstreckte sich über T-Shirts, Strümpfe, Hosen, Parfum, Ledergürtel, Handtaschen, Brillen, Souveniers, frisch gepresstem Orangensaft, Schmuck und vielen anderen nützlichen und unnützen Dingen. Mir war von vornherin klar, dass ich zu den Zielscheiben der geschäftstüchtigen Verkäufern zählte, aber dass ich so oft „Nein danke“, „Nein“, „Brauch ich nicht“, „Hab ich schon“, „Vielen Dank“ zu verstehen geben musste, damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet. Eine vorübergehende Flucht auf die Gehsteige, einfach raus aus der Mitte, war wie mit dem Regen in die Traufe kommen. Man lief den freundlich lächelnden Eigentümern der fest eingerichteten Läden direkt in die weit ausgebreiteten Arme. Trotzdem hielt ich meine Gepflogenheit, zielgerecht mit Einkaufsplan, die Läden zu betreten, um nach Einpacken der Ware gleich wieder abzutreten, souverän durch. Mir blieb fast nichts anderes übrig. Ständig hatte ich das Gefühl, gleich kopfüber hochgezogen zu werden, um aus mir auch den letzten Cent herauszuschütteln. Vielleicht ein wenig übertrieben, denn niemand wurde zu sehr aufdringlich, geschweige unverschämt. Ein T-Shirt, eine Stretch-Hose und zwei T-Shirts für meine Jungs hatte ich in ein und demselben Laden gekauft. Ich war kein Kunde, ich war Gast. Beeindruckend. Eine dicke Scheibe diesen Umgangs mit Kunden könnten unsere Geschäftsleute gut vertragen.
Noch schnell einen Gang in die Apotheke, wobei dort Schuhe ebenfalls zu erhalten gewesen wären, um mich vorsichtshalber mit Aspirin zu versorgen, das ich bei meiner Abreise vergaß mit einzupacken. Eine 20-er Packung für 70 Cent. Ich möchte gerne wissen, wer sich hierzulande in Deutschland wohl die goldigste Nase verdient….

Auf dem Rückweg zur Bushaltestelle bemerkte ich viele Frauen, in Kopftüchern verhüllt und einen Handwagen hinter sich herziehend, die entlang einer aufgerissenen Seitenstrasse die gleiche Richtung einschlugen. Meine Neugierde ließ sie mich einfach mal unverbindlich folgen.Was ich vermutete, bestätigte sich schon nach der nächsten Kreuzung. Völlig unscheinbar tat sich eine weitere Marktkette auf. Diesesmal nicht aus schönen Holzbaracken, die alle dem gleichen Schreiner entsprungen zu sein schienen, sondern kunterbuntes Durcheinander von Markiesen-Aufbauten vor Wohnwägen, einfachen Planen-Gestellen, Aufbauten ohne Bedachung und geöffneten Kofferräumen der rückwärts geparkten Autos. Der Alltagsmarkt für Lebensmittel und einfachen Gebrauchsgegenständen.
Die ständigen Zurufe der Verkäufer wandelten sich hier mehr in erstaunte Blicke. Dies war für mich allemal weniger anstrengend als ein permanenter Spießroutenlauf um Ruhe. Der Stand mit der riesigen Menge an Nüssen tat es mir besonders an. Eine solche Vielzahl von Arten hatte ich bisher noch nie live zu sehen bekommen. Immerhin waren mir Pistazien schon bekannt, für die anderen Sorten kenne ich auch jetzt nicht deren Namen. Glücklicherweise lagen vorab in Plastiktüten verpackt richtige Nuss-Cocktails bereit. So blieb es mir erspart, mich mit Händen und Füssen verständlich zu machen. Zwei von diesen Nusstüten musste ich einfach haben. Das kostete mich umgerechnet etwa ein Honigbrot. Mehr als für eine Kostprobe ließ ich mir nicht Zeit, da die Temperatur inzwischen schon kräftig angestiegen war und mein verwöhnter Magen zu protestieren begann. Die Nüsse sollten für die Hungerstillung nicht herhalten.

Wie vorprogrammiert fuhr mir der letzte Bus vor Nachmittag an der Nase vorbei und verschwand richtung Touri-Center, wo ich auch hin wollte. Das brachte die Taxifahrer ins Spiel. Völlig selbstlos boten sie mir ohne Aufforderung, geradezu im Wettkampf, ihren Service an. Dem Fahrer mit den besten Deutschkenntnissen schenkte ich am meisten Gehör. Wir einigten uns von seinem ursprünglichen Spezialpreis, nur für mich wie er meinte, von 14 Euro auf 5 Euro. Immerhin hatten wir den Bus noch überholt und ich kam leicht, letztendlich pünktlich, wenn auch etwas verkrampft, an der Hotelanlage an. Falls es dort sowas wie eine Stvo gibt, dann hat dies der Taxifahrer einfach ausser Kraft gesetzt. Ich gab ihm 6 Euro. Auf dem Oktoberfest würde man mindestens das Gleiche bezahlen, bei viel kurzlebigerer Fahrt. Meine Erkenntnis nach diesem Einkaufsausflug bestand darin, dass der Ort Katriya scheinbar nichts mehr von seiner ursprünglichen Eigenart besitzt.

Eine Kleinstadt mit ungefähr 2000 Einwohnern und 40 Juwelieren. Der Eigenbedarf an Schmuck und Uhren müsste schon astronomisch hoch sein, um dies vernünftig in Relation zu setzen.
Nach einer Woche kam es, wie es kommen musste. Das Display an der Beach Bar zeigte den Tag X an, den 08.05., Abreisetag. Die meisten Sachen hatte ich schon am abendlichen Vortag gepackt. Ich vereinbarte einen Transfer zum Flughafen für 13 Uhr. Nach dem Frühstück nutzte ich die letzten Momente in der Sonne aus, verbunden mit Erfrischung-Unterbrechungen an der Bar. Ich verabschiedete mich nach und nach von den Reisebekanntschaften und hoffte insgeheim, dass mich irgendjemand an den Bootsteg fesselt, um mich davon abzubringen, mein Zimmer zu räumen. Niemand hat sich dafür erbarmt.

Also, halb eins an der Rezeption für den Papierkram und auf den Fahrer warten. Während dieser Zeit erinnerte ich mich an die eine Nacht, in der ich ungefähr um zwei Uhr aus dem Schlaf gerissen wurde, weil mein Zimmernachbar mit seiner Frau, ein russisches Paar, allem Anschein nach, etwas Streit hatten. Sie hielt sich im Zimmer auf, er stand im Flur, ohne Schlüssel. Er wollte rein, sie wollte ihn nicht reinlassen. Nach lautem, unverständlichem Gebrüll, versuchte der Gatte tatsächlich die Tür einzutreten. Selbst nach Dutzend Tritten blieb sie verschlossen. Als endlich wieder Ruhe einkehrte, klopfte der friedliche Zeitgenosse, immerhin mit dem Finger, an meine Tür. Da sowieso schon hellwach, öffnete ich sie und da stand der Randalierer mir gegenüber und gab lallende, russische Sätze von sich. Ich musste mich sehr beherrschen, um nicht lauthals loszulachen. Die Erscheinung war ein Bild für Götter. Nackter Oberkörper, verkehrt herum angezogene Shorts und ein einzelner Badeschlapper am Fuss. Der andere steckte wohl schon in der Tür seines Zimmers. Im ganzen Gesicht war das Wort Wodka zu lesen.
Immerhin schaffte er es, mit wilden Gesten, mir klar zu machen, dass er über meinen Balkon klettern wollte. Selbst im nüchternen Zustand wäre es ein gefährliches Unterfangen gewesen. Ich antwortete schlicht „Njet, ja ni chatschu, paka“, das heisst soviel wie „Nein, ich möchte nicht, servus“. Ein paar Sätze und einzelne Wörter hatte mir ein ehemaliger Arbeitskollege, ein deutschstämmiger Russe, beigebracht. Das erste Mal, das es sich lohnte. Glücklicherweise kamen schon die ersten wachhabenden Angestellten und nahmen den übermüdeten Zeitgenossen in Gewahrsam. Zu einer ausführlichen Diskussion wäre ich nicht imtande gewesen. Selbst jetzt kann ich mir ein Lachen über diese ganze Situation nicht verkneifen.

Flughaven AntalyaDafür hatte ich auf dem Weg zum Flughafen Gelegenheit, mich ein wenig mit dem Fahrer zu unterhalten. Wir fanden uns zwischen deutsch und englisch zusammen. Ich hatte Fragen zur Landschaft, die Namen des Gebirges, das uns fast im Halbkreis umschloss, lediglich das Meer bat einen offenen Blick in die Ferne. Ich erklärte ihm meine Herkunft, nahe der Alpen, und mein Interesse an „seinen“ Bergen. Es liegt wohl in der Natur, dass er seine Landschaft schöner fand. Ich musste zugeben, dass der mögliche Übergang vom Skifahren in den Bergen zum Baden im Meer bei gut 30°C Lufttemperatur seinen Reiz hat. Immerhin waren vom Strand aus Berge zu sehen, die über 2500m in die Höhe ragten. Ein impolsanter Anblick. Für eine Handvoll Schnee, der unübersehbar im Gipfelbereich lag, hätte ich im schweissgebadeten Zustand, im Backofen der Mittagszeit, gerne etwas springen lassen.
Der Fahrer hielt für mich genau vor dem Haupteingang des Flughafens, nachdem er sich kurz vorher noch ersichtlich stolz dafür bedankte, dass ich sein Land als sehr schön und die Bewohner darin als äusserst freundlich und zuvorkommend befand. Wie von einer Tarantel gestochen stürzte er aus dem Auto und holte mein Gepäck aus dem Kofferraum. Ich hatte sogar Mühe, ihm mit Handschlag und Trinkgeld zu danken und mich zu verabschieden. Wir standen im absoluten Halteverbot. So schnell wie wir ankamen, war er auch schon wieder weg. Die Uhr zeigte mir, dass ich genügend Zeit hatte, um in Ruhe meine Wege zu suchen. Gleich ein paar Meter hinter dem Haupteingang stellte ich fest, dass die Türken die bessere Lösung parat hatten. Hier war es gar nicht möglich, versehentlich, blindlinks irgendwo hineinzugeraten, ohne vorher seine Koffer durchleuchten zu lassen. Wer in den Flughafen will, muss automatisch als erstes diese Vorrichtung passieren, fertig. Einfacher gehts nicht. Das reicht sogar für mich und Meinesgleichen. Dafür folgte schon der erste Schrecken. Auf dem Online-Display der Abflugzeiten fand ich nirgends meine Flugnummer. Dabei überstrich die Anzeige die aktuellen Flüge bis zu den Flügen am späten Abend. Die Antwort fand ich am Info-Stand. Mein eigentlicher Flug wurde gestrichen. Dafür sind zu einem späteren Zeitpunkt zwei Einzelflüge zusammengelegt worden, mit Zwischenstop in Frankfurt. Naja, lieber später als nie. Meine überschüssige Zeit nutze ich, um den Flughafen, genauer gesagt, die Halle, ein wenig in Augenschein zu nehmen. Schon bei der Anreise fiel mir der Baustil mehr als deutlich auf, hatte lediglich keine Zeit, mich wenigstens etwas darum zu kümmern. Die Wände, Böden, teils die Decken sind aus Marmor gehalten, ebenso die Stützsäulen. Den echten orientalischen Touch bildet die grosse, mittig gehaltene Kuppel der Halle. Darunter der ebenso dimensionierte, flache Brunnen, dessen verzierte Kacheln deutlich daran erinnern, in welcher Region man sich befindet. Wem es beliebt, kann sich an den grosszügigen Brunnenrand setzen, oder sich eine Etage höher begeben, um den Blick von oben zu geniessen. Die Handläufe, Stufen und Verzierungen sind sehr edel gehalten. Im Gegensatz dazu ist der postmoderne Münchener Flughafen eine kalte Edelstahl-Blechdose. Lediglich die vorhandenen Imbissstände, Kioske, Duty Free Läden und Sitzgelegenheiten passten nicht wirklich ins Gesamtbild der Bausubstanz.

Der weitere Weg zum Sitz im Flugzeug verlief ohne Zwischenfälle und Probleme. So langsam wandelte sich die leichte Trauer über meine Abreise in Vorfreude auf mein trautes Heim. Es ließ sich sowieso nichts daran ändern. Da ich diesesmal schon um halb vier nachmittags in der Luft war, konnte ich die Landschaft sichtlich bewundern. Hartnäckigerweise gab es immer noch keine Wolkenbildung, selbst an meinem Abreisetag. Auch das Bordessen war auf dem Rückflug deutlich besser, immerhin war im Gegensatz zur Anreise, jede Zutat im Einzelnen identifizierbar. Wie bestellt und pünktlich geliefert verschwand die Landschaft ab europäischem Boden unter einer dichten, weiten Wolkendecke. Erst kurz vor Frankfurt riß sie bruchstückhaft wieder auf. Dort durften wir allesamt aussteigen, um nach gut vierzig Minuten Pause wieder die Sitzplätze aufzusuchen. Neue Passagiere stiegen mit hinzu. Für sie galt die Route: Frankfurt-Antalya mit Zwischenstop München. Ich geb´s zu, etwas Neid kam schon auf. Die letzte Etappe war blitzschnell zurückgelegt. Das Rollen des Flugzeuges von bzw. zur Start- und Landebahn, der Transfer mit Bus zum Terminal, dauerte fast länger als der eigentliche finale Flug.

In der Heimat angekommen brauchte ich nur noch auf mein Gepäck warten, das endlich mal auf dem Förderband auf mich zukam. Als einer der Letzten verließ ich den Ankunftsbereich und wollte so schnell wie möglich zur S-Bahn gelangen. Irgendwie scheint es in meiner Natur zu liegen, dass es einfach nicht unkompliziert ablaufen kann. Schliesslich hat mir niemand heimlich einen Zettel auf den Rücken geklebt, auf dem „Ich bin Schmuggler“ stand. Eine unscheinbare junge Dame schritt auf mich zu, klappte einen Ausweis auf und meinte, sie wäre Zollbeamtin. Nach der ersten Frage, ob ich alleine gereist sei, die ich mit ja beantwortete, kam schon der nächste, geradezu richtungsweisende Anschluss: „Wieviele Stangen Zigaretten haben sie dabei?!!“. Die Frage, ob überhaupt, stand erst gar nicht zur Debatte. Ohne schlechtes Gewissen konnte ich erwidern, dass sich Null Stangen in meinem Gepäck befänden. „Bitte folgen Sie mir!“…ok, den Rest spare ich auf.

Immerhin fahren die S-Bahnen in relativ kurzen Abständen nach München ab. Deshalb konnte ich gleich nach Erreichen der Gleise in einen Wagon einsteigen.
Die Donnersberger Brücke war für mich Umsteigebahnhof. Die S7 nach Wolfratshausen stand schon auf dem gegenüberliegenden Gleis bereit. Leider hatte der Zugführer kein Verständnis dafür, auf mich zu warten. Die läppischen zwanzig Minuten bis zum nächsten Zug würde ich locker über die Zeit bringen. Wie vorpgrommiert zeigte mir das Bahnhofsdisplay an, dass die nächste S7 lediglich bis Höllriegelskreut fährt. Das ist auf dieser Strecke normal, aber irgendwie schaffte ich es mal wieder, genau diese selten eintreffende Situation auf den Punkt zu erwischen. Also dann halt vierzig Minuten warten. Dass die männliche Stimme aus den Lautsprechern verkündete, alle auswärts fahrenden Züge hätten bis zu zehn Minuten Verspätung, brachte mich dann auch nicht mehr aus meiner Ruhe, die eigentlich schon mehr Müdigkeit war. Endlich eingestiegen, mit vorraussichtlichem Halt in Wolfratshausen, konnte jetzt eigentlich nichts mehr schief gehen und es ging tatsächlich nichts mehr schief. Meine Schwester erwartete mich schon am Bahnhof. Die ursprüngliche Ankunftszeit hatte ich vorsorglich jedesmal mit einer SMS aufs Neue verschoben. Zuhause angekommen warf ich alles in der Hand gehaltene auf den Boden und habe es bis zum nächsten Tag völlig ignoriert.

Trotzdem sehe ich über die Missgeschicke der Reisephasen grosszügig hinweg
und komme zum Schluss, dass es eine herrliche Woche gewesen ist.
Nach heutiger Sicht ist mir allerdings die „Freiheit“ ausserhalb eines Clubs viel lieber….

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2 thoughts on “Die erste Flugreise – Erinnerungen Club-Urlaub Türkei

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